Umweltministerin: "Alarmierend" Klimawandel trifft Deutschland: Temperaturanstieg um 0,3 Grad in fünf Jahren

Vertrocknete Ernten und Wälder, Niedrigwasser in Flüssen, Sturmfluten an der Küste: Die Deutschen bekommen den Klimawandel einem Bericht der Bundesregierung zufolge in vielen Bereichen zu spüren Foto: dpa/Julian StratenschulteVertrocknete Ernten und Wälder, Niedrigwasser in Flüssen, Sturmfluten an der Küste: Die Deutschen bekommen den Klimawandel einem Bericht der Bundesregierung zufolge in vielen Bereichen zu spüren Foto: dpa/Julian Stratenschulte
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Berlin. Die Folgen der globalen Erderwärmung werden in Deutschland spürbarer und lassen sich immer besser belegen: Zu diesem Befund kommt der am Dienstag in Berlin vorgelegte zweite Klima-Monitoringbericht der Bundesregierung.

Die Deutschen bekommen den Klimawandel einem Bericht der Bundesregierung zufolge in vielen Bereichen zu spüren. Im Mittel war die Lufttemperatur 2018 um 1,5 Grad Celsius höher als 1881, wie Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) am Dienstag in Berlin sagte. 2013 sei man noch von 1,2 Grad ausgegangen. Allein in den letzten fünf Jahren stieg diese um 0,3 Grad an.

Es ist nicht auszudenken, was es bedeuten würde, wenn sich das in dieser Geschwindigkeit wirklich fortsetzen würde.Umweltministerin Schulze

In dem Bericht werden die Folgen etwa für Gesundheit, Landwirtschaft sowie Wälder, Flüsse, Verkehr und die Wirtschaft untersucht.

Immer mehr heiße Tage

Umweltbundesamt-Präsidentin Maria Krautzberger sagte: "Deutschland steckt mittendrin in der Erderhitzung, mit weitreichenden Folgen für Umwelt, Gesellschaft und Gesundheit." Es müsse "dringend vorgesorgt werden, um diesen Folgen zu begegnen".

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Krautzberger verwies darauf, dass die Erhöhung der mittleren Temperatur mit einer höheren Anzahl "heißer Tage" verbunden sei – dies sind Tage, an denen die Temperaturen über 30 Grad steigen. Deren Anzahl nimmt demnach zu: Seit 1951 von im Mittel etwa drei pro Jahr auf derzeit rund zehn – 2018 waren es sogar mehr als 20. Die Sommer 2003, 2018 und 2019 waren die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen.  

Warnung der UN

Anstrengungen im Kampf gegen Klimawandel reichen nicht aus
Die Länder müssen ihre Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel immens verstärken, wenn sie gemeinschaftlich das 1,5-Grad-Ziel erreichen wollen. Zu diesem Ergebnis kommt das UN-Umweltprogramm Unep in einer am Dienstag in Genf vorgestellten Studie. Wenn die Weltbevölkerung so weiterlebe wie aktuell, drohe die Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um 3,4 bis 3,9 statt wie angestrebt um nur 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu steigen. Warnungen mit ähnlichen Daten hatte es in den vergangenen Wochen schon mehrfach gegeben, etwa im "Brown to Green"-Report, vorgestellt vom Netzwerk Climate Transparency. 

Lebensgrundlagen in Deutschland sichern

Nicht immer sei klar, welchen Anteil der Klimawandel an Veränderungen habe, denn es spielten verschiedene Faktoren zusammen, räumen die Autoren des Berichts ein, an dem Bundes- und Landesbehörden, Universitäten und Fachverbände mitgearbeitet haben. Trends sind demnach aber klar erkennbar.

Mitteleuropa mit Deutschland in der Mitte: In der rechten oberen Hälfte sind, teils von Wolken bedeckt, die Nord- und die Ostsee zu erkennen. Rechts unten sind noch die ersten Ausläufer der Alpen zu sehen, fotografiert von Astronauten Alexander Gerst. Foto: dpa/ESA/Alexander Gerst

So steigt die Sterblichkeit in Jahren mit vielen Hitzetagen, Allergiker und Asthmatiker leiden vermehrt unter Pollen. Flüsse führen im Sommer häufiger weniger Wasser, als bisher normal war – mit Folgen für die Wasserversorgung etwa von Kraftwerken und die Schifffahrt. Für Land- und Forstwirte steigt das Ertragsrisiko. Steigende Meeresspiegel auch der Nord- und Ostsee steigern die Gefahr von Sturmfluten und Küstenerosion. Schulze mahnte: "Beim Klimaschutz geht es eben nicht nur um Gletscher und Eisbären, es geht auch um unsere Lebensgrundlagen hier in Deutschland." 

Besserer Schutz vor Hitze gefordert

Im Alltag müsse die Entwicklung konkrete Auswirkungen haben, sagte Ministerin Schulze. Die Klima-Entwicklung erfordere beispielsweise, sich bei allen Bau- und Infrastrukturprojekten besser vor Beeinträchtigungen durch Hitze, Starkregen oder Hochwasser zu wappnen.Das gelte insbesondere auch für die städtischen Wohngebieten. Begrünte Dächer und Gebäudefassaden, Wasserflächen und verschattete Plätze linderten hier Hitze und verbessern den Regenwasserrückhalt, sagte die Ministerin. Sie verbesserten zugleich die Luftqualität.


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