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20.02.2014, 12:41 Uhr KOLUMNE

20 Gründe, warum unser Kind eine Hebamme braucht

Von Daniel Benedict


Wir lieben unsere Hebamme! Weil sie Blasenschwäche heilt, unsere eigenen Mütter im Zaum hält und weiß, wo es Pups-Globuli gibt. Die Elternzeitler und Mutterschutzler des Verlags sammeln die 20 triftigsten Argumente für eine schnelle Lösung des Versicherungsproblems.Foto: dpaWir lieben unsere Hebamme! Weil sie Blasenschwäche heilt, unsere eigenen Mütter im Zaum hält und weiß, wo es Pups-Globuli gibt. Die Elternzeitler und Mutterschutzler des Verlags sammeln die 20 triftigsten Argumente für eine schnelle Lösung des Versicherungsproblems.Foto: dpa

Berlin. Sie haben immer Zeit, sie trösten und halten Pups-Globuli und Salami bereit: Deshalb braucht auch unser nächstes Kind eine Hebamme! 20 ultimative Argumente in der Debatte um die Rettung eines Berufsstands – gesammelt von den Müttern, Elternzeitlern und Mutterschutzlern unseres Hauses.

Etwa 3500 freiberufliche Hebammen gibt es in Deutschland – noch. Explodierende Versicherungskosten bedrohen den Berufsstand in seiner Existenz. (Hier geht‘s zu einem Feature über die Situation von Hebammen.) Nicht nur die Hebammen, auch Eltern sind alarmiert. Eine Online-Petition, die von Gesundheitsminister Hermann Gröhe eine Lösung des Problems verlangt, hat inzwischen rund 200.000 Unterschriften gesammelt. Auch die Elternzeitler und Mutterschutzler und Mütter unserer Redaktion haben gute Erfahrungen mit ihren Hebammen gemacht. Aus dem eigenen Erfahrungsschatz sammeln sie deshalb:

Die 20 ultimativen Gründe, warum auch unser nächstes Kind eine Hebamme braucht

1. Hebammen verwandeln Ängste in Vorfreude . (In schweren Fällen verbieten sie sogar das Googlen.)

2. Hebammen haben die besten Tipps zur nachgeburtlichen Gewichtskontrolle. („Iss! Du stillst. Allein schon das verbrennt 400 Kalorien am Tag.“)

3. Ohne Hebamme würde man niemals von Paderborner Pups-Globuli erfahren.

4. Einfrieren? Vergraben? Garen und essen? Ohne Hebamme kommt einem nie in den Sinn, auch nur ansatzweise darüber nachzudenken, was man mit seiner Plazenta machen möchte. Mit Hebamme kann man nun ganz sicher sagen, dass man darüber auch weiterhin nicht nachdenken möchte. Auch wenn man sogar homöopathische Medikamente daraus machen lassen könnte.

5. Die Hebamme erspart auch in Stunden größter Not die Apotheken-Umschau. Sie heilt Rückenweh, Übelkeit und Hormon-Amokläufe. Sogar Blasenschwäche.

6. Hebammen bestärken uns darin, das gute alte Ratgeberbuch wegzuwerfen, mit dem wir in den 70ern selbst erzogen worden sind. (Das mit dem Tipp, Kinder öfter mal in Persil zu baden.)

7. Im Arztkoffer sind Medikamente, im Hebammen-Koffer steckt auch eine gute Salami - zumindest wenn eine werdende Mutter sich gerade auf diesen Heißhunger kapriziert.

8. Hebammen können Bäuche auch ohne Kontaktgel und Apparatepark untersuchen – nur mit den Händen.

9.Hebammen reden uns den Wahn der perfekten Familie aus. Das Kind schreit, der Schlaf fehlt, das Paar übt sich im Elternsein, und die Hormone der Mama spielen russisch Roulette. Die geerdete Hebamme beruhigt die Nerven; sie kennt das Chaos der anderen.

10. Hebammen retten Leben. Zum Beispiel weil sie sehen, dass die Nachgeburt sich nicht komplett gelöst hat.

11. Wenn alle lachen, weil mit der Schwangerschaft auch das Stricken beginnt, tröstet die Hebamme. Sie strickt nicht nur. Sie erklärt sogar die Geburt mit einer selbst gestrickten Gebärmutter.

12. Sobald das Kind das ist, findet man Hirse cool, steht auf Breichen aus Ökogemüse und sucht nach guten Looks in Fair-Trade-Öko-Wolle aus regionalem Anbau. Die Hebamme sieht es genauso und hilft, dass Babys besserer Menschen werden als wir selbst.

13. Hebammen ist keine Frage zu doof, kein Anliegen zu peinlich, keine Uhrzeit zu spät.

14. Hebammen wissen: Schlafende Babys pfeifen, röcheln und grunzen – und sterben deshalb trotzdem nicht gleich den Erstickungstod. Man muss gar nicht 24 Stunden wachen und lauschen!

15. Wenn zwei Omas sieben widersprüchliche Tipps zur Aufzucht und Pflege vortragen, ist die Hebamme ein zuverlässiger Schiedsrichter.

16. Neugeborene sind winzig. Jeder sieht sofort, dass so kleine Wesen beim Baden und Wickeln unweigerliche durchbrechen. Denkt man. Die Hebamme zeigt, dass Babys robuster sind, als viele große Menschen denken.

17. Während man selbst noch sein rätselhaftes Baby anstaunt, fühlt die Hebamme sich in seine Bedürfnisse ein, legt ihm beim Baden ein Tuch auf den Bauch, das an die Plazenta erinnert, und verordnet, die Socke mit der kratzenden Naht auf links zu ziehen.

18. Wenn die Ärzte zum dritten Mal wechseln, ist die Hebamme immer noch da.

19. Für die Hebamme sind Kinder Menschen und kein Sammelsurium von Symptomen. Weil sie auch die Eltern sieht, sind niedrige Ohren und hohe Augen bei ihr Familienähnlichkeit und nicht sofort ein gefährlicher Gen-Defekt.

20. Kaum einer liebt seine Ärzte. Die Hebamme liebt man. Niemanden sonst vertraut man so schnell, keinen lässt man so unumwunden in Bereiche des eigenen Lebens schauen, die kaum ein Mensch zuvor gesehen hat.

20 Argumente reichen nicht? Schreiben Sie uns Ihre Liebeserklärungen an die Hebamme über die Kommentarfunktion!

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