Experte: Anpassung dauert etwa zwei Tage Zeitumstellung 2014 bringt viele aus dem Takt

Von dpa

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Bald ist es wieder so weit: Die Uhr wird umgestellt. Foto: dpaBald ist es wieder so weit: Die Uhr wird umgestellt. Foto: dpa

Bremen/Berlin. Wenn am kommenden Sonntag die Uhr eine Stunde vorgestellt wird, klagen viele Deutsche über Müdigkeit. Jeder Vierte spürt negative Auswirkungen, wie eine repräsentative Umfrage für die Krankenkasse DAK-Gesundheit ergab. Demnach fühlen sich vor allem Frauen in den Tagen nach der Umstellung auf die Sommerzeit schlapp, haben Probleme beim Schlafen oder mit der Konzentration.

„Es ist so eine Art Mini-Jetlag“, sagte der Regensburger Schlafforscher Professor Jürgen Zulley. Jeder Mensch habe einen biologischen Rhythmus, von dem er nicht so einfach abweichen könne. „Wir müssen davon ausgehen, dass wir zumindest für ein, zwei Tage nicht im richtigen Takt leben.“ Dem Psychologen zufolge sind viele Menschen am Montag nach der Zeitumstellung müde und weniger leistungsstark als sonst. Spätestens nach zwei Tagen seien die Probleme in der Regel vorbei, dann habe sich die innere Uhr angepasst. „Es gibt aber Menschen, die ein, zwei Wochen leiden, und manche sagen, sie würden sich überhaupt nicht umstellen.“ Betroffen seien vor allem sogenannte Abend-Typen, Menschen, die spät ins Bett gehen.

Neben gesundheitlichen Beschwerden bringt die Zeitumstellung vor allem organisatorische Herausforderungen mit sich. Uhren müssen umgestellt, Dienst- und Fahrpläne angepasst werden. Für Nachtarbeiter bedeutet die Umstellung zwar eine kürzere Arbeitszeit, oft aber auch weniger Gehalt – etwa wenn nach Stunden bezahlt wird. Auch bei der Bremer Polizei wird den Beamten nichts geschenkt. „Unsere Zeitmaschine ist gnadenlos“, sagte Sprecher Dirk Siemering. „Statt acht Stunden werden in dieser Nacht auch nur sieben berechnet.“ Aber immerhin könnten so ein paar Überstunden abgebaut werden. Die Deutsche Bahn hat für die Nacht der Zeitumstellung einen genauen Plan. Güterzüge werden möglichst vor der planmäßigen Abfahrtszeit auf die Reise geschickt und Nachtzüge verkürzen ihre Aufenthalte, um Verspätungen so gering wie möglich zu halten, wie eine Sprecherin in Berlin mitteilte.

Im Tierreich ist von all dem Wirbel wenig zu spüren. Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes haben Haustiere in der Regel kein Problem mit dem um eine Stunde veränderten Tagesrhythmus der Menschen. An neue Fress- oder Spaziergehzeiten gewöhnten sie sich relativ schnell, sagte Pressesprecher Marius Tünte. Für Wildtiere spiele die Zeitumstellung gar keine Rolle, da sie sich an den natürlichen Gegebenheiten und Lichtverhältnissen orientieren. Allerdings steige das Unfallrisiko für Mensch und Tier, wenn etwa Berufspendler in der Morgendämmerung unterwegs seien.

Zootiere scheinen ebenfalls unbeeindruckt von der Zeitumstellung. „Es hat kaum Auswirkungen auf die Tiere. Wenn überhaupt, kann man vielleicht von einer leichten Irritation sprechen“, sagte der Tierarzt im Zoo am Meer Bremerhaven, Joachim Schöne. „Die Schimpansen und die Pumas haben eine gewisse Routine. Abends rein in den Stall und morgens raus“, erklärte er. Am Tag nach der Zeitumstellung könne es sein, dass mal eins der Tiere langsamer oder schneller sei als sonst. Wirkliche Veränderungen im Verhalten seien aber nicht erkennbar. „Die Tiere sind sehr anpassungsfähig.“

Milchkühe scheinen da etwas sensibler zu sein

Nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes achten Landwirte in der Regel darauf, ihre Tiere möglichst sanft an die neue Melkzeit zu gewöhnen. So würden die Tiere am Morgen nach der Zeitumstellung zunächst nur 30 Minuten früher als gewohnt gemolken, erst am folgenden Tag gelte dann die neue Zeit. Auch für die Landwirte sei die Härte damit etwas rausgenommen, erklärte Pressereferent Johannes Funke in Berlin. Masttiere erhielten dagegen meist keine Sonderbehandlung. „In der Schweinemast zum Beispiel gibt es viele automatische Systeme. Die Tiere haben jederzeit Zugang zu Wasser und Futter“, erklärte Funke. „Da spielt die Uhrzeit keine große Rolle.“


Merksprüche für die Zeitumstellung:

Wie war das noch? Viele bringen die Folgen der Zeitumstellung im Frühjahr und im Herbst immer wieder durcheinander.

Diesen Zeitgenossen können die folgenden Merksprüche als Eselsbrücke dienen: Im Frühjahr werden die Stühle des Straßencafés vor das Café gestellt, im Herbst wieder zurück in den Keller oder im Frühjahr beginnen draußen die Plus-Grade, im Herbst bald die Minus-Grade.

Wer von Müdigkeit geplagt ist, sollte einen kurzen Mittagsschlaf machen – mit einem Schlüsselbund in der Hand. „Man nimmt ihn vorher in die Hand. Wenn er runterfällt, war es genügend Schlaf“, erklärt Hans-Günter Weeß vom Interdisziplinären Schlafzentrum am Pfalzklinikum in Klingenmünster. Besonders erfrischend sind nämlich Nickerchen von fünf bis zehn Minuten. Das Problem: Niemand weiß, wie viel Zeit bis zum Einschlafen vergeht. Ein Wecker hilft also nicht weiter – wohl aber der Schlüsselbund. Wenn die Muskelspannung nachlässt, hat der Körper das Schlafstadium N2 erreicht und ist wieder erfrischt. Vom Scheppern des dann losgelassenen Schlüssels wird man wach. „Wer länger schläft, kommt in den Traumschlaf rein. Der kann uns lust- und antriebslos machen“, sagt Weeß.

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