Mangel kann Depressionen auslösen Östrogen spielt für Männer eine wichtige Rolle

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Östrogenmangel bei Männern äußert sich nach neuen Erkenntnissen in Depressionen. Foto: ColourboxÖstrogenmangel bei Männern äußert sich nach neuen Erkenntnissen in Depressionen. Foto: Colourbox

ce Berlin. Das weibliche Sexualhormon Östrogen wurde bislang immer nur auf seine Wirkung im weiblichen Körper untersucht. Es spielt aber auch bei Männern eine große Rolle.

Bisher galt für Hormone im menschlichen Körper eine klassische Aufteilung. Testosteron ist das männliche Hormon, es ist verantwortlich für die Körperbehaarung, besitzt eine anabole, das heißt muskelaufbauende Wirkung und ist bekannt für typisch männliche Verhaltensweisen, wie eine erhöhte Kampfbereitschaft und Imponiergehabe. Das weibliche Hormon Östrogen wird in den Eierstöcken der Frau aus dem männlichen Hormon Testosteron umgewandelt. Dieses typisch weibliche Hormon ist dann für die Reifung der Eizelle verantwortlich. Das auch der männliche Körper geringe Mengen von Östrogenen in den Hoden bildete, ist bereits seit Längerem bekannt. Doch die Wichtigkeit dieses Hormons im männlichen Körper wurde bislang unterschätzt.

Forscher der Harvard Medical School haben jetzt festgestellt, dass das weibliche Sexualhormon Östrogen eine viel wichtigere Rolle spielt als bisher geglaubt. Eine Verringerung der Konzentration im männlichen Körper führt auch bei Männern zu einer Gewichtszunahme, so wie es bei Frauen in den Wechseljahren geschieht. Männer in den besten Jahren bekommen einen Kugelbauch, verwenden weniger schwere Gewichte im Sportstudio, und irgendwo lässt auch das sexuelle Verlangen nach, im Vergleich zu jüngeren Jahren.

„Die Entdeckung der Wichtigkeit von Östrogen im männlichen Körper ist ein großer Fortschritt“, so Dr. Joel Finkelstein, Professor für Endokrinologie an der Harvard Medical School. Bislang galt Testosteron als der Jungmacher für den männlichen Adonis. Derweil Testosteron für die Erhaltung der Muskulatur zuständig ist, ist das Östrogen im männlichen Körper für den Fetthaushalt verantwortlich. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie unter der Leitung von Finkelstein, die aktuell im „The New England Journal of Medicine “ veröffentlicht wurde. Diese Studie geht sogar noch weiter. Die Wissenschaftler der Harvard Medical School gehen davon aus, dass der Abfall des weiblichen Hormons Östrogen hauptverantwortlich ist für die männliche Midlife-Krise. Auch für die Libido des Mannes werden beide Hormone im Körper gebraucht. „Einige Symptome der Midlife-Krise beim Mann, die bislang dem männlichen Hormon Testosteron zugeschrieben werden, lassen sich eindeutig dem Mangel an Östrogen zuordnen“, sagt die Studie.

Mit der Abnahme beider Hormone bei Mann und Frau im zunehmenden Alter verändern sich auch ihre Körper. Doch bislang haben sich Forscher fast ausschließlich auf die Veränderung von Testosteron beim Mann und Östrogen bei der Frau konzentriert. Die Studie von Finkelstein zeigt, dass beide Hormone im Körper des Mannes eine wichtige Rolle spielen. Die Konzentration von Testosteron als Regulator für den Muskeltonus liegt bei jungen Männern in der Regel bei 550 Nanogramm pro Deziliter Blutserum. Fällt dieser Wert unter 300 Nanogramm pro Deziliter, so wird über eine Behandlung mit Testeron-Gel nachgedacht.

Finkelstein und seine Kollegen fanden jedoch heraus, dass Muskelkraft und Größe unabhängig von dieser Konzentration sind und bis zu einem Wert von 200 Nanogramm nicht durch die Testosteronkonzentration im Körper beeinflusst werden. Allerdings beobachteten die Forscher eine Zunahme von Fettgewebe ab einem Wert unterhalb 300 bis 350 Nanogramm. Ab diesem Wert beginnt die gleichzeitige Abnahme von Östrogen im männlichen Körper. Durch den Mangel an Testosteron kann nicht mehr genügend dieses Hormons in Östrogen umgewandelt wird. Dieser Östrogenmangel führt jetzt zu den typischen Symptomen der Midlife-Krise: Depressionen, Antriebsschwäche, Gewichtszunahme, Schlafstörungen und auch die für Frauen typische Hitzewallungen. Und auch beim sexuellen Verlangen sind beide Hormone im männlichen und weiblichen Körper notwendig. Sinken beide Hormonspiegel mit zunehmendem Alter vermindert sich auch die Libido. „Beide Geschlechter benötigten das Hormon des anderen Geschlechts, um eine angemessene Libido haben“, so Finkelmann.

Dieses Ergebnis sollte davor warnen, neue Formen von Testosteron-Ersatz-Therapien von der Pharmaindustrie auf den Markt zu bringen, die vielleicht nicht in der Lage sind, sich im männlichen Körper teilweise in Östrogen umzuwandeln, sagte Finkelstein.


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