Energiesparer der Weltmeere Ach so: Wozu dient das Blasloch von Walen?


Osnabrück. Sie bewegen sich elegant wie Fische im Wasser, tauchen manchmal stundenlang und sind doch Säugetiere. Wie schaffen Wale es nur, so lange unter Wasser zu bleiben? Und wozu ist eigentlich das Blasloch da?

„Die Atmung funktioniert wie bei allen anderen Säugetieren auch: Wale haben Lungen. Die müssen sie füllen, und dazu setzen sie ihr Zwerchfell, Bauch- und Brustmuskulatur ein“, erklärt der Walforscher Professor Dr. Boris Culik . Er hat bereits mehr als 20 Expeditionen in die Antarktis, nach Chile, Mexiko und Kanada gemacht und dabei das Verhalten von Pinguinen und Walen erforscht.

Bei der Atmung von Walen ebenso wie von Delfinen spielt ihr Blasloch die gleiche Rolle wie bei Menschen die Nase, so Culik. Das Blasloch befindet sich auf dem Rücken der Tiere. Bei Bartenwalen sind es zwei Löcher, Delfine und andere Zahnwale haben nur eine Öffnung.

Taucht der Wal ab, schließt sich das Blasloch so fest, dass kein Wasser eindringen kann. Wie lange es ein Wal, ohne Luft zu holen, unter Wasser aushält, hängt davon ab, wie groß der jeweilige Meeressäuger ist: „Es gibt 72 Zahnwalarten, vom 60 Kilogramm leichten Schweinswal bis zum 50 Tonnen schweren Pottwal. Und dann noch zehn Bartenwalarten, deren größter Vertreter der Blauwal mit bis zu 100 Tonnen Gewicht ist. Mit zunehmendem Körpergewicht haben Säuger einen abnehmenden Stoffwechsel pro Kilogramm, daher können große Wale länger tauchen als kleine. Pottwale schaffen in der Regel zwei Stunden“, so der Walexperte.

Das schaffen sie laut Culik, weil sie den Sauerstoff nicht nur im Blut speichern, sondern auch in den Muskeln. Aufgrund des eisenreichen Muskelfarbstoffs Myoglobin sei ihr Fleisch daher sogar fast schwarz. Die Tiere haben aber noch mehr Tricks, um möglichst lang unter Wasser bleiben zu können: „Wale haben darüber hinaus mehr Blut und mehr rote Blutkörperchen pro Liter Blut als andere Säuger“, so Culik. Im Wasser würden sie sich aufgrund ihrer Stromlinienform zudem sehr sparsam bewegen und seien dank ihrer Speckschicht gut isoliert. Das führe zu geringem Energie- und daher auch Sauerstoffverbrauch.

Taucht der Meeressäuger nach seinem Tauchgang wieder auf, öffnet sich das Blasloch, und die Tiere stoßen die verbrauchte Luft explosionsartig aus. Der Blas, wie sich die ausgestoßene Flüssigkeit nennt, setzt sich laut Culik zusammen aus dem Seewasser über dem Blasloch, welches beim Ausblasen weggepustet wird, dem Schleim, der sich in den Luftröhren angesammelt hat, und aus dem Kondensat, welches beim Ausatmen in kühler Luft entsteht, wenn die dampfgesättigte Atemluft kondensiert. „Höhe, Form und Richtung des ausgestoßenen Blases sind für viele große Walarten charakteristisch“, so könnten nicht nur Walforscher, sondern auch Jäger bereits von Weitem erkennen, um welche Walart es sich handelt.


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