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Forderung nach Rückruf Nach Mineralöl-Funden in Baby-Milchpulver? Foodwatch kritisiert Nestlé

Von dpa

Foodwatch erhebt schwere Vorwürfe gegen zwei Hersteller von Milchpulver-Produkten. Foto: dpa/Andrea WarneckeFoodwatch erhebt schwere Vorwürfe gegen zwei Hersteller von Milchpulver-Produkten. Foto: dpa/Andrea Warnecke

Berlin. Laboranalysen der Verbraucherorganisation Foodwatch sollen ergeben haben, dass Milchpulver für Babys mit gesundheitsgefährdendem Mineralöl belastet ist. Die Hersteller sollen die Produkte sofort zurückrufen.

Nachdem in mehreren Milchpulver-Produkten für Säuglinge laut Foodwatch Rückstände potenziell krebserregender Mineralöle gefunden wurden, fordert die Verbraucherschutzorganisation weiter einen Rückruf . Bei drei von vier in Deutschland gekauften Produkten seien Verunreinigungen mit aromatischen Kohlenwasserstoffen (MOAH) nachgewiesen worden, teilte Foodwatch mit und berief sich auf unabhängige Laboranalysen. Es geht um Werte zwischen 0,5 und 3 Milligramm pro Kilo. Foodwatch fordert Null-Toleranz beim Gehalt dieser Stoffe in Lebensmitteln – einen gesetzlichen Grenzwert gibt es bisher nicht.  

"Der größte Lebensmittelhersteller der Welt hat offensichtlich erhebliche Probleme bei der Qualitätssicherung seiner Babynahrung. Aber anstatt die mit Mineralöl verunreinigten Baby-Produkte sofort zurückzurufen und Eltern zu warnen, spielt Nestlé auf Zeit. Da machen wir nicht mit", erklärte Matthias Wolfschmidt, internationaler Kampagnendirektor von Foodwatch. "Das Problem mit Mineralölverunreinigungen ist seit Jahren bekannt, unsere unabhängigen Laborergebnisse liegen auf dem Tisch – Nestlés Verhalten ist ebenso unverantwortlich wie blamabel. Statt foodwatch zu vertraulichen Gesprächen am Frankfurter Flughafen zu laden, muss Nestlé endlich handeln!"

Akute Gesundheitsgefahr besteht nicht

Es bestehe keine akute Gesundheitsgefahr, sagte ein Foodwatch-Sprecher auf Anfrage. Dennoch forderte die Organisation einen sofortigen Verkaufsstopp und den Rückruf der betroffenen Produkte in Deutschland und Österreich. Eltern sollten Kinder vorsorglich nicht mit betroffenen Produkten füttern, hieß es. Die beiden Unternehmen, Vived und Nestlé, teilten mit, die Ergebnisse sehr ernst zu nehmen. Die beiden Unternehmen, Vived und Nestlé, teilten mit, die Ergebnisse sehr ernst zu nehmen.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) sagte mit Blick auf die Testergebnisse, sie verlange hier Transparenz. "Wenn sich herausstellt, dass Baby- oder Säuglingsmilch der Gesundheit unserer Kleinsten schaden könnte, darf sie nicht im Supermarkt landen." Lebensmittel müssten sicher sein.

Das Ministerium erläuterte, die vorliegenden Daten müssten analysiert werden. Angestrebt werde dazu eine europäische Lösung, weil die Lebensmittel EU-weit gehandelt würden. Deutschland habe dafür gesorgt, dass die EU-Kommission tätig geworden sei und Daten aus allen Mitgliedstaaten auswerte. Zudem werde ein Verordnungsentwurf zu Lebensmittelverpackungen aus Altpapierstoffen vorbereitet. Ziel sei eine Verpflichtung für Unternehmen, diese so zu gestalten, dass Mineralölrückstände nicht in das Lebensmittel übergehen können

Laut Foodwatch wurden die Rückstände in "Beba Optipro Pre, 800 g, von Geburt an" und "Beba Optipro 1, 800 g, von Geburt an" von Nestlé nachgewiesen, außerdem in der "Novalac Säuglingsmilchnahrung Pre, 400g". 

Foto: Foodwatch

Der Lebensmittelverband Deutschland erklärte generell, dass es eine Nulltoleranz für Mineralölkohlenwasserstoffe und ähnliche Substanzen "auch aufgrund der umweltbedingten und folglich unvermeidbaren Grundbelastung kaum geben" könne. Aus heutiger Sicht sei dies auch gesundheitlich nicht problematisch. Die Lebensmittelwirtschaft arbeite aber kontinuierlich daran, zur Reduzierung des Eintrags beizutragen. 

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Verpackungen möglicherweise mit Mineralölen verunreinigt

Dass solche Ölbestandteile in geringen Mengen aus Verpackungen auf Lebensmittel wie Reis übergehen können, ist seit Jahren bekannt. Als Ursache standen bisher vor allem recycelte Kartons im Fokus: Für die Herstellung wird bedrucktes Altpapier verwendet, und die Druckfarben können Mineralöle enthalten. Foodwatch vermutet im aktuellen Fall, dass Weißblechdosen, in denen manche Hersteller ihr Milchpulver anbieten, Quelle der Verunreinigungen sein könnten.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bezeichnet diese Art von Verunreinigungen auf seiner Webseite generell als "unerwünscht". Übergänge auf Lebensmittel sollten minimiert werden. "Eine gesundheitliche Bewertung ist aufgrund der unzureichenden Datenlage nicht möglich", hieß es. Bei früheren Funden von Mineralölspuren, etwa in Schokolade aus Adventskalendern, verwiesen Experten auf geringe tägliche Aufnahmemengen.


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