zuletzt aktualisiert vor

Fragen und Antworten zum Frage-Antwort-Spiel Faszination Quizduell: Warum es alle spielen

Meine Nachrichten

Um das Thema Gut zu wissen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Osnabrück. Dass aus Schweden Massenkompatibles kommt, weiß man seit Astrid Lindgren, ABBA und spätestens seit Ikea. Mit der App „Quizduell“ gibt es jetzt einen weiteren Exportschlager aus dem Land der Köttbullar.

Dass aus Schweden Massenkompatibles kommt, weiß man seit Astrid Lindgren, ABBA und spätestens seit Ikea. Mit der App „Quizduell“ gibt es jetzt einen weiteren Exportschlager aus dem Land der Köttbullar. Das Phänomen, dass der Sitznachbar im Bus oder der Kollege beim Mittagessen, statt mit einem zu reden, nur noch auf sein Handy starrt, gibt es bereits seit einigen Jahren. Erst seit Kurzem dabei sind aber die gemurmelten Flüche und unterdrückten Freudenschreie. Um genau zu sein: seit Juni 2013. Da wurde die Spiele-App „Quizduell“ auf dem deutschen Markt veröffentlicht.

Was unspektakulär klingt, eroberte in kürzester Zeit den Smartphonemarkt, nicht nur in Deutschland. Mehr als 10 Millionen Deutsche sind im Quiz-Fieber, mehr als 18 Millionen weltweit. Seit dem 22. Februar gibt es sogar das Buch zur App. Neben der Entstehungsgeschichte bietet das im Riva-Verlag erschienene Werk eine Statistik über schwerste, leichteste und umstrittenste Fragen sowie massig Fragen und Antworten zum Üben.

Grund genug, den neusten digitalen Kassenschlager genauer zu betrachten. Hier also die Fragen und Antworten zum Frage-Antwort-Spiel:

Wer hat‘s erfunden?

Als die schwedischen Brüder Robert und Henrik Willstedt 2011 in ihrer 32-Quadratmeter-Wohnung die Idee zur App bekamen, hätten sie sich wohl nicht träumen lassen, dass sie nur wenige Jahre später mit ihrer Firma FEO Media die App-Stores auf der ganzen Welt beherrschen würden. In „Quizduell – Das Buch“ wird beschrieben, wie sie gemeinsam mit Kalle und Olle Landin die App entwickelten, sich Fragen und Designs überlegten. Am 6. August 2012 kam das Spiel auf den schwedischen Markt. Nicht einmal zwei Wochen später lag „Quizduell“ auf Platz 1 der am häufigsten heruntergeladenen Apps in ganz Schweden.

Was in Schweden klappt, kann anderswo nicht schlecht sein, dachten sich die Erfinder und schmiedeten Pläne für den Export nach Deutschland. An der Universität Stockholm verteilten die jungen Männer Flugblätter, mit denen sie Übersetzer suchten. Der Bayer Alexander Kessler meldete sich, übersetzte Tausende Fragen ins Deutsche und schrieb selbst neue. Mittlerweile ist Kessler fester Bestandteil des Teams, für die deutsche Version verantwortlich und Koordinator für alle neuen Länder.

Nach eigenen Aussagen ist heute der deutsche Markt für die Gründer einer der wichtigsten. Daran ist der Rapper Sido nicht ganz unschuldig: Im Dezember 2013 las er im Quiz eine Frage über sich und postete ein Bild auf seiner Facebookseite. Nach Fernsehberichten von RTL und ARD zu Beginn des Jahres stiegen die Downloadzahlen noch einmal rasant an.

Wie funktioniert‘s?

Das Prinzip ist simpel: zwei Spieler, sechs Kategorien à drei Fragen. Es wird abwechselnd gespielt. Wer mehr weiß, gewinnt. Die Einsteigerversion ist für iPhones und Android-Geräte kostenlos erhältlich. Die Premiumvariante für 2,69 Euro bietet ein frei wählbares Farbschema, einen eigens zusammenstellbaren Avatar und – für echte Spieleprofis am wichtigsten – eine Statistik über die eigenen Leistungen. Die gespielten Kategorien werden nämlich von den beiden Spielern abwechselnd bestimmt: gegen Papa lieber nicht die Kategorie „Sport“ auswählen, gegen den Kollegen, der gern im Garten arbeitet, lieber nicht „Draußen im Grünen“. „Quizduell“ ist also nicht nur für Rätselfreunde interessant, sondern auch für Taktiker.

Worin liegt die Faszination?

Seit dem TV-Hit „Wer wird Millionär?“ ist sicher, dass Quiz in Deutschland funktionieren. Günther Jauch fährt seit mehr als zehn Jahren gute Quoten mit der an Action eher armen Sendung ein.

Laut Tobias Thelen, Geschäftsführer Forschungstransfer beim Zentrum für Informationsmanagement und virtuelle Lehre der Universität Osnabrück, hat Allgemeinbildung in der Gesellschaft einen hohen Stellenwert: „Breites Wissen ist in der Regel positiver besetzt als Fachwissen.“ Außerdem spiele der Belohnungscharakter bei „Quizduell“ eine wichtige Rolle. Das direkte Feedback – richtige oder falsche Antwort – macht Lust auf mehr. Der Vergleich mit anderen spornt dann zusätzlich an. Die Genugtuung nach einem Sieg und der Wunsch nach Vergeltung nach einer Niederlage zwingen den Spieler immer wieder zu einer Neuauflage.

Interessant ist außerdem, dass die Fragen im Spiel größtenteils von Laien konzipiert werden. Thelen und sein Team haben das Spiel genauer unter die Lupe genommen und herausgefunden, dass die Fragetypen zwar klassisch sind – gängige Kategorien, Multiple-Choice-Antworten –, der Schwierigkeitsgrad aber stark variiert. „Dass die Fragen nicht von Experten gestellt werden, erkennt man vor allem an den Distraktoren, also den Falschantworten“, sagt Thelen. Diese seien beim „Quizduell“ oft zu ähnlich zur richtigen Antwort oder aber zu abstrakt. Die Qualität der Fragen sei aber nicht schlimm, so der Experte weiter, weil man ja ein Duell spiele. Der Gegner bekommt exakt die gleichen Fragen.

Besteht Suchtgefahr?

Jeder Mitspieler wird jetzt wahrscheinlich sagen: Ja! Doch die wirkliche Spielsucht schätzt Thelen gering ein. „Dafür ist die Belohnung nicht unmittelbar genug.“ Klar sei aber auch, dass man, wenn man im Ranking oben mit dabei sein möchte, mehrere Stunden am Tag dafür aufbringen müsse.

Macht Quizduell schlauer?

Schlauer nicht generell, aber das Faktenwissen wird trainiert. „Wenn sich eine Frage wiederholt, hat man sich die Antwort gemerkt. Aber auch bei Falschantworten bleibt etwas hängen“, erklärt Thelen. Vor allem, wenn der Fakt skurril oder überraschend sei.

Wenn man allerdings von Lernen im Sinne von „Verstehen von Konzepten“ ausginge, dann wäre der Lerneffekt, wenn man in der gleichen Zeit beispielsweise ein Buch lesen würde, höher, so der Experte weiter.

Was nervt?

Natürlich die Werbung: Wer die 2,69 Euro sparen will und bei der Light-Version bleibt, muss sich nach jeder Spielrunde einen Werbebildschirm anschauen, der teilweise erst nach fünf Sekunden weggeklickt werden kann.

Außerdem unschön sind doppelte Fragen, die durchaus sehr schnell hintereinander auftauchen können. „Quizduell“ setzt auf den reinen Zufall, doch auch bei mehr als 27000 Fragen kehren einige immer wieder.

Zu lange warten darf man beim „Quizduell“ auch nicht. Ein Spiel muss innerhalb von 48 Stunden beendet werden, sonst verfällt es. Ebenso muss eine Spieleinladung innerhalb von zwei Tagen angenommen werden. Danach muss eine neue gestellt werden.

Was können wir gut?

Im neuen Buch zur App heißt es, dass die Lieblingskategorien der Deutschen „Draußen im Grünen“ und „Rund um die Welt“ sind. Dabei schneiden wir bei „Körper & Geist“, „Essen & Trinken“ und „Im Labor“ so viel besser ab. Die statistisch gesehen leichteste Frage ist: „In welcher Stadt steht der Eiffelturm?“ 99,4 Prozent wissen, dass die richtige Antwort Paris ist. 99,3 Prozent wissen immerhin noch, dass der Apfel das iPhone als Logo ziert, und WhatsApp die SMS weitestgehend abgelöst hat.

Was sind die harten Nüsse?

Die schwierigste Frage im Duell dreht sich um den Hit, der in den 80er-Jahren am längsten auf Platz 1 der deutschen Charts war. Nur 4,4 Prozent wissen, dass es „Words“ von F. R. David war. Unsicher sind sich die Nutzer außerdem bei der Frage, wann sich der Stunden- und Minutenzeiger exakt gegenüberstehen und wie lange eine Olympiade dauert. Richtige Antworten: 6 Uhr und vier Jahre.

Wie geht‘s weiter?

Die Idee ist zwar zeitlos, trotzdem geht auch der Hype ums „Quizduell“ vorbei. Momentan tun die Macher noch alles da-für, dass ihre Marke bekannt bleibt.

Die Spiele-App könnte schon bald eine eigene TV-Show bekommen. Wie Erfinder Robert Willstedt gegenüber dem „Handelsblatt“ bestätigte, hat die skandinavische Tochter der TV-Produktionsfirma ITV (Dschungelcamp, Let’s Dance, Der Bachelor, Downton Abbey) einen Deal mit Feo Media abgeschlossen. Auch die Rechte für eine Show in Deutschland seien im Vertrag enthalten.

Quizduell – Das Buch: „Das ultimative Training zur App. Die schwersten, besten und umstrittensten Fragen.“ Riva Verlag, 240 Seiten, 9,99 Euro.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN