Eiszapfen unter der Bettdecke Warum haben Frauen so oft Füße?

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Für viele Frauen im Winter unverzichtbar: dicke Fellstiefel, die für warme Füße sorgen sollen. Foto: ImagoFür viele Frauen im Winter unverzichtbar: dicke Fellstiefel, die für warme Füße sorgen sollen. Foto: Imago

Osnabrück. Zugegeben: Schön und elegant sind sie meist nicht, die dicken Fellstiefel, die viele Frauen im Winter tragen. Aber eines sind sie, und das ist viel wichtiger: Sie sind warm. Denn viele Frauen plagt vor allem im Winter das Problem der ständig kalten Füße. Da stehen modische Aspekte hintan. Aber warum haben gerade Frauen so häufig kalte Füße und Männer nur eher selten?

Das vor allem weibliche Problem lässt allerdings auch häufig die Männer leiden. Schließlich sind sie es häufig, die die eiszapfengleichen Füße der Liebsten unter der Bettdecke wieder auf Körpertemperatur bringen müssen.

Warum besonders Frauenfüße so häufig kühlschranktaugliche Temperaturen annehmen, hat gleich mehrere Gründe, wie Dr. Bernd Kasprzak, Facharzt für Gefäßchirurgie und leitender Oberarzt an der Uniklinik in Münster , erklärt.

Das vegetative Nervensystem regele ganz automatisch, ob sich Blutgefäße weiten oder verengen – so wie es auch den Herzschlag automatisch steuert. Ist es kalt draußen, reagiere das Nervensystem auf den Kältereiz und ziehe die Blutgefäße zusammen – so gelange weniger Blut in die Gefäße, und sie werden kalt. „Das Besondere bei Frauen ist, dass ihr vegetatives Nervensystem besonders empfindlich auf Reize reagiert. Viele Frauen entwickeln sogar eine sogenannte Gefäßspastik. Dabei verkrampfen sich die Gefäße regelrecht und weiten sich erst wieder nach einiger Zeit“, erklärt der Münsteraner Chirurg, „eine krampfhafte Verengung der Gefäße merken wir manchmal sogar beim Operieren.“ Das könne sogar so weit gehen dass Finger oder Füße ganz weiß werden. Dabei handele es sich um das sogenannte Raynaud-Syndrom , wie Kasprzak erklärt. Die Gefäße ziehen sich derart zusammen, dass der Blutfluss sehr stark eingeschränkt wird und die betroffenen Körperteile sogar taub werden können. Nach einiger Zeit lasse die Verkrampfung nach. Das mache sich dann durch Kribbeln und Rötung bemerkbar. Das Raynaud-Syndrom, ist laut dem Mediziner nicht weiter schlimm und müsse auch nicht behandelt werden. Doch führe es dazu, dass kalte Füße bei Frauen viel häufiger vorkommen als bei Männern. Warum das vegetative Nervensystem von Frauen so viel empfindlicher reagiert, haben die Mediziner bisher noch nicht herausfinden können.

Eine weitere Erklärung für das weibliche Phänomen der kalten Füße ist die unterschiedliche Wärmeregulation von Männern und Frauen. Der Körper des Mannes besteht etwa zu 40 Prozent aus Muskeln. Wenn der Mann sie benutzt, verbraucht er Energie. Doch nur ein Teil davon wird für die Arbeit der Muskeln genutzt – der Rest wird in Wärme umgewandelt. Bei Frauen ist das ähnlich, nur haben sie weniger Muskelmasse – nur etwa 23 Prozent ihres Körpers machen Muskeln aus. Daher wird auch weniger Wärme an den Körper abgegeben. Hinzukommt, dass Frauen mehr Wärme an die Umgebung verlieren als Männer. Das liegt daran, dass sie weniger Masse haben. Denn auch wenn sie gleich groß sind, wiegen Frauen etwa 20 Prozent weniger. Daher ist das weibliche Verhältnis von Körperoberfläche zu Masse ungünstiger als beim Mann.

Um diese Nachteile auszugleichen, konzentriert sich der Körper darauf, die Wärme in der Körpermitte zu halten. „Der Körper spart so Wärme ein“, erklärt Kasprzak. Die „unwichtigeren“ Körperteile werden daher vernachlässigt. „Es gibt aber Ausnahmen: Nase und Ohren werden im Winter rot, weil sie aufgrund der Kälte stark durchblutet werden. Sonst würden sie schnell abfrieren“, so der Oberarzt.


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