Mehr Gesundheit, weniger Gewicht So gut sind Heilfasten und Intervallfasten für Körper und Geist

Von dpa

Ungesüßter Tee oder Wasser: Während des Fastens sollten Sie ausreichend trinken. Foto: dpa/Christin KloseUngesüßter Tee oder Wasser: Während des Fastens sollten Sie ausreichend trinken. Foto: dpa/Christin Klose
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Berlin . Ob Stunden, Tage oder Wochen: Beim Heilfasten können Sie für Ihre Gesundheit und Figur wirklich etwas Gutes tun. Das sagen Fasten-Anhänger und Experten über den freiwilligen und wohltuenden Verzicht.

Den Körper von Schadstoffen befreien, abnehmen, den Geist reinigen: Das alles wird mit dem Thema Fasten verbunden. Hier erfahren Sie, wie Sie mit dem Heil- und Intervallfasten Ihrer Gesundheit und Figur etwas Gutes tun können.

Passend dazu: Bestsellerautorin Susanne Fröhlich verrät ihren persönlichen Fastenplan

Was ist das Heilfasten?

Das Heilfasten ist eine Fastenform, die auf den Arzt Otto Buchinger (1878-1966) zurückgeht. Nach Angaben der Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung kann die Methode sowohl zur Vorbeugung als auch zur Therapie bei bestimmten Krankheiten angewendet werden. Im Gegensatz zum totalen Fasten wird dem Körper eine geringe Menge Energie zugeführt. Beispielsweise über Brühe, Säfte und Honig. Heilfasten wirkt Buchinger zufolge nicht nur auf der medizinischen Ebene, sondern auch auf psychosozialer und spiritueller Ebene.

Wie kann Fasten zur Gesundheit beitragen?

Der Name Heilfasten sagt es schon: "Heilfasten ist die Domäne der Therapie", sagt der Naturheilkunde-Experte Dr. Andreas Michalsen. Der Charité-Professor und Chefarzt im Immanuel-Krankenhaus ist Experte auf dem Gebiet. Fasten wird in verschiedenen Kliniken gegen Krankheiten wie Rheuma, Bluthochdruck und Diabetes eingesetzt. Im Forschungsfeld sind auch neurologische Erkrankungen.

Eignet sich Heilfasten auch zum Abnehmen?

Da man während des Heilfastens nur wenige Kalorien zu sich nimmt, verliert man auch Gewicht. "Aber das ist nicht das primäre Ziel", sagt der Arzt Andreas Michalsen. Man will vielmehr Einfluss auf bekannte Risikowerte wie Bluthochdruck, Cholesterin, den Zuckerspiegel nehmen oder Entzündungen behandeln.

Heilfasten kann der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zufolge aber ein sehr guter Start in eine Gewichtsabnahme sein. Das funktioniert aber nur, wenn man nach dem Fasten eine gesunde Ernährung aufrechterhält, wie Antje Gahl, die Ernährungswissenschaftlerin von der DGE sagt. Dem schließt sich auch Andreas Michalsen an: Wenn man komplett in sein früheres Muster zurück verfällt und Salami-Pizza, Currywurst und dann ein Eis isst, dann hat man das verlorene Gewicht wieder drauf", sagt er. Dann kommt es zum Jojo-Effekt.

Eine Pizza ist lecker – kann aber auch den Rückfall in alte Muster einleiten. Foto: dpa/Robert Schlesinger

Droht nach dem Fasten ein Jojo-Effekt?

Die Mehrzahl der Menschen hat wenig Probleme mit Jojo weil das Fasten etwas im Kopf und Verhalten verändert. Das hat der Arzt Andreas Michalsen in seinen Studien zum Heilfasten festgestellt. Auch die Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung beruft sich auf wissenschaftliche Studien nach denen das Fasten bei vielen Patienten nachhaltig zu einer Trendwende bezüglich ihres Lebensstils führte.

Das fiel auch der Bestsellerautorin Susanne Fröhlich auf. Sie schrieb über ihre fünf Wochen lange Fasten-Kur sogar ein Buch. "Der Körper lernt dazu", sagt sie über die Erfahrung. "Ich hatte nach dem Fasten nicht Lust auf eine Sachertorte, sondern auf Kohlrabi, Äpfel und Joghurt", sagt die Schriftstellerin. "Man isst dann anders. Ich hatte Lust auf gesunde Sachen."

Wer darf fasten?

Tage- oder wochenlang auf feste Nahrung verzichten - ist das denn allen Menschen erlaubt? Grundsätzlich kann jeder gesunde Mensch fasten, wie die Ärztegesellschaft für Ernährung und Heilfasten sagt. Der Stoffwechsel des menschlichen Körpers verfügt demnach über sehr gute Strategien, Mangelzustände zu überbrücken. 

Allerdings sind nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung Senioren, Schwangere, Stillende, Jugendliche oder Kinder davon ausgenommen. Sie sollten lieber nicht fasten. Gleiches gilt für Menschen mit bestimmten Krankheiten wie Essstörungen oder Leber- und Nierenkrankheiten. Menschen, die Medikamente einnehmen müssen, sollten vorher mit ihrem Arzt sprechen.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

  • Kreislaufdysregulationleichte 
  • UnterzuckerungStörungen im Elektrolythaushalt
  • Kopfschmerzen, 
  • Migräneanfälle
  • Muskelkrämpfe
  • Sehstörungen (vorübergehend)
  • Schlafveränderungen.

Wirkt sich fasten auf die Stimmung aus?

Oft bemerken Fastende eine Stimmungsaufhellung, wie die Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung unter Berufung auf medizinische Studien verweist. So ging es auch der Bestsellerautorin Susanne Fröhlich: "Man hat wirklich gute Laune, der Körper schüttet vermehrt Wohlfühlhormone aus, Serotonin zum Beispiel."

Wie lange sollte eine Heilfasten-Kur dauern?

Die ÄGHE hält eine Mindestdauer zwischen sechs und acht Tagen für sinnvoll. Das Optimum des therapeutischen Buchinger-Fastens wird demnach zwischen zwei und vier Wochen erreicht. Bei Menschen mit einem niedrigeren Ausgangsgewicht können auch kürzere Fastenperioden von Vorteil sein. Susanne Fröhlich fastete direkt fünf Wochen: "Das war sehr lang. Aber ich war wie in einem Rausch. Man tut sich fast schwer aufzuhören. Weil es so gut funktioniert."

Hat man beim Fasten Hunger?

Während der ersten Tagen des Heilfastens schon. Doch dann stellt sich der Körper darauf ein und schaltet dann die Hormonsekretion um, wie der Mediziner Andreas Michalsen erklärt. Durchhalten lohnt sich also: Die Umstellungsphase, in der der Körper nur noch von seinen eigenen Reserven lebt, ist etwa am zweiten oder dritten Fastentag erreicht. "Da kann nochmal Hunger auftreten", sagt Michalsen. Zwischen dem vierten und siebten Tag läuft das Fasten dann fast ohne Hunger ab.

Foto: imago images/Panthermedia

Nach einer längeren Fastenphase könne der Körper dann durch Hunger wieder Signale geben, dass die Fastenzeit langsam beendet werden sollte, sagt Andreas Michalsen. Insgesamt ist der Hunger abends stärker als morgens zu spüren und lässt sich aber gut aushalten. Beim Intervallfasten dauert die Umgewöhnungsphase bis man keinen Hunger verspürt etwa drei bis vier Wochen.

Was ist das Intervallfasten?

Bei der Ernährungsweise wird nach Angaben der Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl entweder tage- oder stundenweise auf Nahrung verzichtet. Dadurch sollen die Kilos purzeln. Die Fastenvariante ist für gesunde Menschen sicher und leicht durchführbar, wie der Arzt Andreas Michalsen sagt. Man müsse seine Ernährung nicht groß umstellen und brauche eigentlich nur eine Uhr. Der greifbarste Effekt ist, dass die Menschen Gewicht abnehmen. (Weiterlesen: Intervallfasten – Warum Frauen schneller Fett abbauen)

"Das Intervallfasten ist zur Gewichtsabnahme genauso effektiv wie jeden Tag weniger zu essen", sagt der Arzt. Dauerhaft weniger zu essen, fällt den meisten Menschen aber sehr schwer. "Das macht keine Lebensfreude." Dagegen ist Intervallfasten, wenn man es sich einmal angewöhnt hat, eigentlich unkompliziert.

Wie trägt Intervallfasten zur Gesundheit bei?

Die Ernährungsweise führt laut Studien zur Gewichtsreduktion. "Das stellt in unserer Gesellschaft für viele ein Gesundheitsziel dar", sagt Michalsen. Medizinern zufolge haben etwa zwei Drittel der Bevölkerung Übergewicht. Außerdem beugt Intervallfasten auch Krankheiten vor. Positive Auswirkungen gibt es auf das Immunsystem und die Darmgesundheit. 

Für Menschen, die gesund sind und nicht Hunger leiden, nehme es der Körper sehr gut an, wenn er Pause von der Verdauung und der kontinuierlichen Überernährung bekomme, sagt Andreas Michalsen, der außerdem die positiven Auswirkungen des Intervallfasten auf den Schlaf hervorhebt. (Weiterlesen: Warum Sie durch Intervallfasten besser schlafen)

Sogenannte Detox-Kuren versprechen, den Körper von den Folgen ungesunder Lebensmittel sowie Alkohol und Zigaretten zu befreien. Einen solchen Entgiftungseffekt stellt Ernährungsexpertin Antje Gahl allerdings infrage. Der menschliche Körper reinigt sich durch die klassischen Ausscheidungsorgane wie Leber, Darm, Nieren und Haut stetig selbst von Schadstoffen. 


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