Vertreibung kaum möglich Der Maulwurf – Freund oder Feind?

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Osnabrück. Im Grunde genommen ist er nützlich, doch vielen ist er nur lästig – genauer: seine Hinterlassenschaften. Die Rede ist vom Maulwurf und seinen Hügeln.

„Die gehören dahin, auch wenn es vielleicht nicht schön aussieht“, sagt Norbert Niedernostheide, Biologe und Leiter des Umweltbildungszentrums am Museum am Schölerberg.

Gräbt sich der 14 bis 16 Zentimeter lange Insektenfresser mit seinen Vorderextremitäten durch die Erde, presst er den Sand entweder in die Wände seines Gangsystems – oder schaufelt sie eben an die Oberfläche. Die so entstehenden Maulwurfshügel stoßen bei vielen Gärtnern auf wenig Gegenliebe.

Töten verboten

Getötet werden dürfen Maulwürfe nicht – er ist gesetzlich geschützt. Das Bundesnaturschutzgesetz untersagt das mutwillige Fangen, Verletzen oder Töten von wild lebenden Tieren. Auch die Beeinträchtigung oder das Zerstören ihrer Lebensstätten untersagt das Gesetz. Verstöße kann ein Gericht mit einem Bußgeld von bis zu 50000 Euro bestrafen. Naturschutzbehörden können Ausnahmen aussprechen.

Nutzen des Maulwurfs

Maulwürfe sind im Garten keineswegs als Schädling zu betrachten. Letztlich könnten sich Gärtner über sie freuen. Denn sie graben nur dort, wo sie sich wohlfühlen: in gesunder Erde.

Mit ihrem Gängesystem belüften sie den Boden, was für Bodenorganismen wie Regenwürmer gut ist, sagt Niedernostheide. „Durch die Wühltätigkeit wird der Boden gut durchmischt.“ Zwar halte sich die Behauptung, der Maulwurf fräße Pflanzenwurzeln und sie damit absterben lassen. „Doch das ist eine Mär, kolossaler Unfug“, sagt der 49-Jährige. Der Maulwurf sei einer reiner Fleischfresser.

In der Regel halten Maulwürfe Wühlmäuse fern. Die Nager sind Vegetarier und fressen im Garten – im Gegensatz zum Maulwurf – allerhand Gemüse wie Möhren sowie Tulpenzwiebeln und richten große Schäden an.

Nicht zuletzt eignet sich die feine Erde die Maulwurfshügel zum Befüllen von Pflanzentöpfen und -kübeln und Gemüsebeeten. Mit dem Rasenmäher sollten Gärtner nicht über die Hügel hinwegfahren. Sie können Steine enthalten und die Messer beschädigen.

Wie vertreiben?

Wen die Vorteile des Maulwurfs nicht überzeugen, der wird es schwer haben, ihn aus seinem Garten zu vertreiben. „Die meisten Methoden würden einer wissenschaftlichen Prüfung wohl nicht standhalten“, sagt der Niedernostheide. Nur mit ökologischen Mitteln ist es erlaubt, Maulwürfe zu vergrämen. Manche Kleingärtner schwören auf in die Erde gesteckte Flaschen, die durch den Wind Geräusche erzeugen. Denn Maulwürfe haben äußerst sensible Sinnesorgane. „Sie reagieren auf Vibrationen sehr sensibel“, sagt Niedernostheide. So könne es womöglich schon ausreichen, regelmäßig im Garten aktiv zu sein.

Auch andere Quelle stehen Vertreibungsmethoden skeptisch gegenüber. Dem Institut für Schädlingskunde in Reinheim zufolge gibt keine wissenschaftlich belegte Methode im Einklang mit dem Gesetz, die Maulwürfe wirksam und dauerhaft vertreibt. Selbst Lebendfallen seien nicht gesetzeskonform. Schließlich könne es lange bis zur nächsten Überprüfung der Falle dauern – der Maulwurf wäre womöglich verhungert oder erfroren.

Niedernostheide rät, die Hügel zu dulden und schlichtweg auf die Rasenfläche zu verteilten. Habe der Maulwurf sein Gangsystem fertiggestellt, sei auch das Problem der Hügel vorbei.


§ 44 des Bundesnaturschutzgesetzes: Vorschriften für besonders geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten:

(1) Es ist verboten,

1. wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,

2. wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören; eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert,

3. Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wild lebenden Tiere der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,

4. wild lebende Pflanzen der besonders geschützten Arten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, sie oder ihre Standorte zu beschädigen oder zu zerstören.

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