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11.12.2019, 10:43 Uhr KOLUMNE

Weihnachtsgeschenke: Diese zwölf Spiele gehören unter den Tannenbaum

Von Karsten Grosser


Auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken? Warum nicht ein Spiel? Fotos: Karsten Grosser/Colourbox.deAuf der Suche nach Weihnachtsgeschenken? Warum nicht ein Spiel? Fotos: Karsten Grosser/Colourbox.de

Osnabrück. Hunderte neue Brett- und Kartenspiele kommen jährlich frisch auf den Markt. Wie soll man da den Überblick behalten? Wir haben zahlreiche Neuheiten ausprobiert und zwölf Titel herausgesucht, die wir guten Gewissens als Weihnachtsgeschenk empfehlen können.

Welche Spiele das sind? Für Neugierige folgt erst eine Aufzählung. Wer Details wissen und die Pro-Argumente für diese Titel lesen möchte, scrollt einfach weiter runter.

  • Just One – ein kooperatives Wortratespiel
  • Flügelschlag – ein wunderschönes Optimierspiel
  • Pictures – ein kreatives Familienspiel
  • Draftosaurus – ein schnelles Dinos-aus-dem-Sack-ziehen-Spiel
  • Nova Luna – ein elegantes Legespiel
  • Tuki – ein ungewöhnliches Bauspiel
  • Harry Potter - Kampf um Hogwarts – ein zauberhaftes Deckbauspiel
  • Little Town – ein stringentes Stadtbauspiel
  • Tal der Wikinger – ein kegelartiges Kinderspiel
  • Rune Stones – ein magisches Kennerspiel
  • Robin von Locksley – ein sprunghaftes Zwei-Personen-Spiel
  • Minecraft Builders & Biomes – ein Computerspiel als Brettspiel

Just One

Kooperatives Wortratespiel: Einer muss einen Begriff raten, alle anderen geben Hinweise, die aus nur einem Wort bestehen dürfen. "Just One" – der Name des Spiels kommt einer Kurzfassung der Spielregel gleich. Das Prinzip setzt sich fort: Doppelte Tipps werden aussortiert, bevor der Ratende einen Überblick über die Hilfen erhält. Je weniger Hinweise übrig bleiben, desto schwieriger wird die Aufgabe, denn auch beim Raten gilt: just one – nur eine Antwort ist erlaubt. 

Welcher Begriff auf der Karte ist hier wohl gemeint? Foto: Karsten Grosser

Selbstredend dürfen sich die Tippgeber nicht absprechen, wenn sie ihre Assoziationen zum gesuchten Wort aufschreiben. Ziel in diesem kooperativen Spiel ist es, als Gruppe so viele Begriffe wie möglich zu erraten. "Just One" wurde 2019 als "Spiel des Jahres" ausgezeichnet.

Foto: Karsten Grosser

Just One (Repos Production/Asmodee) von Ludovic Roudy und Bruno Sautter ist für 3 bis 7 Spieler ab 8 Jahren und dauert etwa 20 bis 25 Minuten.

Flügelschlag

Wunderschönes Optimierspiel: Ein Vogelhäuschen als Würfelturm, Dutzende Miniatureier und 170 unterschiedliche Karten mit Tieren der nordamerikanischen Vogelwelt zeugen von einer detailverliebten Gestaltung – dieses Spiel für Spielerfahrene ist schlichtweg ein Gesamtkunstwerk. Die hochwertige Anleitung sowie verständliche Regeln runden dieses ornithologische Optimierspiel ab. Ein Spiel, das nicht nur thematisch überzeugt, sondern auch durch seine wunderbar eingebettete Mechanik.

Flügelschlag ist der Überflieger des Spielejahrgangs 2018/19. Foto:Karsten Grosser

Die Spieler siedeln Vögel in unterschiedlichen Lebensräumen an und versuchen dabei, die Eigenschaften der einzelnen Arten gut aufeinander abzustimmen. Die Varianz bei den Möglichkeiten, Punkte zu erzielen, erlaubt unterschiedliche Strategieansätze, sodass das Auszählen am Ende oft zum zusätzlichen Spannungsmoment wird. "Flügelschlag" wurde 2019 als "Kennerspiel des Jahres" ausgezeichnet.

Foto: Karsten Grosser

Flügelschlag (Feuerland) von Elizabeth Hargrave ist für 1 bis 5 Spieler ab 10 Jahren und dauert 40 bis 75 Minuten.

Pictures

Kreatives Familienspiel:16 unterschiedliche Fotos liegen in einem Raster aus. Aufgabe der Spieler ist es, Motive nachzustellen. Mit Bauklötzen, farbigen Holzwürfelchen, Schnürsenkeln, Steinen und Stöcken oder mit Symbolkarten – jeder erhält ein anderes Set an Material. Eine wunderbare kreative Herausforderung, die niemals in Überforderung ausartet, sondern jeden zu einem kleinen Künstler macht. 

Motive werden durch unterschiedliche Materialien nachgestellt. Foto:Karsten Grosser

Wer welches Bild nachbauen muss, geben die Koordinatenplättchen vor, welche die Spieler geheim aus einem Beutel ziehen. Denn es geht auch darum, die Nachbildungen der Mitspieler zu erkennen. Von richtigen Zuordnungen profitieren immer beide beteiligten Spieler. Wenn jeder Teilnehmer mit jedem Materialset einmal dran war, wird abgerechnet in diesem Spiel mit einem extrem leichten Zugang.

Foto: Karsten Grosser

Pictures (PD-Verlag) von Daniela und Christian Stöhr ist für 3 bis 5 Spieler ab 8 Jahren und dauert etwa 30 Minuten.

Draftosaurus

Schnelles Dinos-aus-dem-Sack-ziehen-Spiel: Jeder Spieler plant seinen eigenen Jurassic Park. Die Dinosaurier werden jedoch weder geklont noch ausgebrütet. Hier werden sie einfach aus einem Säckchen gezogen. Mit dabei – wie vor allem jüngere Dinofans schnell erkennen: Brontosaurus, Triceratops, Stegosaurus und – natürlich – T-Rex. Zu Beginn jeder der beiden Durchgänge zieht jeder Spieler sechs Holzfiguren aus dem Beutel. Eine davon setzt er in eines der sechs unterschiedlichen Gehege des eigenen Parks, alle anderen gibt er an den rechten Mitspieler weiter.

Zwei verliebte Langhälse (rosa) bringen in diesem Gehege fünf Punkte.. Foto: Karsten Grosser

Welche Tiere im Spiel sind, sollte jeder geheim halten, um der Konkurrenz die Planung zu erschweren. Sind alle Dinos verteilt, folgt der zweite Durchgang, an dessen Ende sich die Wertung anschließt. Das eine Gehege belohnt viele gleiche Dinos, das andere unterschiedliche, ein weiteres verlangt Paare. In diesem charmanten Spiel der schnellen Entscheidungen gewinnt am Ende derjenige, der neben instinktivem Planungsvermögen auch das nötige Glück findet.

Foto: Karsten Grosser

Draftosaurus (Board Game Box) von Antoine Bauza, Corentin Lebrat, Ludovic Maublanc und Thé Rivière ist für 2 bis 5 Spieler ab 8 Jahren und dauert etwa 15 Minuten.

Nova Luna

Elegantes Legespiel: Der Mond, der hier sowohl den Namen als auch die optische Umsetzung prägt, spielt thematisch letztlich keine Rolle. Aber er verleiht dem abstrakten Spiel einen überaus einladenden Charakter. Und wichtig: Der Schein blendet nicht, denn einem leicht verständlichen Auswahlmechanismus von Plättchen schließt sich ein raffiniertes Wertungssystem an. Gewonnen hat, wer als Erster eine geforderte Zahl an Aufgaben mit seiner Auslage erfüllt. 

Erfüllte Aufgaben werden mit einem Marker gekennzeichnet. Foto: Karsten Grosser

Bis zu drei Aufgaben werden auf einem Plättchen gestellt; sie geben jeweils vor, welche Farben benachbarte Plättchen oder Plättchenketten haben sollen. Die Herausforderung liegt darin, solche Plättchen zu ergattern und nebeneinander zu platzieren, die sich gegenseitig helfen.

Foto: Karsten Grosser

Nova Luna (Edition Spielwiese/Pegasus Spiele) von Uwe Rosenberg und Corné van Moorsel ist für 1 bis 4 Spieler ab 8 Jahren und dauert etwa 30 Minuten.

Tuki

Ungewöhnliches Bauspiel: In der Sprache der Inuit ist Tukiliit – vereinfacht ausgedrückt – das Wort für Steinfiguren. Und solche gilt es hier zu bauen. Sobald die Aufgabenkarte aufgestellt wird, konstruieren die Spieler um die Wette. Wer ist zuerst fertig? Schwierigkeit beim Nachbau der Figur ist der Umstand, dass nur die Lage von den drei oder – in der Version für Fortgeschrittene – vier bunten Steinen abgebildet wird. Und von denen hängen manche in der Luft. 

Eine Beispielaufgabe und deren Umsetzung. Foto: Karsten Grosser

Nun ist räumliches Vorstellungsvermögen gefragt, um die weißen Steine an den richtigen Stellen als Stützen oder Ausgleichsgewicht zu platzieren. Längst nicht jede Aufgabe ist trivial, sodass es durchaus mal mehrere Ansätze erfordert, ehe der Tuki steht. Der langsamste Spieler kassiert die Aufgabenkarte als Minuspunkt. Wer fünf Karten hat, scheidet aus. Alle anderen ermitteln nun in einem letzten Wettbauen den Sieger. Da nur Material für drei Spieler enthalten ist, muss bei Runden zu viert stets einer aussetzen.

Foto: Karsten Grosser

Tuki (Next Move Games/Pegasus Spiele) von ist für 2 bis 4 Spieler ab 8 Jahren und dauert etwa 30 bis 45 Minuten.

Harry Potter – Kampf um Hogwarts

Zauberhaftes Deckbauspiel: Als Ron Weasley, Hermine Granger, Neville Longbottom und natürlich Harry Potter verteidigen die Spieler gemeinsam die Zauberschule Hogwarts. Dabei bedient sich dieser für eine Lizenzverspielung überraschend gute Titel einem Mechanismus, der vor allem durch Dominion (Spiel des Jahres 2009) bekannt geworden ist und seitdem ein eigenes Genre bildet: Deckbau. 

Mit diesen Karten startet Harry Potter. Foto: Karsten Grosser

Jeder Protagonist erweitert im Laufe einer Partie seinen Kartensatz mit immer besseren Karten, um schließlich die Bösewichte aus dem Harry-Potter-Universum zu besiegen. Besonders schön hier: Die Helden durchleben in einer Kampagne aus sieben Kapiteln die Abenteuer, die Fans von Harry & Co. auch aus den Büchern kennen. Entsprechend wird es in jedem Kapitel schwieriger, die Schergen um Du-weißt-schon-wen zu besiegen.

Foto: Karsten Grosser

Harry Potter – Kampf um Hogwarts (Kosmos) von USAopoly ist für 2 bis 4 Spieler ab 11 Jahren und dauert etwa 45 bis 60 Minuten.

Little Town

Stringentes Stadtbauspiel: Innerhalb von vier schnellen Durchgängen entsteht auf einer grünen Wiese eine Kleinstadt, in der am Ende möglicherweise sogar eine Kathedrale zu finden ist. Zu Beginn aber stehen den Städtebauern nur Ressourcen zur Verfügung, welche die Natur bietet: Holz, Steine und Fische. Die Spieler entsenden Arbeiter, um diese Rohstoffe einzusammeln. Wer genügend Baustoffe im Vorrat hat, nutzt sie, um Gebäude zu errichten oder Felder zu kultivieren – entsprechende Plättchen werden dauerhaft auf dem Plan platziert und lassen das Städtchen wachsen. Ein klassisches Spielprinzip. 

Arbeiter stehen in der Stadt, in der immer mehr Gebäude errichtet werden. Foto: Karsten Grosser

Bei "Little Town" indes überzeugt der schnörkellose Mechanismus, bei dem es darum geht, lukrative Standorte selbst zu nutzen oder anderen zu verbauen, denn: Arbeiter können nur auf Wiesenfeldern eingesetzt werden. Von dort aktivieren sie alle acht Felder um sich herum. Entweder gibt es Ressourcen oder die Funktionen der Gebäude werden aktiviert. Gegen eine Abgabe dürfen selbst fremde Bauten genutzt werden.

Foto: Karsten Grosser

Little Town (Iello/Huch) von Shun und Aya Taguchi ist für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren und dauert etwa 45 Minuten.

Tal der Wikinger

Kegelartiges Kinderspiel: Im aktuellen Kinderspiel des Jahres müssen zwei bis vier Kinder (und Erwachsene) ab sechs Jahren Fässer mit einer Kugel umwerfen, um Wikingerfiguren zu bewegen und möglichst sich selbst den größten Anteil am Goldschatz zu sichern. Doch viel hilft hier nicht immer viel. Denn fällt das eigene Fass zu oft, landet die Spielfigur im Wasser und geht bei der Verteilung der Schätze leer aus. Bei diesem imposanten und innovativen Spiel geht es – ganz zum Setting passend – auch mal rau zu, wenn der Mitspieler absichtlich versenkt wird.

Beim Kinderspiel des Jahres kegeln die Kinder um Goldmünzen, die sie dann in ihren Schiffen lagern. Foto: Karsten Grosser

Tal der Wikinger (Haba) von Wilfried und Marie Fort ist für 2 bis 4 Spieler ab 6 Jahren und dauert etwa 20 Minuten.

Rune Stones

Magisches Kennerspiel: Es ist schon nicht leicht für Druiden, sich einen der mächtigen Runensteine zu sichern. Zunächst setzen sie Magie ein, um böse Kreaturen mit nützlichen Fähigkeiten zu beschwören. Die Mühen werden mit Edelsteinen belohnt, die wiederum in Artefakte eingetauscht werden. Und Letztere sind das A und O, um eben die Runensteine zu erschaffen. Die bringen nicht nur Punkte, sondern verleihen auch permanente Spezialfähigkeiten in diesem schön komponierten Strategiespiel, das sich vor allem durch zwei Aspekte auszeichnet.

Stimmungsvoll gestaltet: Rune Stones. Foto: Karsten Grosser

Zum einen durch die ständige Frage: Wann wandle ich die Artefakte um? Es ist gut, schnell Runensteine zu haben, allerdings kostet Ungeduld auch Punkte. Wirklich innovativ ist aber vor allem das Deckmanagement der Kreaturenkarten, denn: Wer Fähigkeiten nutzt, reduziert zugleich seinen Kartenvorrat. Es ist dieses frische Element, das Rune Stones so reizvoll macht.

Foto: Karsten Grosser

Rune Stones (Queen Games) von Rüdiger Dorn ist für 2 bis 4 Spieler ab 12 Jahren und dauert etwa 60 Minuten.

Robin von Locksley

Sprunghaftes Zwei-Personen-Spiel: Das Premierenwerk des jungen niedersächsischen Verlags Wyrmgold überzeugt durch eine klare Funktionalität. Das Thema Robin Hood, welches über den Namen angerissen wird, bleibt indes völlig abstrakt. Doch diese Nüchternheit schadet dem Spielgefühl nicht. Der hier so formulierte "Wettstreit der Diebe" fordert die beiden Spieler auf, zahlreiche Aufgaben in einer bestimmten Reihenfolge zu erledigen. Wer zuerst fertig ist, gewinnt. Die Aufgaben beziehen sich zumeist auf die Beutestücke, die als Raster in der Mitte ausliegen. 

Die Figuren ziehen wie Schach-Springer und sammeln Beutestücke ein. Foto: Karsten Grosser

Und nun kommt ein Kniff ins Rennen, der von einem königlichen Spiel bekannt ist: Die Diebe bewegen ihre Figuren in der Weise des Springers beim Schach. Wer zwei, drei Züge vorausplant und die nahenden Herausforderungen rechtzeitig in den Blick nimmt, hat zum richtigen Zeitpunkt die passenden Beutestücke in seiner Sammlung oder setzt notfalls eine der erworbenen Münzen ein, um eine Aufgabe zu überspringen.

Foto: Karsten Grosser

Robin von Locksley (Wyrmgold) von Uwe Rosenberg ist für 2 Spieler ab 8 Jahren und dauert 30 bis 45 Minuten.

Minecraft Builders & Biomes

Computerspiel als Brettspiel: Die Klötzchengrafik ist das Markenzeichen des äußerst erfolgreichen Videospiels Minecraft. Ein Merkmal, das – wenig überraschend – auch die analoge Version auszeichnet. Bemerkenswert hingegen ist die spielerische Klasse, mit der dieses Lizenzprodukt aufwartet. Dem erfahrenen Spieleautor Ulrich Blum ist es gelungen, eine sowohl herausfordernde als auch gelungene Umsetzung zu präsentieren. 

Foto: Karsten Grosser

Optisch auffällig wirkt vor allem der Ressourcenwürfel, der zu Beginn aus 64 kleineren Holzwürfeln aufgetürmt wird. Wie in der digitalen Version bauen die Spieler das Gebilde allmählich ab und nutzen die kleinen Blöcke als Holz, Stein, Obsidian und Smaragde, um Gebäude zu bauen. Dadurch erhalten sie Karten, mit denen sie eine eigene Welt erschaffen – möglichst so, um am Ende jeder der drei Reihen bei den Wertungen abzusahnen. Eine Aufgabe, die taktisches Planvermögen erfordert und auch den Kampf gegen Monster nicht zu kurz kommen lässt.

Foto: Karsten Grosser

Minecraft Builders & Biomes (Ravensburger) von Ulrich Blum ist für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren und dauert 30 bis 60 Minuten.


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