Aber: Übermäßiger Konsum ist schädlich Europaweite Studie: Schokolade kein Dickmacher

Sündhaftes Schokolade-Schlemmen? Nicht unbedingt, haben spanische Forscher herausgefunden. Foto: ImagoSündhaftes Schokolade-Schlemmen? Nicht unbedingt, haben spanische Forscher herausgefunden. Foto: Imago

Granada. Schokolade gilt als Kalorienbombe. Nun aber haben spanische Forscher in einer europaweiten Studie genau das Gegenteil festgestellt: Teenager, die mehr Schokolade aßen, hatten im Durchschnitt sogar weniger Körperfett.

Von Elke Bunge

Es sieht nach einem ganz einfachen Zusammenhang aus. Je mehr Kalorien und je weniger Bewegung, desto mehr Fettreserven legt der Körper an. Die Folge des sündhaften Schlemmens und der mangelnden körperlichen Betätigung ist dann häufig Übergewicht. Und gerade jetzt in den Wintermonaten locken kalorienhaltige deftige und süße Speisen als ständige Verführer.

Doch nicht alle kalorienhaltigen Speisen machen gleich dick. Das sehen zumindest die Forscher der Universität von Granada um Magdalena Cuenca-García viel differenzierter: Ihrer Ansicht nach sollte die biologische Wirkung von Nahrungsmitteln nicht allein auf Basis ihrer Kalorien bewertet werden. Die Forscher begründen in der Fachzeitschrift „Nutrition“, dass kalorienhaltige Lebensmittel positive gesundheitliche Wirkungen entfalten können. Insbesondere die in den Wintermonaten viel geliebte Schokolade scheint besser abzuschneiden als ihr Ruf als sündhafter Dickmacher.

Weniger Körperfett

Um diese These zu verifizieren, untersuchten die Forscher den Schokoladenkonsum und sonstige Ernährungsgewohnheiten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in neun Ländern der Europäischen Union, darunter Deutschland, Österreich, Frankreich und Spanien. Neben medizinischen Untersuchungen zur Fitness, dem Körperfettanteil und dem Body-Mass-Index führten alle Teilnehmer Buch über ihren Kalorienkonsum und die von ihnen verzehrten Lebensmittel und gaben Auskunft über ihre sportlichen Aktivitäten und andere für die Gesundheit wichtige Gewohnheiten.

Das Ergebnis erstaunte: Insbesondere die Jugendlichen, die regelmäßig Schokolade aßen, hatten im Durchschnitt weniger Köperfett als ihre Altersgenossen. Taillenweite und Body-Mass-Index waren nicht höher, sondern tendenziell eher geringer als bei Jugendlichen, die kaum Schokolade konsumierten, wie die Wissenschaftler berichten. Dabei ist dies nicht die erste Studie, die einen Schlankmach-Effekt von Schokolade feststellt. Vor Kurzem kam auch eine Untersuchung von Forschern der University of California an Erwachsenen zu einem ganz ähnlichen Ergebnis: Auch bei ihnen war ein häufigerer Schokoladenkonsum mit einem niedrigeren Body-Mass-Index verknüpft. Selbst der Gesundheitszustand ist bei Schoko-Naschkatzen besser. „Wir haben aktuelle Studien gefunden, die darauf hindeuten, dass Schokoladenkonsum mit einem geringeren Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist“, sagt Cuenca-García.

Positiv in Maßen

Woher kommt dieser Effekt? Die Forscher sehen in den sogenannten sekundären Pflanzenstoffen die Lösung. Ihnen wird schon seit Langem eine positive und sogar heilende Wirkung zugeordnet. In der Schokolade ist es das Katechin. Ein Flavonoid, das als entzündungshemmend und antithrombotisch gilt und auch Bluthochdruck und Aderverstopfungen vorbeugen soll, wie die Ernährungswissenschaftlerin erklärt. Laut Auffassung der Forscher beeinflusst Katechin auch die Produktion des Hormons Cortisol und wirkt auf Insulin-Sensibilität der Zellen. Insulin und Cortisol sind maßgeblich beteiligt an den Faktoren des Übergewichts und der Fettleibigkeit.

Eine gute Botschaft für Schokolade liebende und produzierende Länder wie die Schweiz oder Deutschland. Denn hier haben Schokoriegel, Schokoladenkekse, Schokomüsli das ganze Jahr Konjunktur. Insbesondere in der Schweiz mit dem weltweit höchsten Pro-Kopf-Konsum von 11,9 Kilogramm Schokolade für das Jahr 2012. „In mäßigen Mengen kann Schokolade durchaus positiv wirken. Ein übermäßiger Konsum ist unzweifelhaft schädlich“, sagt die Forscherin. Laut ihrer Ansicht ist der gelegentliche Schokoriegel oder das schokoladige Betthupferl eher positiv zu sehen.


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