Escape Rooms für zu Hause Exit-Spiele lösen Monopoly als umsatzstärkste Spielemarke ab

Spiele der "Exit"-Reihe sind derzeit angesagt. Foto: Jörn MartensSpiele der "Exit"-Reihe sind derzeit angesagt. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Escape-Room-Spiele für zu Hause finden immer mehr Fans. Vor allem die Titel der Reihe "Exit – Das Spiel" kommen gut an. So gut, dass sie im ersten Halbjahr 2019 nach Umsatz die erfolgreichste Spielemarke unter den Familienspielen in Deutschland waren – und damit den scheinbar ewigen Ersten "Monopoly" ablösten. Nur eine Momentaufnahme?

"Wir gehen davon aus, dass das Thema anhält und sogar noch wächst", kommentiert Heiko Windfelder, der beim Kosmos-Verlag die Leitung Spielware innehat, die Erhebung des Marktbeobachters npdgroup. Das würden allein die Verkaufszahlen beweisen. In den ersten acht Monaten dieses Jahres hätten die Stuttgarter mehr als 700.000 "Exit"-Spiele verkauft. Weltweit habe der Verlag mehr als vier Millionen Exemplare abgesetzt, seit die Reihe vor gut drei Jahren eingeführt wurde.

Ein Spiel, zehn Rätsel

Der Erfolg fußt auf einem Rätselsystem, das sich das Gummersbacher Autorenehepaar Inka und Markus Brand ausgedacht hat. Ein kleines Heft mit Aufgaben, das die Räume eines echten Escape Rooms ersetzt, Rätselkarten sowie eine Decodierscheibe sind die essentiellen Bestandteile, mit denen jeder Fall ausgestattet ist. Bis zu vier Knobelfans brauchen etwa 45 bis 90 Minuten, um die zehn Rätsel eines Titels gemeinsam zu lösen. Ein Gruppenerlebnis in den eigenen vier Wänden. Da Material beschrieben oder verbraucht wird, kann jedes "Exit" nur genau einmal gespielt werden. Ein Umstand, der Kosmos mitunter mit dem Vorwurf mangelnder Nachhaltigkeit konfrontiert. Ein Exemplar kostet etwa 13 Euro.

Material aus einem "Exit"-Spiel. Foto: Karsten Grosser

Ausgezeichnet als Kennerspiel des Jahres 2017

Bislang hat Kosmos etwa 20 verschiedene Exit-Szenarien veröffentlicht – vor allem als Spiel, aber auch als Buch. Die Kreativität, welche Inka und Markus Brand sowie der mittlerweile in die Rätselentwicklung eingestiegene Redakteur Ralph Querfurth an den Tag legen, ist beachtlich. Quasi jeder neue Fall überrascht mit einem Wow- und Aha-Effekt. "Die Ideen gehen ihnen nicht aus", freut sich Windfelder. Bereits die drei ersten Titel, die im Herbst 2016 auf den Markt kamen, wurden mit dem Kritikerpreis "Kennerspiel des Jahres 2017" ausgezeichnet.

Neue Vertriebswege

Um die Marke zu etablieren, hat Kosmos von Anfang an auf neue Vertriebswege gesetzt. "Wir haben es sehr frühzeitig geschafft, unsere Exit-Spiele direkt bei den Anbietern von Live-Escape-Räumen zu platzieren", sagt Matthias Kienzle, der als Marketing- und Vertriebsleiter Mitglied der Geschäftsführung bei Kosmos fungiert. "Das ist deshalb so wichtig, da wir dort die Zielgruppen direkt abholen." Auch bei Brettspielfachhändlern habe es der Verlag geschafft, die Spiele der "Exit"-Reihe früh auffällig zu positionieren. 

Ein "Exit"-Fall greift die Känguru-Chroniken von Autor Marc-Uwe Kling auf. Foto: Karsten Grosser

Die beliebtesten "Exit"-Fälle

Bei Spielen und Büchern möchte es Kosmos indes nicht belassen. "Natürlich tüfteln wir intern auch an neuen Exit-Ideen", verrät Windfelder. "Wichtig ist dabei, dass die neuen Produkte unseren Qualitätsansprüchen genügen." Als erfolgreich hat sich beispielsweise erwiesen, die Marken "Exit" und "Die drei ???" zu verknüpfen. Der Fall, in dem die aus der Jugendbuchreihe bekannten Jungdetektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews auf Hilfe angewiesen sind, sei laut Kosmos der beliebteste Titel für Einsteiger. Bei den Fällen für Fortgeschrittene liege "Die verlassene Hütte" vorn. Besonders herausfordernd ist indes "Der Tote im Orient-Express", der Experten vor ein Extra-Rätsel stellt.

Escape-Room-Spiele mit App-Unterstützung

Neben der "Exit"-Reihe gibt es noch weitere Anbieter von Escape-Room-Spielen. Während die Kosmos-Titel ohne zusätzliche Hilfsmittel auskommen, geht es in die Abenteuer der "Unlock!"-Reihe aus dem französischen Verlag Space Cowboys nur mit einem Smartphone. Bei diesen Fällen, die jeweils zu dritt in einem Karton verkauft werden, müssen unter anderem Karten richtig miteinander kombiniert. Ob die Lösungsversuche passen, verrät die zugehörige App. Die Rätsel der "Unlock!"-Abenteuer sind nicht immer so schlüssig wie die bei "Exit", aber dafür können diese Spiele weitergegeben werden, sodass sich neue Gruppen an den Herausforderungen versuchen können.

Chrono-Decoder und Pläne zum Entfalten

Technisches Equipment benötigen Spieler auch für die Fälle bei "Escape Room – Das Spiel" von Noris. Hier werden die richtigen Schlüssel gesucht, um Lösungen im sogenannten "Chrono-Decoder" zu überprüfen. Das im Grundspiel enthaltene Gerät misst zudem die Zeit und zieht automatisch Minuten ab, wenn ein Lösungsversuch mal nicht stimmen sollten. Im Pack mit dem Decoder werden drei Fälle ausgeliefert, weitere Titel gibt es einzeln als Ergänzung. Ohne Decoder kommt übrigens die Variante "Escape Room Duo" aus, bei dem sich neue Rätsel durch das Entfalten eines Plans offenbaren.

Vom Escape-Room-Spiel zum Kriminalfall

Empfehlenswert ist auch der Premierenfall "Mörderischer Maskenball" aus der Reihe "Escape Dysturbia" des Verlags Homunculus Spiel. Es hebt sich durch sein Konzept von den anderen Spielideen ab und entpuppt sich sowohl als Kriminalfall als auch als Exit Game. Besonders ist auch "Detective Stories – Fall 1: Das Feuer von Adlerstein" von iDventure. Dieser Titel spielt sich wie ein echter Kriminalfall und steht damit für einen weiteren Trend, der sich aus dem Erfolg der Escape-Room-Spiele ergeben hat: Detektivspiele.

Detective Stories - Fall 1: Das Feuer in Adlerstein: Lauter Material, das gesichtet werden will. Foto: Karsten Grosser


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