Markisen, Schirme, Sonnensegel: Welches Textil schützt die Haut? UV-Strahlung: Schutz ist nicht gleich Schutz

Zwei Wanderer schützen sich mit einem Sonnenschirm bei 30 Grad. Textile Schutzsysteme sind beliebt - aber was bringen markisen, Segel und Co? Foto: dpa/Thomas WarnackZwei Wanderer schützen sich mit einem Sonnenschirm bei 30 Grad. Textile Schutzsysteme sind beliebt - aber was bringen markisen, Segel und Co? Foto: dpa/Thomas Warnack
Thomas Warnack

Osnabrück. Mit dem Klimawandel ändert sich auch unser Freizeitverhalten. Bei steigenden Temperaturen und einer längeren Sonnenscheindauer zieht es die Deutschen ins Freie. Dann ist UV-Schutz wichtig, etwa durch Sonnenschirme oder Markisen. Doch nicht jedes Produkt schützt gleichermaßen gut.

Um sich draußen vor der gefährlichen UV-Strahlung zu schützen, setzten viele auf Markisen, Sonnensegel und Sonnenschirme. Wer Pech hat, bekommt aber auch unter einem solchen textilen Beschattungssystem einen Sonnenbrand. Denn nicht jedes Produkt schützt gleichermaßen gut. Es gibt einiges zu beachten. 

Mehr Sonne, mehr UV

Die UV-Strahlung der Sonne kann Ursache für Gesundheitsschäden wie Sonnenbrand, Bindehautentzündung und Hornhautentzündung, grauer Star, vorzeitige Hautalterung und im schlimmsten Fall Hautkrebs sein. Tatsächlich ist die Zahl der Hautkrebserkrankungen nach einer aktuellen Erhebung der Kaufmännischen Krankenkasse in den vergangenen zehn Jahren rapide gestiegen. Im Jahr 2017 erhielten demnach 87 Prozent mehr Männer und Frauen die Diagnose schwarzer Hautkrebs als 2007. Beim weißen Hautkrebs habe es einen Anstieg um 145 Prozent gegeben. Die Kasse mit 1,7 Millionen Versicherten nennt dabei den Klimawandel als einen möglichen Grund für den Trend: Mehr warme Sonnentage bedeuteten mehr warme Tage mit hoher UV-Strahlung.

Auch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) geht davon aus, dass eine steigende Anzahl an sonnigen Tagen und damit der Sonnenscheindauer über das Jahr direkt mit einem Anstieg der UV-Jahresdosis einhergeht, der Menschen sich aussetzen. Das BfS fordert die Bürger deshalb auf, sich vor Hitze und UV-Strahlung besser zu schützen. Auch im öffentlichen Raum sollten durch Bäume und zum Beispiel Sonnensegel mehr Schattenplätze geschaffen werden.

Verbrauchern rät das BfS beim Kauf eines textilen Sonnenschutzes, auf die Kennzeichnung des UV-Schutzes zu achten. Ein Richtwert dafür, wie gut der Stoff einer Markise oder eines Sonnenschirms schützt, ist nach Angaben von Lars Rippstein, Sprecher des Industrieverbandes Technische Textilien – Rollladen-Sonnenschutz e.V, der Ultraviolet Protection Factor (UPF). Ab einem UPF-Wert von 25 spricht man von hohem, ab 50 von ausgezeichnetem Schutz. Rippstein geht davon aus, dass bei den führenden Herstellern von Markisen und Sonnenschirmen entsprechende Kennzeichnungen in aller Regel in deren Kollektionen zu finden seien.

Der UPF wird standardisiert ermittelt. Dabei wenden die Hersteller allerdings unterschiedliche Standards an. Die Vergleichbarkeit der Werte wird dadurch erschwert. Die drei gebräuchlichen Standards sind der Australisch-Neuseeländische Standard (AS/NZS 4399:1996), der Europäische Standard (EN 13758) und der UV-Standard 801.

Verschiedene Standards machen es den Verbrauchern schwer

Verbraucher sollten beim Einkauf genau darauf achten, welcher Standard dem Wert zugrunde liegt, empfiehlt Rippstein. Besonders komfortabel seien die Kennzeichnungen mit einem UPF-Wert nach EN 13758-2, da diese den gleichen Schutzfaktor wie bei Sonnencremes angeben: „Ein UPF-Wert von „UPF 50+“ bedeutet wie bei der Sonnencreme, dass Sie sich 50-mal so lange ungeschützt unter Ihrer Markise oder Ihrem Sonnenschirm aufhalten können wie im Freien, ohne Hautschädigungen davonzutragen“, betont der Experte.

Die Dicke des Gewebes spiele dagegen für die Schutzwirkung nicht unbedingt eine Rolle. Grundsätzlich gelte aber: Je dunkler ein Sonnenschutzgewebe, desto besser. „Das beste Material hilft aber nichts, wenn die Markise oder der Sonnenschirm falsch angebracht sind“, meint das BfS. Bei korrekter Montage liege „der zu beschattende Ort auch komplett im Schatten“.

Egal aber, wie gut der Schutz ist und wie viel Schatten das textile Dach spendet – ebenso wie die Sonnenschutzcreme verlängert das textile Schutzsystem nur die Zeit, die Menschen maximal im Freien verbringen sollten. „Die genaue Ermittlung, wie lange Sie geschützt sind, hängt dann noch von Ihrem Hauttyp ab. Hier finden Sie leicht entsprechende Hinweise im Internet, zu welchem Hauttyp Sie zählen“, betont Rippstein. 

Spezielle Schutzkleidung

Ebenfalls gebräuchlich ist im deutschen Sprachraum der UV-Schutzfaktor 801. Der Standard 801 geht von australischen Verhältnissen aus. Im Gegensatz zu den anderen beiden Werten berücksichtigt er aber auch die Einflüsse von Abnutzung und Witterung. Außerdem wird vom empfindlichsten Hauttyp ausgegangen. Die Internationale Prüfgemeinschaft für angewandten UV-Schutz hält diesen Standard deshalb für besonders empfehlenswert.

Die verschiedenen UV-Schutzfaktoren werden auch zur Kennzeichnung spezieller UV-Schutzkleidung verwendet. Sie ist besonders für Menschen gedacht, die sich viele Stunden in der Sonne aufhalten – zum Beispiel Sportler, Gärtner, Bauarbeiter oder Bademeister. Sie eignet sich aber auch für Personen mit sehr empfindlicher Haut: für sehr blasse, rothaarige Typen und vor allem für Kinder. Die Kleidung ist in der Regel leicht, atmungsaktiv und trocknet extrem schnell, sodass sie auch beim Baden nicht stört.

Auf Sonnencreme dürfen aber auch die Träger von UV-Schutzkleidung nicht ganz verzichten: die Teile des Körpers, die nicht durch die Kleidung abgedeckt werden, müssen mit einer auf den individuellen Hauttyp abgestimmten Sonnencreme geschützt werden.


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