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Urlaubsguru, Urlaubspiraten und Co. Urlaubsportale: Wie seriös sind die Billiganbieter?

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Mit wenig Geld auf große Reisen. Immer mehr Urlaubsportale machen auf günstige Reiseangebote im Internet aufmerksam. Grafik: Stefan Langer/NOZMit wenig Geld auf große Reisen. Immer mehr Urlaubsportale machen auf günstige Reiseangebote im Internet aufmerksam. Grafik: Stefan Langer/NOZ

Osnabrück. Anfang April sind Osterferien. Wie wäre es mit einem Kurztrip nach Madrid? Vier Tage für 150 Euro inklusive Hotel und Flug. Oder eine 11-tägige Pauschalreise nach Las Vegas für 670 Euro. Mit diesen und vielen anderen Angeboten werben im Internet günstige Urlaubsportale wie Urlaubspiraten.de oder Urlaubsguru.de. Aber was taugen solche Plattformen überhaupt? Und sind diese Angebote seriös?

Manuel Wortmann ist mit seiner Freundin Ende November mit der Aida für 380 Euro pro Person durch Nordeuropa geschippert. Ein Spottpreis, wenn man das mit den aktuellen Preisen auf der Homepage des Kreuzfahrtanbieters vergleicht. 699 Euro werden dort für eine Reise in einer Innenkabine veranschlagt. Das Angebot, welches auch Wortmann in Anspruch genommen hat: für den halben Preis. Dafür nehme er auch in Kauf in der Nebensaison zu reisen, „dementsprechend hatten wir auch eher schlechtes Wetter und durften, dank Sturm Xaver, den letzten Teil der Reise anstatt mit dem Schiff mit dem Bus fahren.“ Mitreisende hätten, teilweise für eine Außenkabine, sogar nur 200 Euro bezahlt. Gebucht hat Wortmann im Internet über das Portal Urlaubspiraten.de.

„Der Großteil unserer 13 Mitarbeiter durchforstet täglich Angebote nationaler und internationaler Reiseveranstalter und sucht die besten Schnäppchen raus“, verrät Sebastian Kaatz, stellvertretender Geschäftsführer der Urlaubspiraten. „Es geht aber nicht nur um das günstigste Angebot, sondern um das Verhältnis Preis/Leistung. Die Qualität muss stimmen.“ Seit Mitte 2012 betreiben er und Geschäftsführer Igor Simonow die Internetseite. Was als kleiner Blog gestartet ist, hat sich mittlerweile zu einer GmbH entwickelt, die Angebote in Deutschland, Österreich, Italien, den Beneluxländern und Großbritannien vermittelt. „Das Prinzip auf den ausländischen Portalen ist dasselbe, nur dass wir dort andere Abflughäfen vermitteln. Für die italienische Internetpräsenz haben wir zusätzlich einen italienisch-sprechenden Mitarbeiter eingestellt.“Gemessen an den „likes“ bei Facebook gehören die Piraten (über 560000 Fans) und Urlaubsguru (über 1200000 Fans) zu den bekanntesten Reisevermittlern.

Hin- und Rückflug nach New York für 33 Euro

Zu den besten Deals der letzten zwei Jahre gehören laut Kaatz unter anderem 17 Tage nach Florida inklusive Flügen und Hotel für 390 Euro, 15 Tage Cancun inklusive drei Sterne Ibis Hotel und Flügen für 531 Euro oder drei Tage Mallorca ebenfalls inklusive Flügen und vier Sterne Hotel für 78 Euro.

Der größte Coup, den die Urlaubspiraten landeten, fanden die Vermittler auf der japanischen Seite der Fluggesellschaft Alitalia. Dort konnte man mithilfe eines Gutschein-Codes umgerechnet 240 Euro Rabatt auf alle Flüge der Airline erhalten. Das bedeutet, alle Flüge unter 240 Euro waren kostenlos , so zum Beispiel die Verbindung Frankfurt - Rom. Mit etwas Geschick war es sogar möglich einen Gabelflug Genf - New York - Venedig für schlappe 33 Euro zu buchen. Am Ende stellte sich jedoch heraus, das dem Angebot ein Fehler des Anbieters vorausging. Eigentlich galt der Rabatt als Promotion für Langstreckenflüge aus Japan. Nach rechtlichem Hin und Her wurden die Null-Euro-Flüge storniert. Alle Kunden, die zu dem Gutschein mindestens einen Cent bezahlten, durften das Angebot jedoch wahrnehmen.

„Solche Überraschungen sind bei einer Buchung in einem Reisebüro nicht zu erwarten“, erklärt Sybille Zeuch, Pressesprecherin vom Deutschen Reise Verband, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das Risiko bei Buchungen über günstige Reiseportale ist größer, da es sich oft um zeitlich begrenzte Aktionen oder tagesaktuelle Preise handelt.“ Dann komme es auch mal vor, dass der Kunde anstatt der Buchungsbestätigung eine Mitteilung über eine Preiserhöhung erhalte oder sogar den Hinweis, dass die Reise nicht mehr verfügbar sei.

„Die Verfügbarkeit besonders günstiger Reiseangebote ist in der Tat gering“, sagt auch Sebastian Kaatz. Lange Bedenkzeit habe man bei solchen Schnäppchen nicht, in der Regel sind sie schnell vergriffen.

Geringe Gewinnmargen

An der Seriosität der Internetportale zweifelt die Pressesprecherin des DRV dennoch nicht, „wenn man flexibel und reiseerfahren ist, kann man bedenkenlos über solch ein Portal buchen, das würde ich auch für mich nicht ausschließen.“ Problematisch könne es aber werden, wenn man als Familie verreise und zum Beispiel ein Durchgangszimmer benötige. Da würde es vermutlich schwierig werden, ohne Beratung ein passendes Angebot zu finden. Außerdem seien die Preise der Portale nicht immer die günstigsten, sagt Zeuch, „in einem Reisebüro kann man Angebote vom Berater vergleichen lassen und ebenso oder noch günstigere Preise bekommen.“ Und: Jede der über die Vermittlungsportale im Internet angebotenen Reise erhielten Kunden auch auf allen anderen Vertriebskanälen, etwa im Reisebüro oder bei einem Shoppingkanal.

„Das Thema Reisen blüht im Internet, die Leute brauchen nicht mehr ins Reisebüro gehen, man kann auch bequemer seinen Urlaub buchen“, meint Daniel Krahn, Geschäftsführer von Urlaubsguru.de. Auch er hat sich mit der Vermittlung von Reisen im Internet mit seinem Kollegen eine GbR aufgebaut, die mittlerweile 50 Mitarbeiter beschäftigt. „Bei uns sind richtige Reisefreaks im Team, die sich untereinander einen Wettstreit liefern, wer das beste Angebot findet.“ Die Mitarbeiter hätten einfach Spaß an der Schnäppchensuche.

Bei Urlaubsguru gibt es nach Angabe von Daniel Krahn ein sehr starkes Interesse an Städtetrips. Vermittelt würden hingegen mehr Pauschalreisen. Bei den Urlaubspiraten sei das Interesse an Pauschalreisen ebenfalls am Höchsten, sagt Sebastian Kaatz. Was beide Unternehmen noch eint, ist die geringe Gewinnmarge. Reiseportale verdienen an der Provision, die sie von den Reiseveranstaltern erhalten oder an den Klicks, die den Kunden zum eigentlichen Anbieter weiterleiten. Hinzu kommen die Werbeeinnahmen auf ihren Internetseiten. Der Gewinn pro Reise ist gering. Die Menge der Vermittlungen macht das Geschäft erst lohnenswert.

Für Sonja Lübbe sind die gute Übersicht und die günstigen Preise entscheidend. Sie war im Juni vergangenen Jahres eine Woche auf Rhodos für 260 Euro inklusive Flug und Hotel ohne Verpflegung. Im Februar dieses Jahres ist sie mit Singapore Airlines für 500 Euro nach New York hin- und zurückgeflogen. Gebucht hat sie, nachdem sie die Angebote auf Urlaubspiraten.de gesehen hat. „Ich hasse langes Suchen nach günstigen Angeboten“, sagt Lübbe. Die Beratung in einem Reisebüro würde sie für sich jedoch nicht ausschließen, „wenn ich im Internet nichts finde, würde ich in ein Reisebüro gehen.“


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