Wenn sich Senioren trauen Finanzielle Vor- und Nachteile bei später Eheschließung

Von Rolf Winkel

Die Hinterbliebenenrente kann ein Argument für eine  Eheschließung im Alter sein. Foto: imago images/Westend61Die Hinterbliebenenrente kann ein Argument für eine Eheschließung im Alter sein. Foto: imago images/Westend61

Schondorf. Immer mehr Senioren entscheiden sich für eine Ehe. Doch was spricht – außer der Liebe – für den Weg zum Standesamt? Und was dagegen?

Pro Ehe – Neue Hinterbliebenenrente beim Tod des neuen Partners: Die Hinterbliebenenrente kann ein Argument für eine (erneute) Eheschließung sein. Denn wenn einer der neuen Ehepartner stirbt, bekommt der Hinterbliebene einen Teil (55 Prozent) der Rente des Verstorbenen. Voraussetzung ist, dass dieser entweder bereits eine gesetzliche Rente bezogen oder die Mindestversicherungszeit von insgesamt fünf Jahren erfüllt hat. Hat die neue Ehe kürzer als ein Jahr gedauert, zahlt die Rentenversicherung im Regelfall allerdings keine Rente. Denn sie vermutet, „dass es der alleinige oder überwiegende Zweck der Heirat war, einen Anspruch auf Hinterbliebenenversorgung zu begründen“. So steht es in Paragraf 242a des sechsten Sozialgesetzbuchs. Diese Vermutung kann allerdings widerlegt werden. Ist der Partner etwa durch einen plötzlichen Herzinfarkt oder einen Unfall gestorben, wird die Hinterbliebenenrente in der Regel auch nach kürzester Ehedauer gewährt. 

Kontra Ehe – Verlust der bisherigen Hinterbliebenenrente: Viele Ältere sind Witwen oder Witwer und beziehen bereits eine Hinterbliebenenrente. Bei einer erneuten Eheschließung verlieren sie diese ab dem Folgemonat. Diesen Verlust kompensiert die gesetzliche Rentenversicherung allerdings mit einer Abfindung in Höhe des 24-Fachen der in den letzten Monaten im Schnitt ausgezahlten Hinterbliebenenrente. Wer monatlich 1000 Euro erhalten hat, bekommt also 24000 Euro. Wichtig: Die Abfindung muss beantragt werden. Tipp: Auch Alter schützt nicht vor einer Scheidung. Wer bei seiner finanziellen Absicherung allein auf eine neue Ehe setzt, hat im Scheidungsfall oft das Nachsehen. Besser ist es, für diesen Fall durch einen Ehevertrag mit nachehelichen Unterhaltsregelungen vorzusorgen.

Absicherung des Ehepartners durch Erbschaft: Wer heiratet, ist auch erbberechtigt. Nicht eheliche Partnerschaften genießen erbrechtlich dagegen keinen besonderen Schutz. Ohne Testament oder Erbvertrag geht ein eheähnlicher Partner leer aus – auch wenn die Partnerschaft Jahrzehnte bestand. Lebt der Lebensgefährte im Haus des Verstorbenen, muss er schlimmstenfalls sogar ausziehen, wenn die Erben dies verlangen. Verheirateten kann das meist nicht passieren. Zudem können sie aufgrund des für sie geltenden Freibetrags bis zu 500000 Euro steuerfrei erben.

Vermögen für Kinder und Partner sichern: Häufig hat ein Partner Kinder aus vorangegangenen Beziehungen. Wer nicht will, dass später das eigene Vermögen zumindest in großen Teilen den Kindern des neuen Partners zufällt, muss aufpassen. Sinnvoll kann es dann sein, „etwa dem überlebenden Ehegatten testamentarisch ein Nießbrauchsrecht am Nachlass zu vermachen, während die eigenen Kinder erben“, erklärt Barbara Brauck-Hunger, Fachanwältin für Erbrecht in Geisenheim. Das Nießbrauchsrecht verschafft dem Ehepartner Erträge aus Vermögen – zum Beispiel Mieteinnahmen und Zinserträge –, aber nicht das Vermögen selbst. Es gibt auch andere Varianten. Wer sowohl die Absicherung seines Ehepartners als auch die seiner Kinder erbrechtlich sicherstellen möchte, sollte sich von einem Fachanwalt beraten lassen. 

Eine Langfassung des Tipps finden Sie hier.


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