Recht auf Gutachten vor Tötung Dänemark entschärft umstrittenes Hundegesetz

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Osnabrück. Dänemark wird einige Punkte seiner umstrittenen Hundegesetze ändern. Das bestätigte Morten Olsen, Pressesprecher des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Fischerei in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Landwirtschaftsminister Dan Joergensen hatte zuvor auf seiner Facebook-Seite angekündigt, dass Halter und ihre Tiere in Dänemark in Zukunft besser abgesichert sein sollen. „Es kann nicht sein, dass Familien zusehen müssen, dass ihr Hund ohne Grund getötet wird“, so der Minister.

Nach Angaben von Olsen, dürfen Hundehalter, deren Vierbeiner durch Beißattacken aufgefallen sind und deshalb eingeschläfert werden sollen, in Zukunft einen Experten zur Begutachtung hinzuziehen. Dieser Sachverständige müsse dann entscheiden, ob es sich tatsächlich um einen so schwerwiegenden Beißvorfall gehandelt habe, dass das Tier getötet werden müsse. Bisher konnten in solchen Fällen die Tiere ohne juristische Prüfung beschlagnahmt und eingeschläfert werden.

Im vergangenen Jahr hatte vor allem der Fall des Schäferhundes Thor für Schlagzeilen gesorgt. Thor hatte einen Hund gebissen und sollte deswegen eingeschläfert werden. Er wurde gerettet, weil ein Polizeibeamter ihn entführte . Der Polizist verlor später wegen der Aktion seinen Arbeitsplatz. Ein Gericht verurteilte ihn zudem zu 60 Tagen Haft auf Bewährung. Zur Begründung hieß es, der Beamte habe gegen Dienstvorschriften verstoßen. Thor musste vor einiger Zeit wegen einer schweren Erkrankung eingeschläfert werden.

Wie Olsen weiter mitteilte , soll auch das dänische Feld- und Weggesetz, das aus dem Jahr 1872 stammt, geändert werden: Das Gesetz erlaubt es Privatpersonen, streunende Hunde und Katzen auf ihrem Grundstück zu erschießen, wenn sie zuvor den Besitzer des Vierbeiners gewarnt haben. Ist er nicht bekannt, genügt auch eine Anzeige in der örtlichen Tageszeitung.

In Zukunft mit Experten

„In Zukunft soll der Halter das Recht haben, einen Experten hinzuzuziehen, der beurteilt, ob der Hund wirklich verwildert ist“, kündigte Olsen an. Ausnahmen von dieser Regel seien nur dann noch erlaubt, wenn Gefahr für Leib und Leben eines Menschen oder eines Tieres bestehe. Die Gesetzesänderungen würden im März die letzte parlamentarische Hürde nehmen.

Der dänische Ferienhausanbieter Novasol begrüßte gegenüber unserer Zeitung die geplanten Gesetzesänderungen. Das Unternehmen hatte sich im vergangenen Jahr an die Spitze der Proteste gesetzt und für eine Änderung des Hundegesetzes gekämpft. „Man schießt doch nicht auf Urlauber-Hunde – und man droht auch nicht damit!“, sagte damals der Vorstandsvorsitzende Jan Haapanen unserer Zeitung. Tierschützer hatten vor einem Urlaub mit Hund in Dänemark gewarnt. Nach ihren Angaben wurden in dem skandinavischen Land seit 2010 etwa 1200 Hunde getötet. Die dänische Polizei dagegen spricht von 400 getöteten Hunden, die alle Menschen angefallen haben sollen.

Deutsche stornierten Urlaub

Viel Deutsche hatten deshalb ihre Ferienhausbuchungen storniert. Novasol sprach daraufhin eine Hundesicherheitsgarantie für unbeschadeten Urlaub in seinen Ferienhäusern aus.

An der bei Tierschützern ebenfalls höchst umstrittenen sogenannten Todesliste für Rassehunde, die es seit dem Jahr 2010 in Dänemark gibt, wird sich aber soweit bisher bekannt ist nichts ändern. Die dreizehn Rassen auf der Liste sind seitdem verboten. Tiere dieser Rassen, die nach Juli 2010 angeschafft wurden, werden konfisziert und eingeschläfert. Tierschützer wollen die dänischen Todeslisten allerdings vor den Europäischen Gerichtshof bringen.


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