Mittel gegen Sodbrennen Krebsverdacht bei Magensäureblockern: Rückruf ausgeweitet

Der Rückruf von Magensäuretabletten mit dem Wirkstoff Ranitidin wurde ausgeweitet. Foto: dpa/Susann PrautschDer Rückruf von Magensäuretabletten mit dem Wirkstoff Ranitidin wurde ausgeweitet. Foto: dpa/Susann Prautsch

Hamburg. Bereits vor kurzem wurden Präparate gegen Sodbrennen zurückgerufen – sie stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.

Millionen Deutsche nehmen Mittel gegen Sodbrennen. Für viele war der Rückruf von Medikamenten mit dem Wirkstoff Ranitidin daher ein Schock. Die Arzneien stehen unter dem Verdacht, krebserregend zu sein. Zurückgerufen wurden alle Medikamenten-Chargen des Herstellers Sarca Laboratories Limited, die den Wirkstoff Ranitidin enthalten. Laut Informationen des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) lägen Indizien vor, dass auch der Wirkstoff bei anderen Herstellern von der Verunreinigung betroffen sein könnte.

Rückruf von Magensäureblocker in Deutschland ausgeweitet

Diese Ranitidin-Präparate sind betroffen:

  • Ranitidin-ratiopharm 150 mg und 300 mg, 20, 50 und 100 Filmtabletten, alle Chargen mit dem Verfalldatum bis 06/2021
  • Ranitidin-ratiopharm 50 mg/5 ml, 5x5 ml Injektionslösung, alle Chargen mit dem Verfalldatum bis 06/2021
  • Ranitidin AbZ 150 mg und 300 mg, 50 und 100 Filmtabletten, alle Chargen mit dem Verfalldatum bis 06/2021
  • Ranitidin 75 - 1 A Pharma, 10 und 14 Filmtabletten, alle Chargen
  • Ranitidin 150 und 300 - 1 A Pharma, 20, 50 und 100 Filmtabletten, alle Chargen
  • Ranitic 75 mg akut bei Sodbrennen, 14 Filmtabletten, alle Chargen
  • Ranitic 150 mg und 300 mg, 20, 50 und 100 Filmtabletten, alle Chargen
  • Ranibeta 300, 50 und 100 Filmtabletten, Chargen C700074, C700076, C700078
  • außerdem jetzt: Ranitidin Basics 150 mg, 20, 50 und 100 Filmtabletten, Ranitidin Basics 300 mg, 10, 20, 50 und 100 Filmtabletten

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Gefährliches Nitrosamin (NDMA)

Nachdem der Nachweis der krebserregenden Substanz NDMA (Nitrosamin) im letzten Jahr bereits zum Rückruf von Hochdruckmedikamenten mit dem Wirkstoff Valsartan und anderen "Sartanen“ geführt hat, sind auch Spuren von NDMA in Präparaten mit dem Wirkstoff Ranitidin nachgewiesen worden. 

Das Nitrosamin NDMA gehört zu den Substanzen, die in Tier­versuchen Krebs auslösen können. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft es als wahrscheinliches Karzinogen (Krebserreger) ein. "Bei einer Aufnahme von sehr geringen Mengen ist keine schädliche Wirkung zu erwarten", schreibt das Bundesinstitut. Das mögliche Gefährdungspotenzial werde derzeit auf europäischer Ebene wissenschaftlich bewertet, teilte das BfArM mit.

Ranitidin 748.000 Mal verordnet

Laut dem Wissenschaftlichem Institut der AOK (WIdO) wurden Arzneimittel mit dem Wirkstoff Ranitidin im vergangenen Jahr 748.000 Mal verordnet. Die Zahl bezieht sich auf Mittel, die von niedergelassenen Ärzten ambulant verordnet und über öffentliche Apotheken zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung abgegeben wurden.

Das BfArM empfiehlt: "Patientinnen und Patienten, die Fragen zu ihrer aktuellen Behandlung haben, können sich an ihre Ärztin bzw. ihren Arzt oder ihre Apothekerin bzw. ihren Apotheker wenden." Es stünden verschiedene Arzneimittel, die im gleichen Indikationsgebiet wie Ranitidin eingesetzt werden können, als Alternativen zur Verfügung.


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