Studie mit 2,6 Millionen Menschen Alte Väter zeugen oft kranke Kinder

Von André Anwar

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Die mikroskopische Aufnahme zeigt eine menschliche Eizelle, die von Spermien umgeben ist. Foto: dpaDie mikroskopische Aufnahme zeigt eine menschliche Eizelle, die von Spermien umgeben ist. Foto: dpa

Stockholm. Männer ab 45 Jahren zeugen viel häufiger Kinder mit psychischen Problemen. Das hat eine schwedisch-amerikanische Studie herausgefunden. Die Gründe dafür liegen nicht im Verhalten, sie sind biologischer Natur. Die Forscher vermuten eine stark nachlassende Qualität des Spermas.

Auch bei Männern tickt die biologische Uhr gnadenlos. Bislang waren es vor allem Frauen, die sich mit zunehmenden Alter Sorgen um ihre körperliche Fähigkeit machten, ein gesundes Kind zur Welt bringen zu können. Aber eine schwedisch-amerikanische Studie legt nun nahe, dass auch Männer zusehen sollten, sich den Kinderwunsch nicht all zu spät zu erfüllen. Demnach spielt das Alter des Mannes eine bedeutend größere Rolle für die Gesundheit des Kindes, als bislang angenommen.

Risiken steigen stark an

Im Vergleich zu relativ jungen Vätern, die ihre Kinder mit 20 bis 24 Jahren zeugen, laufen Männer, die mit 45 Jahren und darüber Vater werden, deutlich häufiger Gefahr, ein Kind zu bekommen, das eine psychische Störung aufweist. Die Untersuchung wurde vom Karolinska Institutes in Stockholm und der Indiana University in den USA durchgeführt. Die Studie umfasste 2,6 Millionen Menschen, die zwischen 1973 und 2001 in Schweden das Licht der Welt erblickten. Das Alter der Väter dieser Personen wurde mit dem zentralen schwedischen Diagnoseregister für psychische Erkrankungen verglichen. Das Ergebnis wurde im amerikanischen Fachmagazin „JAMA Psychiatry“ veröffentlicht.

Demnach ist das Risiko für ein Kind mit altem Vater, später im Leben bipolare Störungen zu entwickeln, 25-mal größer als bei Vätern zwischen 20 und 24 Jahren. Das Risiko für Autismus ist bei älteren Vätern 3,5-mal höher. Das Risiko für die Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS) ist 13-mal höher und das Risiko für psychotische Erkrankungen zweimal höher. Auch konnten die Forscher deutlich erhöhte Risiken für Selbstmordtendenzen und Drogenmissbrauch erkennen, heißt es vom Karolinska Institut, das auch die Nobelpreise in den Naturwissenschaften vergibt.

Verhalten ist nicht entscheidend

Dabei steigt das Risiko anscheinend proportional mit dem Alter des Mannes an. „Frühere Forschung hat ähnliche Resultate gezeigt, aber unsere Studie zeigt, dass der Effekt durch alte Väter viel größer ist als bislang angenommen“, so Paul Lichtenstein, Professor für genetische Epidemiologie am Karolinska Institut gegenüber der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“.

Frühere Studien zu diesem Thema vermuteten, dass es andere Einflussfaktoren geben würde und das Alter des Vaters an sich keine so große Rolle spiele. So wurde ins Feld geführt, das ältere Väter sich einfach anders benehmen als junge Väter. Die Forscher der aktuellen Studie unterstreichen jedoch, diese Störfaktoren erstmals umfassend berücksichtigt zu haben. Das Alter des Mannes spielt demnach tatsächlich eine wichtige Rolle, unabhängig etwa von sozioökonomischen Faktoren, die bei älteren und jüngeren Vätern unterschiedlich sind. „Wir sind also wirklich sicher, dass es hier um das Alter des Vaters geht und nicht um Begleiterscheinungen des Alters“, so Lichtenstein.

Sperma wird schlecht

Ein Erklärungsansatz der Forscher für die gesteigerten Risiken von Kindern mit älteren Vätern ist, dass Sperma mit zunehmendem Alter des Mannes qualitativ schlechter wird. Je länger Männer leben, desto mehr Mutationen gibt es im Sperma. Auch Umweltgifte könnten eine negative Rolle spielen. „Dabei ist es aber wichtig zu unterstreichen, dass Kinder mit älteren Vätern nicht automatisch Probleme haben müssen“, so Lichtenstein. Allerdings empfiehlt er Männern, die Kinder bekommen wollen, damit nicht zu lange zu warten, um keine unnötigen Risiken einzugehen. „Heutzutage liegt der Fokus beim Kinderkriegen vor allem auf dem Alter der Frau. Es ist an der Zeit, dass auch Männer mehr Informationen darüber bekommen, welche Risiken für das Kind bestehen, wenn sie erst später im Leben Vater werden wollen“, so Lichtenstein.


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