Diagnose dem Arzt überlassen Lebensmittelallergie oder Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln?

Nach dem Verzehr von Milchprodukten haben vielen Menschen Verdauungsbeschwerden. Das kann an einer Lactoseintoleranz liegen, es kann aber auch etwas anderes sein. Betroffene sollten die Diagnose besser Ärzten überlassen.  Foto: ImagoNach dem Verzehr von Milchprodukten haben vielen Menschen Verdauungsbeschwerden. Das kann an einer Lactoseintoleranz liegen, es kann aber auch etwas anderes sein. Betroffene sollten die Diagnose besser Ärzten überlassen. Foto: Imago

Osnabrück. „Für mich bitte ohne...“ Diesen Satz hört man in deutschen Restaurants und Kantinen seit einiger Zeit immer häufiger. Viele Menschen leiden tatsächlich an Nahrungsmittelunverträglichkeiten – bei anderen wiederum werden Symptome wie Verdauungsbeschwerden, Juckreiz und Kopfschmerzen durch andere Erkrankungen hervorgerufen.

Wie eine Umfrage der Techniker-Krankenkasse im vergangenen Jahr ergab, glauben 17 Prozent der Befragten, unter einer Lebensmittelunverträglichkeit oder Allergien zu leiden. In anderen Umfragen ist sogar von 30 Prozent der Befragten die Rede

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Bauchgrummeln, Juckreiz, Kopfschmerzen: Nahrungsmittelunverträglichkeiten äußern sich auf sehr unterschiedliche Weise. In einer kurzen Zusammenfassung erklären wir, was es mit den Unverträglichkeiten auf sich hat, von denen am häufigsten die Rede ist.

Fructoseintoleranz: Die Überempfindlichkeit gegen Fruchtzucker kann genetisch bedingt oder erworben sein. Beschwerden wie Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen sind bedingt durch eine gestörte Aufnahme (Malabsorption) des Fruchtzuckers. Die Ursache dafür ist noch ungeklärt. Obwohl die Symptome für die Betroffenen häufig belastend sind, handelt es sich nicht um eine Erkrankung, sondern eher um einen Zustand. Denn wie viel, wie oft und in welcher Weise Fruchtzucker vertragen wird, ist unterschiedlich. Anders ist das bei der angeborenen hereditären Fructoseintoleranz. Dabei handelt es sich um eine lebensbedrohliche Stoffwechselerkrankung, bei der ein Enzymdefekt zu Unterzuckerung, Koma sowie Leber- und Nierenversagen nach Fructosezufuhr führen kann.

Lactoseintoleranz: Wie bei der Fructoseintoleranz ist bei der Lactoseintoleranz die Aufnahme eines Zuckers in den Körper gestört, hier handelt es sich um den Milchzucker Lactose. Etwa 75 Prozent der Weltbevölkerung und 20 bis 25 Prozent der Europäer leiden unter dieser Lebensmittelunverträglichkeit. Der Grund ist ein Enzymdefekt.

Glutensensitivität: Bei Gluten handelt es sich um das Klebeeiweiß, das sich natürlicherweise in Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste und anderen Getreidearten befindet. Bei dieser Nahrungsmittelunverträglichkeit sind sich Experten noch nicht sicher, ob es sie gibt. Doch Betroffene sind sich sicher, dass Beschwerden wie Blähungen und Durchfall durch eine glutenfreie Ernährung gelindert wurden. Im Gegensatz zur Autoimmunerkrankung Zöliakie, bei der es sich um eine chronische Erkrankung der Dünndarmschleimhaut handelt, lässt sich eine Glutensensitivität nur indirekt feststellen. Dazu schließt der Arzt Zöliakie und eine Weizenallergie durch Tests aus. Geht es dem Patienten trotzdem besser, wenn er auf Gluten in seiner Ernährung verzichtet, hat er eine Glutensensitivität. Allerdings muss dieses Ausschlussverfahren kein Beweis für die Glutensensitivität sein.

Histaminintoleranz: Unter Histaminintoleranz versteht man die Unverträglichkeit von mit der Nahrung aufgenommenem Histamin, deren Ursache ein Mangel der Histamin abbauenden Enzyme oder ein Missverhältnis zwischen Zufuhr und Abbau des Histamins ist. Man geht davon aus, dass nach Überschreiten einer bestimmten individuellen Histaminintoleranzschwelle Symptome ausgelöst werden. Das können Juckreiz, Hautrötungen, Kopfschmerzen bis hin zur Migräne, Herzrasen, Müdigkeit, Schlafstörungen, Blähungen und Verdauungsstörungen sein. Eine Histaminintoleranz zu diagnostizieren gestaltet sich schwierig, da bislang keine zuverlässigen Testsysteme existieren. Daher empfehlen die meisten Ärzte das Führen eines Symptomtagebuchs sowie eine Ernährungsumstellung und manchmal auch eine Provokationstestung. Das bedeutet, die Betroffenen probieren die verschiedenen, in Verdacht stehenden Lebensmittel aus und warten ihre körperliche Reaktion darauf ab.

Zu den Nahrungsmitteln, die Histaminintolerante meist schlecht vertragen, gehören: geräuchertes Fleisch, Salami und Schinken, gereifte Käsesorten, Wein, Bier, Sauerkraut, Essig, Schokolade und Tomaten. Betroffenen sind von Histaminintoleranz zu etwa 80 Prozent Frauen im mittleren Alter.

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