Johnson & Johnson, Novartis und Co. Medienbericht: Pharmakonzerne stoppen Entwicklung neuer Antibiotika

Von afp

Große Pharmakonzerne ziehen sich aus der Antibiotika-Forschung zurück. Foto: Tijana87/Cassella-med GmbH & Co. KG/obsGroße Pharmakonzerne ziehen sich aus der Antibiotika-Forschung zurück. Foto: Tijana87/Cassella-med GmbH & Co. KG/obs

Hamburg. Sie galten als Wundermittel bis die multiresistenten Keime auftraten: Antibiotika. Ist ihre Ära nun vorbei? Laut eines Medienberichts lohnt sich für die großen Pharmakonzerne die Entwicklung neuer Mittel nicht mehr. Andere Medikamente erscheinen lukrativer.

Pharmaunternehmen ziehen sich zunehmend aus der Antibiotikaforschung zurück. Das zeigen Recherchen des Norddeutschen Rundfunks (NDR), wie der Sender am Donnerstag berichtete. Demnach bestätigte nun auch der größte Gesundheitskonzern Johnson & Johnson dem NDR, dass sich derzeit in dem Unternehmen "keine weiteren Antibiotika in der Entwicklung" befänden.

Zuletzt hatten sich 2018 demnach die Branchenriesen Novartis und Sanofi sowie AstraZeneca Ende 2016 aus der Antibiotikaforschung verabschiedet. Der Internationale Pharmaverband (IFPMA) hatte erst 2016 eine Allianz zum Kampf gegen die Antibiotikaresistenzen gegründet. Etwa hundert Unternehmen unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung, in der sie unter anderem zusagten, in die Forschung in diesem Bereich zu investieren.

Lesen Sie auch: Apotheker mahnt: Antibiotika manchmal zu gedankenlos verordnet 

Nicht profitabel genug

Nach den NDR-Recherchen ist fast die Hälfte der unterzeichnenden Firmen, die damals zu Antibiotika forschten, mittlerweile nicht mehr in dem Bereich aktiv. Der Grund für den Rückzug der großen Pharmakonzerne sind dem Bericht zufolge offenbar wirtschaftliche Erwägungen. Mit Antibiotika lasse sich deutlich weniger Geld verdienen als beispielsweise mit Krebsmedikamenten oder Mitteln gegen chronische Erkrankungen.

So teuer ist die Entwicklung von Antibiotika

Antibiotika werden in der Regel nur wenige Tage lang eingesetzt. Zudem sollten neue Mittel nur im Notfall eingesetzt werden, wenn alle herkömmlichen Antibiotika nicht mehr anschlagen. Viele der kleineren Unternehmen haben demnach damit zu kämpfen, dass sich Investoren zurückziehen.

Die Entwicklung eines neuen Antibiotikums kostet mehrere hundert Millionen Euro. Bei einer erfolgreichen Zulassung des Mittels kommen die Ausgaben für Herstellung, Vertrieb und Vermarktung hinzu. Kleine Unternehmen, die keine zusätzlichen Einnahmen aus anderen Bereichen haben, können diese Kosten in der Regel allein nicht stemmen.

Weiterlesen: Bakterienfresser als Alternative zu Antibiotika?


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN