Eurostat-Studie zu Lebensqualität Europäer zufriedener als vor fünf Jahren – Experte warnt vor Pessimismus

Die Europäer sind heute zufriedener mit ihrer Lebensqualität als 2013. Symbolbild: imago images / Westend61 / Marcos OsorioDie Europäer sind heute zufriedener mit ihrer Lebensqualität als 2013. Symbolbild: imago images / Westend61 / Marcos Osorio

Stuttgart. Die Menschen in der Europäischen Union und in Deutschland waren 2018 zufriedener als noch vor fünf Jahren. Trotzdem reden viele über einen Niedergang der Gesellschaft. Ein Experte warnt vor zu großem Pessimismus.

Wie zufrieden sind die EU-Bürger mit ihrem Leben? Die europäische Statistikbehörde Eurostat hat Unionsbürger zu ihrer Lebensqualität befragt und die Ergebnisse am Donnerstag veröffentlicht. Die Deutschen liegen mit ihrer Lebenszufriedenheit im EU-Durchschnitt.

Deutschland erreichte demnach für 2018 einen Wert von 7,4 auf einer Skala von 0 ("überhaupt nicht zufrieden") bis 10 ("vollkommen zufrieden"). Der EU-Durchschnittswert lag bei 7,3. Das sind 0,3 Punkte mehr als 2013. Unter den Deutschen kletterte der Wert sogar von 7,0 auf 7,4 Punkte. 

Finnen und Österreicher am zufriedensten

Am zufriedensten gehen demnach die Finnen durchs Leben (8,1), gefolgt von Österreichern (8,0), Dänen, Polen und Schweden (alle 7,8). Am unteren Ende der Skala liegt Bulgarien mit einem Wert von 5,4 Punkten. 

Skandinavier am zufriedensten mit ihrem Einkommen

Finnland liegt zusammen mit Dänemark und Schweden auch bei der Zufriedenheit mit der finanziellen Situation vorne (7,6). Deutschland rangiert mit einem Wert von 6,8 über dem EU-Schnitt von 6,5. Insgesamt ist die finanzielle Zufriedenheit sowohl in der EU als auch in Deutschland deutlich um 0,5 Punkte gestiegen. Schlusslicht ist auch in dieser Kategorie Bulgarien (4,3).

Malta, Österreich und Slowenien mit den besten Beziehungen

Gleiches gilt für die Zufriedenheit mit persönlichen Beziehungen – auch hier liegt Bulgarien mit einem Wert von 6,6 Punkten am Ende der Skala. Der EU-Durchschnitt lag 2018 bei 7,9 Punkten. Am größten war die Zufriedenheit in Malta, Österreich und Slowenien (8,6 Punkte). Die Deutschen sind mit einem Wert von 7,9 fast genauso zufrieden mit ihren persönlichen Beziehungen gewesen wie fünf Jahre zuvor (7,8).

Jüngere Europäer deutlich zufriedener als ältere

Blickt man auf die Antworten der EU-Bürger nach Altersgruppen, sieht man eine abnehmende Zufriedenheit mit zunehmendem Alter. Orange zeigt eine hohe Zufriedenheit, blau eine mittlere und gelb eine niedrige. Die grüne Linie zeigt den Mittelwert:


Experte: Pessimismus lähmt und entmutigt

Auch wenn die guten Zufriedenheitswerte optimistisch stimmen, hat pessimistisches Denken die Mitte Gesellschaft erreicht. Der Medienwissenschaftsprofessor Bernhard Pörksen warnt davor, andauernd über einen gesellschaftlichen Niedergang zu reden. Viele Pessimisten gingen von einem Ende der Demokratie und einer Wiederkehr des Faschismus aus. Dies entmutige und lähme, sagte der Direktor des medienwissenschaftlichen Instituts der Universität Tübingen beim Medienpolitischen Kongress der Landesregierung am Donnerstag in Stuttgart.

Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen warnt davor, vom gesellschaftlichen Niedergang zu sprechen. Foto: imago images/Horst Galuschka

Auch wer von einem postfaktischen Zeitalter rede, spreche die Sprache der Resignation. Dadurch bestehe die Gefahr, dass man sich vom Aufklärungsgedanken und dem Bildungsoptimismus verabschiede und stattdessen ein antiliberales Menschenbild entstehe. Dieses misstraue dem Menschen, wolle den Paternalismus und fordere die schärfere Bevormundung durch Gesetze. "So werden Tür und Tor für autoritäres Denken geöffnet", sagte der Medienexperte.

Neues Gremium für "kommunikativen Klimawandel" vorgeschlagen

Pörksen schlug vor, das Fach Medienkompetenz in den Schulen zu unterrichten, sodass Medienmündigkeit im digitalen Zeitalter erlernt werden könne. Zusätzlich brauche es einen unabhängigen Plattform-Rat, forderte der Medienexperte. Er solle sich mit dem "kommunikativen Klimawandel" beschäftigen und Betreiber von Internet-Plattformen dazu bringen, ihre publizistische Verantwortung anzuerkennen.

Weiterlesen: Zufriedenheit der Deutschen auf neuem Allzeithoch: Unsere Region rutscht dramatisch ab


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN