Unterschiedliche Reaktionen Astrazeneca im Ausland: Wie andere Länder mit dem Impfstoff umgehen

In Großbritannien wird weiterhin auf den Astrazeneca-Impfstoff gesetzt.In Großbritannien wird weiterhin auf den Astrazeneca-Impfstoff gesetzt.
PA Wire/Paul Ellis

Hamburg. Neben Deutschland beschränken auch andere Länder die Anwendung von Astrazeneca. Eine Sammlung der Reaktionen im Ausland.

Astrazeneca wird in Deutschland in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahren eingesetzt. Das entschieden Bund und Länder am Dienstagabend und folgen damit der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Das Saarland setzt Impfungen mit dem Vakzin ab Mittwoch zunächst sogar vollständig aus. Währenddessen plant die Europäische Arzneimittelagentur (EMA), in der kommenden Woche erneut über die Sicherheit des Astrazeneca-Impfstoffs zu beraten. 

Deutschland folgt einigen anderen Ländern

Mit der Einschränkung für die Anwendung von Astrazeneca schließt sich Deutschland einer Reihe weiterer Länder an, die ein ähnliches Vorgehen verfolgen. So plant neben Finnland und Island nun auch Schweden, den Impfstoff des schwedisch-britischen Herstellers zunächst nur bei älteren Menschen einzusetzen, wie das "Ärzteblatt" berichtete. Demnach habe man bei älteren Menschen nicht so viele ernsthafte Nebenwirkungen festgestellt. "Deshalb empfehlen wir den Impfstoff für Menschen, die 65 Jahre alt und älter sind", sagte Staatsepidemiologe Anders Tegnell. Die Anwendung für jüngere Altersgruppen werde ausgesetzt, bis es weitere Erkenntnisse gebe. Zuvor hatte Schweden den Einsatz von Astrazeneca vollständig eingestellt.

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In Kanada werden seit Kurzem ebenfalls nur ältere Menschen mit Astrazeneca geimpft. Die Altersgrenze für die Anwendung liegt bei 55 Jahren – für jüngere Altersgruppen gebe es bezüglich potenzieller Risiken erhebliche Unsicherheiten. Die Entscheidung beruhe vor allem auf den bekannt gewordenen Fällen von Blutgerinnseln in zeitlichem Zusammenhang mit einer Impfung aus Europa, wie "Deutschlandfunk" berichtet. Auch in Frankreich gilt ein Mindestalter von 55 Jahren für die Anwendung des Astrazeneca-Impfstoffs.

Astrazeneca in Spanien zunächst nur für Jüngere

Nachdem Spanien ebenfalls den Einsatz von Astrazeneca vollständig ausgesetzt hatte, hatte es ebenfalls eine Altersgrenze für den Einsatz des Vektorimpfstoffs festgelegt – allerdings nach oben und nicht nach unten. So durften Personen, die mit Astrazeneca geimpft wurden, zunächst nicht älter als 55 Jahre sein. Am vergangenen Montag wurde diese Altersgrenze dann auf 65 Jahre angehoben. Laut dem österreichischen TV-Sender "Puls 24" dürfen jetzt auch Menschen über 65 Jahre in Spanien mit Astrazeneca geimpft werden. Das soll das Gesundheitsministerium am Dienstagabend mitgeteilt haben. Spanien hatte die Beschränkungen damit begründet, dass es für eine Anwendung bei älteren Menschen nur "unzureichende" Daten gebe. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse würden nun eine Anhebung der Altersgrenze erlauben.

Vollständige Aussetzung in Dänemark – Unverständnis in Großbritannien

Währenddessen hat Dänemark beschlossen, die Impfungen mit Astrazeneca für weitere drei Wochen vollständig auszusetzen. "Aus pharmakologischer Perspektive ist das Vakzin sicher und wirksam gegen Covid-19. Aber es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es eine Verbindung gibt zwischen dem Vakzin und einer sehr selten ungewöhnlichen Krankheit, die sich durch eine geringe Anzahl von Blutplättchen, Blutungen und Thrombosen manifestiert“, zitiert "Euronews" die Direktorin der Aufsichtsbehörde zur Arzneimittelsicherheit in Dänemark.

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Großbritannien bildet bei der Anwendung des Astrazeneca-Impfstoffs eine der wenigen Ausnahmen im europäischen Raum: Dort wurde die Impfungen mit dem Vakzin zu keinem Zeitpunkt unterbrochen oder eingeschränkt. Zurzeit werden 50- bis 59-Jährige mit dem Impfstoff geimpft, da die Impfkampagne schon weit fortgeschritten ist. Man habe 100-prozentiges Vertrauen in die Wirksamkeit des Präparats und das sei durch verschiedene Studien, die britische Arzneimittelbehörde und jüngste Forschungsergebnisse bestätigt worden, heißt es seitens der Regierung. "Das ist ein sicherer Impfstoff und die britische Impfkampagne rettet jeden Tag Menschenleben im ganzen Land", sagte der britische Wohnungsbauminister Robert Jenrick.


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