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Per App “Clubhouse” oder Ehrenamt Ohne Bewerbung: Drei Frauen, drei neue Wege zum Job

Von Marlene Borchardt

Neue Jobs lassen sich nur über klassische Wege finden. Drei Frauen erzählen, wie sie ihren gefunden haben.Neue Jobs lassen sich nur über klassische Wege finden. Drei Frauen erzählen, wie sie ihren gefunden haben.
Mateus Campos Felipe (Unsplash)

Hamburg. Ein Job wird ausgeschrieben, man bewirbt sich mit einem Anschreiben und Lebenslauf und dann kommt es zu einem Vorstellungsgespräch. So kann die Jobsuche laufen, es kann aber auch ganz anders gehen. Melanie Moske hat ihren Job über die App “Clubhouse” gefunden, Nasrin Jasmin wurde durch ihr ehrenamtliches Engagement mit einem Job belohnt und Fiona Herzfeld bekam ihren Job über ihr Netzwerk.

Majd Awad
Nasrin Jasmin in ihrem Ehrenamt (rechts im Bild).

Nasrin Jasmin (35 Jahre), Leiterin eines Stadtmagazins aus Hamburg

Ich habe meinen Job als Hamburg-Leiterin eines Stadtmagazins tatsächlich über mein ehrenamtliches Engagement am Hauptbahnhof gefunden. Mein Mann und ich haben einen Verein (Wedad e.V.) zur Kinder- und Jugendhilfe gegründet und für diesen Verein war ich seit dem Jahr 2015 als Flüchtlingshelferin am Hauptbahnhof unterwegs. Ich habe hier Ankommende beraten und sie bei ihrer Weiterreise oder Ankunft unterstützt. Und der Verleger des Stadtmagazins war dort auch undercover und ehrenamtlich dabei. 

Wir haben uns angefreundet und irgendwann hat er mich gefragt, ob ich nicht Lust habe, ihn mal auf der Arbeit zu besuchen. Das war dann im neuen Jahr, also 2016. Ich habe das dann gemacht und es hat sich so ergeben, dass ich zuerst ein Praktikum gemacht habe, dann als freie Mitarbeiterin gearbeitet habe und mittlerweile bin ich fest angestellt und leite sogar das Hamburg-Ressort. Obwohl ich vorher im Bereich Journalismus nur ein Praktikum bei der Fit4Fun gemacht hatte. Mittlerweile bin ich dafür verantwortlich Medienkooperationen mit unterschiedlichen Veranstaltern aus der Kulturszene an Land zu ziehen. Und das, obwohl ich vorher Sozialökonomie studiert habe und eigentlich als Projektleiterin in einem Bildungsprojekt gearbeitet hatte. Hier habe ich Workshops, Kurse und Seminare für Jugendliche zum Thema Ausbildungsplatz organisiert. Ich erzähle die Geschichte gerne, weil ich hoffe, dass sich dann noch mehr Menschen ehrenamtlich engagieren. Denn dabei kann so viel Gutes rumkommen. 

Melanie Moske
Melanie Moske, 29 aus Hamburg

Melanie Moske (29 Jahre), Unternehmensberaterin aus Hamburg

„Ich habe meinen neuen Job über die App “Clubhouse” gefunden.“Melanie Moske

Ich habe meinen neuen Job über die App “Clubhouse” gefunden. Aktuell arbeite ich als Unternehmensberaterin für digitale Geschäftsmodelle und habe Talks in der Kunstbranche verfolgt, weil ich eigentlich Kunsthistorikerin bin und mich die Branche immer noch interessiert. Ich habe in den Talks Fragen gestellt und meine Einschätzungen geteilt. Es ging darum, wie man über digitale Kanäle zu Corona-Zeiten Kunst verkaufen kann. Es ging allerdings um Bestandskunden, die man nun digital erreichen muss. Es hat mich gewundert, warum man nicht an neue Zielgruppen gedacht hat. Es ist doch jetzt eine gute Zeit, den verstaubten und intransparenten Kunstmarkt zu öffnen. Und dazu habe ich dann Fragen gestellt: Wie kann das funktionieren? Wie können wir Menschen erreichen, die noch nie darüber nachgedacht haben, Kunst zu kaufen? Und nicht nur jetzt online Kunst verkaufen an Menschen, die sich eh schon immer für Kunst interessiert haben. Das ist doch zu kurz gedacht. Das haben auch die Antworten hierzu gezeigt: Zum Beispiel kam dann von einem Messebetreiber: Es gibt doch schon Kunstmessen. Ja, die gibt es, aber um auf eine Kunstmesse zu gehen, muss ich mich doch für Kunst interessieren. Das erreicht mich doch nicht in meiner Lebensrealität! Deshalb sind zum Beispiel KünstlerInnen, die sich gut auf Social Media präsentieren, echte Pioniere.  

Ich habe zirka drei Talks bei Clubhouse mitgemacht und hatte in meinem Profil geschrieben, dass ich Beraterin bin, aber eben auch Kunsthistorikerin und mich dafür interessiere, wie man E-Commerce und Kunst kombinieren kann und habe gleichzeitig auch mein LinkedIn-Profil verlinkt. So sind die Leute aktiv auf mich zugekommen. Es haben mich dann zum Beispiel Galeristen angeschrieben, weil sie genau die Probleme haben, die ich, durch meinen Job als Beraterin, gewohnt bin zu lösen. Dann hatte ich mehrere Zoom-Calls und mit einem hat sich das dann auch konkretisiert. Und jetzt werde ich im Sommer Chief Digital Officer einer Kunsthandel-Aktiengesellschaft. 

NOZ Medien Jobbörse

Auch die NOZ Medien testet den Bedarf für neue Konzepte im Bereich Jobbörsen. Im Kern dreht dieser Ansatz den Prozess der Jobsuche um. Arbeitgeber bewerben sich bei Arbeitnehmern.
Zurzeit läuft eine Umfrage auf bluco-jobs.de, bei der es um einen neuen Ansatz der Jobvermittlung geht. Sagen Sie uns jetzt Ihre Meinung und gewinnen Sie auch noch einen Gutschein. 
Fiona Herzfeld
Fiona Herzfeld (34), Property-Managerin aus Hamburg


Fiona Herzfeld (34 Jahre), Property-Managerin aus Hamburg 

„Die meisten Jobs habe ich nicht über die klassische Bewerbung gefunden.“Fiona Herzfeld


Auf meinen ersten richtigen Job, den Ausbildungsplatz als Immobilienkauffrau, habe ich mich noch ganz klassisch beworben, mit Lebenslauf und Anschreiben. An meinen aktuellen Job als Property-Managerin bin ich über Kontakte gekommen. Aber von Anfang an: Nach der Ausbildung konnte ich nicht übernommen werden, so hat mein Chef mich bei der Firma eines Freundes weiterempfohlen. Ich bin dann hingegangen und mir wurde der Job dort sofort angeboten. Das fand ich krass! Und obwohl ich nie etwas Kaufmännisches machen wollte, bin ich da nach dem Abi reingerutscht. Es hat mir Spaß gemacht und es liegt mir auch. Dennoch habe ich nach einiger Zeit gemerkt, dass mir etwas fehlt. Ich wollte auch kreativ sein und kreativ arbeiten. Und so bin ich noch mal für ein Jahr nach Nürnberg gegangen und habe ein Werkstattjahr gemacht und im Anschluss studiert. 

Ich wollte dann aber zurück nach Hamburg und habe meine alte Chefin angerufen und aus Scherz gesagt: „Wenn ihr Jemanden braucht, dann sagt Bescheid." Und im Dezember habe ich dann dort die Betriebskostenabrechnung gemacht. Aus diesen vier Wochen wurden dann vier Jahre. Ich fand es aber nicht so richtig gut, dort war viel Chaos, das ich sortieren musste. Und ich wurde mit der Zeit einfach unzufrieden und habe das in meinem Freundes- und Bekanntenkreis auch geäußert. Und hier schließt sich nun der Kreis: Meine Freundin Anne kannte ich noch aus der Ausbildung und sie meldete sich mit einer Job-Option bei mir. Ein Freund von ihr suchte gerade eine Immobilienkauffrau. Und so traf ich mich zuerst mit ihm auf einen Lunch. Wir sprachen über die Aufgaben und die Gehaltsspanne. Dann traf ich meinen aktuellen Chef zum Vorstellungsgespräch, es lief super. Er sagte mir auch gleich, dass ich sehr aufgeräumt sei und er meine Art mag. Seit Oktober 2020 arbeite ich nun in der Firma als Property-Managerin, da es ein internationales Unternehmen ist, heißt es hier nicht Immobilienkauffrau. Kontakte zu halten und zu pflegen und auch über Unzufriedenheiten im Job zu sprechen ist also sehr gut für die Jobsuche. 


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