Ein Facebook-Kritiker gibt nicht auf Datenschützer Max Schrems kämpft weiter gegen Facebook


Wien. Max Schrems will’s wissen. Und das am besten haargenau und detailgetreu. Worum es geht? Um sein Facebook-Profil und die Frage, welche Daten speichert das soziale Netzwerk von ihm, seinen Freunden und der ganzen Gemeinschaft? Was weiß Marc Zuckerberg über einen User, was dieser wohlmöglich selbst nicht von sich weiß?

Vor zweieinhalb Jahren stellte sich der damalige Jura-Student aus Wien diese simplen Fragen. Dass er damit einen beispiellosen Streit vom Zaun brechen würde, hätte er damals nicht geahnt. Schrems schrieb Facebook an, bat um Informationen, die das Netzwerk über ihn gesammelt hatte. Fotos, Verlinkungen, Nachrichten, kleine Posts. Doch was jedem EU-Bürger rein rechtlich zusteht, zog sich bei Schrems in die Länge. Erst nach vielen Wochen und Unmengen an E-Mails erhielt er Post von Facebook. Seine geforderten Informationen erstreckten sich auf 1222 Seiten. Auch Bilder oder Unterhaltungen, die er in seinem Profil längst gelöscht hatte, tauchten hier wieder auf. Der studierte Jurist wollte und konnte das nicht akzeptieren, erkannte darin einen Verstoß gegen unsere Grundrechte. Schrems beschloss zu klagen.

Doch in diesem Fall kommt er an einer Institution nicht vorbei. Die irische Datenschutzbehörde kümmert sich um alle Belange, die Facebook betreffen. Denn sein europäisches Hauptquartier hat der Internetkonzern in Irland aufgeschlagen. Hundert Seiten fülle allein die Kommunikation zwischen ihm und der Behörde, sagt Schrems. Dabei fühle er sich wie zu Zeiten der kaiserlich-königlichen Monarchie. „Ihnen hat es nicht gefallen, dass wir sie offen und direkt kritisieren“, berichtet der 26 Jahre alte Student. Zudem schiebe die Behörde die Probleme zur Seite, bittet Schrems und Facebook, ihren Streit einvernehmlich zu regeln. „Die Iren verkaufen ihren Einsatz als die härteste Durchsetzungsmaßnahme aller Zeiten“, findet Schrems. Die Auseinandersetzung habe aber ab und an „nordkoreanische Züge“, da die Behörden ihnen Akteneinsicht verbiete. „Wir dürfen nicht die Gegenargumente von Facebook wissen und keine Beweismittel sehen. So kann man aber kein Verfahren führen“, beschwert er sich.

Dennoch hält der junge Mann an seinen Beanstandungen fest. Ganze 22 Anzeigen hat er in den letzten Jahren bei der Behörde erstattet. Wer Schrems in dem kleinen Wiener Café am Naschmarkt beobachtet, zuschaut, während er gemütlich sein orientalisches Frühstück zu sich nimmt, glaubt kaum, dass sich ein Einzelner so vehement gegen Facebook durchbeißen kann. Dabei hat Schrems schon bewiesen, wie es eine kleine Gruppe mit einem riesigen Konzern aufnimmt. Dank des gebürtigen Salzburgers zieht Facebook seine automatische Gesichtserkennung bei Fotos zurück.

Nun das rot-weiß-rote Fähnchen zu schwingen und sich auf dem Erfolg auszuruhen kommt für ihn nicht infrage. Mit dem PRISM-Skandal schiebt Schrems die nächste Klage hinterher. Dass Facebook Daten ins Ausland weiterreiche, sei nach den Enthüllungen von Edward Snowden nicht mehr tragbar. Die Diskussionen in der Öffentlichkeit sieht Schrems skeptisch. Er kritisiert die deutsche Regierung, welche den Skandal zunächst heruntergespielt habe. „Peinlich war es, als Merkels Handy ins Spiel kam“, findet er. „Das Grundgesetz ist schon gut, gilt aber nur bei der Kanzlerin.“

Er sieht in seinen Klagen eine „erzieherische Mehrleistung“. Selbst wenn die Verfahren bislang nur wenig Erfolg bringen, auch diese Entwicklungen seien ein Gewinn. „Ich finde es spannend, abgewiesen zu werden, weil es politisch viel mehr Druck erzeugt.“ Der einzige kritische Punkt sei das finanzielle Risiko hinter seinen Klagen. Verfahren in Irland sind teuer, verliert eine Seite, muss diese mit Zahlungen im fünf- bis sechsstelligen Bereich rechnen. Ein Normalbürger würde unter diesen Umständen niemals gegen das soziale Netzwerk klagen. Um sich abzusichern, hat Max Schrems gemeinsam mit seiner Gruppe „Europe versus Facebook“ ein Crowdfunding ins Leben gerufen. Seine sechs Mitstreiter und er sammeln im Netz das Geld für die Prozesskosten und veröffentlichen auf ihrer Homepage regelmäßig alle aktuellen Dokumente und neusten Entwicklungen.

Mit seinem Projekt kämpft Max Schrems gegen die mangelnde Privatsphäre im Netz und macht sich dabei selbst zum gläsernen Aktivisten. An seine Person ist alles gebunden, umso kritischer sehen manche Beobachter, dass Schrems weiterhin sein Facebook-Profil hat. Er empfindet dies nicht als Problem. Die Frage für oder gegen Facebook stelle sich bei ihm nicht, er handle für das wie. Und dies bringt ihn zu einer anschaulichen Weltuntergangs-Theorie. „Was passiert, wenn Facebook Konkurs anmeldet?“, fragt er schelmisch und blickt sein Gegenüber dabei an. Dies sei die eigentliche Frage, denn die Konkursmasse wären unsere Daten.


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