Vorsicht im Wald Expertentipps zum Schutz vor Zecken

Von Frank Henrichvark

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Osnabrück. Mit dem Frühjahr beginnt wieder die Zecken-Saison. Die ersten dieser blutsaugenden Insekten sind bereits in Wald und Flur unterwegs. Warum ist der Zeckenstich so gefährlich, und wie kann man sich dagegen schützen? Wir sprachen mit Dr. Rüdiger Eddicks, Facharzt für Innere Medizin in Osnabrück, der auch die Selbsthilfegruppe Borreliose berät, wie man sich schützt und was bei einem Zeckenstich zu tun ist.

Macht jeder Zeckenstich krank, und wie erkannt man die Symptome einer Borreliose-Infektion?

Zecken können beim Menschen grundsätzlich zahlreiche Erkrankungen übertragen wie eine Form der Hirnhautentzündung (FSME) oder eben auch die Borreliose. Dabei sind Zecken nur Überträger der Erkrankungen. In Niedersachsen sind etwa 25 Prozent der Zeckenpopulation Überträger der Borreliose. Die Gefahr nach Übertragung der Borrelien, einer Bakterienart, auf den Menschen besteht darin, dass bei zunächst unspezifischen Krankheitssymptomen ähnlich einer Grippe mit Kopfschmerzen, allgemeiner Schwäche, Muskel-und Gliederschmerzen die Erkrankung dann in ein chronisches Stadium übergehen kann und somit schwer zu behandeln ist. Die sogenannte Wanderröte (lateinisch Erythema migrans), eine ringförmige Hautrötung rund um die Einstichstelle der Zecke, tritt nur in der Hälfte der Infektion mit Borrelien auf und ist deshalb kein sicheres Zeichen für die Erkrankung.

Und wie kann man sich dagegen schützen?

Bester Schutz vor Zeckenstichen ist das tägliche Absuchen des Körpers bei der körperlichen Abendpflege, insbesondere bei Kindern in der Jahreszeit von März bis November. Sogenannte Repellentien, also Abwehrmittel wie Mückenlotion zum Einreiben, sind nicht wirklich sicher.

Was ist bei einem Zeckenstich zu tun? Wie entfernt man das Insekt am besten?

Eine Zecke lässt sich am sichersten und bei einiger Übung mit einer speziellen Zeckenzange oder einer Pinzette entfernen. Auf keinen Fall sollte die Zecke mit den Fingern entfernt werden, da durch das Quetschen des Zeckenleibs sich die Gefahr einer Übertragung auf den Betroffenen deutlich erhöht.

Wie äußert sich eine Infektion mit den Borreliose-Bakterien, und muss jeder Zeckenstich – auch ohne Krankheitssymptome – ärztlich untersucht werden?

Im Frühstadium der Borreliose stehen uncharakteristische Symptome wie allgemeines Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen im Vordergrund, die leicht als sogenannte Sommergrippe interpretiert werden. Anschließend entwickeln sich Gelenksentzündungen, in 80 Prozent der Gelenkbeteiligung sind dabei die Kniegelenke betroffen. Später kommt es dann zur Beteiligung des Nervensystems mit Lähmungen im Gesicht und zum Teil auch der Extremitäten.

Nach einem Zeckenstich sollte der Betroffene ohne Panik einen Arzt aufsuchen, der dann fachgerecht die Zecke entfernt, wenn er sich die Sache nicht selbst zutraut. Je kürzer die Saugzeit der Zecke, desto geringer ist die Infektionsgefahr. Im Allgemeinen gilt eine Mindestzeit des Saugaktes von zwölf Stunden als riskant, aber auch kürzere Zeiten bis acht Stunden wurden beschrieben.

Zecken übertragen auch ein Virus, das die Frühsommer-Meningitis, eine Hirnhautentzündung, auslösen kann. Kommt diese Erkrankung auch in unserer Region vor, und sollte man sich vorbeugend impfen lassen?

Zecken übertragen tatsächlich auch andere Infektionserkrankungen wie zum Beispiel die Frühsommermeningoencephalitis (FSME). Diese durch Viren hervorgerufene Erkrankung kommt in unserer Region eher selten vor, häufiger jedoch in Süddeutschland (Bayern, Baden-Württemberg), in Österreich, Tschechien, Polen. Urlaubern, die sich viel im Freien aufhalten, empfehle ich, eine Impfung gegen FSME bei ihrem Hausarzt durchführen zu lassen.

Welche Therapiemöglichkeiten stehen bei einer akuten Borreliose zur Verfügung? Und was kann der Arzt bei Langzeitschäden nach einer Borreliose tun?

Die Behandlung einer aktuellen Borreliose ist stets eine Antibiotika-Gabe in Form von Tabletten, in Spätstadien auch als Infusionen. Die Dauer der Behandlung ist abhängig vom Verlauf des Krankheitsbildes. Langzeitschäden wie Nervenschäden, Gelenksentzündungen oder auch Spätschäden der Haut werden zunächst ebenfalls mit Antibiotika behandelt. Zusätzlich wird eine symptomatische Therapie zur Linderung der Beschwerden durchgeführt.

Ein Vortrag von Dr. Rüdiger Eddicks findet am Dienstag, 8. April, um 19.30 Uhr im Haus der Gesundheit, Hakenstraße 6, statt. Anmeldung erbeten unter borreliose-shg-os@t-online.de oder Tel. 0541/76079371.


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