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Aldi, Lidl, Edeka und Netto Großer Milch-Rückruf wegen Bakterien: Grund für Verunreinigung gefunden

Von dpa

Auch die Frische Fettarme Milch von Edeka ist von dem Rückruf betroffen. Foto: imago images/STPPAuch die Frische Fettarme Milch von Edeka ist von dem Rückruf betroffen. Foto: imago images/STPP 

Hamburg. Der Hersteller "Deutsche Milch Kontor GmbH" hat gleich mehrere Milch-Sorten verschiedener Handelsmarken zurückgerufen. Nun ist klar, wie die schädlichen Bakterien in die Milch gelangten.

Der Milchproduzent Deutsches Milchkontor (DMK) hat nach eigenen Angaben die Ursache für eine Verunreinigung von fettarmer Frischmilch mit Bakterien gefunden und abgestellt. Die Erreger, die Durchfall auslösen können, seien über eine undichte Dichtung in die Produktion des Werks Everswinkel im Münsterland in Nordrhein-Westfalen gelangt. Das sagte ein DMK-Sprecher am Freitag in Bremen.

Nach Entdeckung des Defekts seien Proben der Produktion an ein externes Labor geschickt worden, sagte der Sprecher. "In einer dieser Proben wurde eine Rekontamination mit einem krankheitserregendem Wasserkeim nachgewiesen." Die Laborergebnisse seien am Donnerstag nahezu zeitgleich mit einer ersten Kundenreklamation eingegangen. Darauf sei der Rückruf ergangen. Unter Rekontamination versteht man eine Verunreinigung eines bereits durcherhitzten Lebensmittels.

Wegen der Gefahr von Durchfallerkrankungen nehmen das Deutsche Milchkontor (DMK)und das Unternehmen Fude + Serrahn eines ihrer Produkte vom Markt. Der am Freitagmorgen veröffentlichte Rückruf betreffe den Artikel "Frische Fettarme Milch 1,5 % Fett" im Ein-Liter-Pack. Die belieferten großen Handelsunternehmen –darunter Metro, Aldi, Edeka, Rewe und Lidl– hätten umgehend reagiert, die Ware werde vorsorglich aus dem Handel genommen, hieß es. 

Die Literpackungen seien in 58 von 279 Real-Märkten verkauft worden, teilte das Unternehmen in Düsseldorf mit. Betroffen seien Supermärkte in Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen und ein Markt in Hessen. Bei Lidl ging die Ware nach Nordrhein-Westfalen, Berlin und Brandenburg.

Die Produkte sind sämtlich mit dem Identitätskennzeichen DE NW 508 EG  versehen. Sie stammen aus dem DMK-Werk in Everswinkel bei Münster. 

Bei Routinekontrollen sei "bei einzelnen Artikeln" eine Belastung mit Aeromonas hydrophila/caviae festgestellt worden, teilten die beiden Unternehmen mit. Dies könne "zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Durchfall führen". 

Frische Fettarme Milch betroffen

Liste der betroffenen Produkte:

  • ALDI Nord (Milsani Frische Milch 1,5 % Fett mit den MHD 15.10.2019/ 18.10.2019/ 20.10.2019)
  • ALDI Süd (Milfina Frische Milch 1,5 % Fett mit den MHD 10.10.2019/ 14.10.2019)
  • Metro Deutschland GmbH (Aro Frische Milch 1,5 % Fett mit den MHD 15.10.2019/ 18.10.2019 )
  • Lidl GmbH & Co. KG (Milbona Frische Milch 1,5 % Fett mit den MHD 13.10.2019/ 14.10.2019/ 16.10.2019/ 18.10.2019)
  • EDEKA Zentrale AG & Co. KG (GUT&GÜNSTIG Frische Fettarme Milch ESL 1,5 % Fett (1 Liter) mit den MHD 14.10.2019, 16.10.2019, 18.10.2019, 20.10.2019
  • Kaufland Warenhandel GmbH & Co. KG (K-Classic Frische Milch 1,5 % Fett mit den MHD 14.10.2019/ 15.10.2019/ 18.10.2019 )
  • REWE Markt GmbH (Ja! Frische Milch 1,5 % Fett mit den MHD 14.10.2019/ 15.10.2019/ 18.10.2019/ 20.10.2019)
  • Netto Marken-Discount AG & Co. KG (GUTES LAND Frische Fettarme Milch länger haltbar 1,5 % Fett (1 Liter) mit den MHD 14.10.2019, 15.10.2019, 16.10.2019, 18.10.2019, 20.10.2019
  • real GmbH (Tip Frische Milch 1,5 % Fett mit den MHD 14.10.2019/ 15.10.2019/ 18.10.2019 )

Artikel mit anderen Mindesthaltbarkeitsdaten sowie Artikel mit gleichen MHD, aber anderem Identitätskennzeichen sind nicht betroffen

Die belieferten Handelsunternehmen haben umgehend reagiert und die Ware wird bereits vorsorglich aus dem Handel genommen.

Wie gefährlich ist das Bakterium?

Die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bremen, Sonja Pannenbecker, warnte vor dem Trinken der Milch: "Verbraucherinnen und Verbraucher sollten diese auf keinen Fall trinken und können die gekauften Verpackungen im Laden zurückgeben."

Aeromonas hydrophila und Aeromonas caviae sind zwei Arten einer eng verwandten Gruppe, von Fachleuten Gattung genannt. Aeromonas-Arten sind typischerweise in Süß- und Brackwasser zu finden. Zur Gruppe gehören mehrere toxinbildende Krankheitserreger für Menschen und bestimmte Tiere, etwa Fische.

Für den Menschen ist vor allem "Aeromonas hydrophila" von Bedeutung. Sind Lebensmittel mit den Bakterien verunreinigt, kann das schwere Durchfallerkrankungen zur Folge haben. Vor allem bei abwehrgeschwächten Menschen sind auch Haut- oder Weichteil-Infektionen sowie Entzündungen des Knochens oder Knochenmarks möglich, etwa wenn die Keime in eine Wunde gelangen.

Die Infektionen lassen sich mit Antibiotika behandeln, allerdings breiten sich wie bei anderen Bakteriengruppen auch zunehmend resistente Stämme aus.

Menge der betroffenen Milch noch unklar

DMK-Sprecher Oliver Bartelt warnte vor einer Überbewertung. Für den Verbraucher sei wichtig zu wissen, dass es sich nur um einzelne Chargen handele. Die genaue Menge der betroffenen Milch konnte er zunächst nicht beziffern. Es handele sich aber eher um ein übersichtliches Volumen. Der Warenrückruf erfolge aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes. 

Verbraucher, die einen der angegebenen Artikel gekauft haben, erhalten den Angaben zufolge auch ohne Vorlage des Kassenbons den Kaufpreis in ihren Einkaufsstätten zurück. Die DMK Group verarbeitet nach eigenen Angaben mit rund 7700 Mitarbeitern Milch an mehr als 20 Standorten unter anderem in Deutschland und den Niederlanden. "Als einer der größten Lieferanten des deutschen Lebensmitteleinzelhandels und mit einem Umsatz von 5,6 Milliarden Euro gehört die DMK Group europaweit zu den führenden Unternehmen der Milchwirtschaft", hieß es von dem Unternehmen.

Bundesregierung: Länder und Unternehmen sind zuständig

"Wir beobachten die Situation sehr genau", sagte eine Sprecherin des Bundesernährungsministeriums am Freitag in Berlin auf Nachfrage. In allererster Linie seien aber die Hersteller selbst für die Sicherheit ihrer Produkte zuständig – und für die amtliche Lebensmittelüberwachung die Länder.

Im aktuellen Fall habe der Hersteller bei Eigenkontrollen Milch mit einer bakteriellen Verunreinigung entdeckt und gemäß den gesetzlichen Vorgaben einen Rückruf eingeleitet. Die entsprechende Warnung sei auf dem Portal Lebensmittelwarnung.de veröffentlicht worden, sagte die Sprecherin.


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