Verleihung der "Ig-Nobelpreise" Von Selbst-Darmspiegelung und Wickelmaschinen: Wie schräg kann Forschung sein?

Akira Horiuchi (r.) gewann im vergangenen Jahr für seinen Bericht "Darmspiegelung im Sitzen: Lehren aus Selbst-Darmspiegelung" den Preis. Foto: dpa/Alexey Eliseev/Improbable ResearchAkira Horiuchi (r.) gewann im vergangenen Jahr für seinen Bericht "Darmspiegelung im Sitzen: Lehren aus Selbst-Darmspiegelung" den Preis. Foto: dpa/Alexey Eliseev/Improbable Research

Boston. Zum 29. Mal sind an der amerikanischen Elite-Universität Harvard die "Ig-Nobelpreise" verliehen worden. Auch ein Deutscher zählt zu den Preisträgern.

Kinderspucke, Wickelmaschinen, magnetisierte Kakerlaken und würfelförmige Wombat-Kacke: Zehn wissenschaftliche Studien, die "erst zum Lachen und dann zum Denken anregen", sind an der US-Eliteuniversität Harvard mit den "Ig-Nobelpreisen" ausgezeichnet worden (gesprochen "ignoble", was übersetzt etwa unwürdig heißt). 

Die traditionell schrille Gala mit mehr als 1000 Zuschauern fand in der Nacht zum Freitag bereits zum 29. Mal statt. Wie jedes Jahr waren auch diesmal echte Nobelpreisträger angereist. Die Preise sollen nach Angaben der Veranstalter "das Ungewöhnliche feiern und das Fantasievolle ehren".

Auch ein Wissenschaftler aus Deutschland war in diesem Jahr unter den Preisträgern: Fritz Strack von der Universität Würzburg gewann in der Kategorie Psychologie für seine Entdeckung, dass es Menschen zum Lächeln bringt und glücklicher macht, wenn sie einen Stift im Mund halten – um dann zu entdecken, dass das doch nicht stimmt.

Der niederländische Forscher Andreas Voss von der Radboud-Universität Nijmegen und sein Sohn Timothy gewannen gemeinsam mit dem Kollegen Habip Gedik die Auszeichnung in der Kategorie Wirtschaft für eine Studie darüber, welches Papiergeld aus welchem Land am besten gefährliche Bakterien verbreitet. Der rumänische Leu erwies sich dabei als besonders guter Nährboden.

Eine Übersicht über weitere Gewinner und Themen: 

Medizin

Ein Wissenschaftler aus Italien und den Niederlanden für die Sammlung von Beweisen, dass Pizza gegen Krankheiten und Tod schützt – wenn sie in Italien gemacht und gegessen wird.

Medizinische Lehre

Wissenschaftler aus den USA für die Benutzung einer einfachen Tier-Training-Technik namens "Clicker-Training", um Chirurgen beizubringen, orthopädische Operationen durchzuführen. Im vergangenen Jahr hatte Akira Horiuchi aus Japan den Preis für seinen Bericht "Darmspiegelung im Sitzen: Lehren aus Selbst-Darmspiegelung" erhalten.

Biologie

Wissenschaftler aus Singapur, China, Australien, Polen, Bulgarien und den USA für die Entdeckung, dass tote magnetisierte Kakerlaken sich anders verhalten als lebende magnetisierte Kakerlaken. Anatomie: Wissenschaftler aus Frankreich für die Messung von Temperatur-Asymmetrien am Hodensack bei nackten und angezogenen Postboten in Frankreich.

Anatomie 

In der Kategorie Anatomie gewannen die Forscher Roger Mieusset und Bourras Bengoudifa: Sie hatten 2007 die Temperaturunterschiede der Hodensäcke bei nackten und angezogenen Briefträgern in Frankreich erforscht. 

Chemie

Wissenschaftler aus Japan für die Schätzung des Volumens der Spucke, die ein typisches fünfjähriges Kind pro Tag produziert.

Shigeru Watanabe aus Japan erhielt den Preis für die Schätzung des Speichelvolumens, das ein durchschnittlicher Fünfjähriger pro Tag produziert. Foto: dpa/Elise Amendola/AP

Technik

Ein Wissenschaftler aus dem Iran für die Erfindung einer Wickelmaschine für menschliche Babys.

Frieden

Wissenschaftler aus Großbritannien, Saudi-Arabien, Singapur und den USA für den Versuch, den Genuss am Kratzen einer juckenden Stelle am Körper zu messen.

Physik

Wissenschaftler aus den USA, Taiwan, Australien, Neuseeland, Schweden und Großbritannien für Untersuchungen darüber, wie und warum Wombats würfelförmig kacken.


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