Aufregung in Neuseeland Pummeliger Papagei erneut kurz vorm Aussterben: Seuche bedroht Kakapos

Von afp und dpa

Um den Kakapo zu retten, sind mehr als 100 Wissenschaftler im Einsatz. Foto: imago images/Nature Picture LibraryUm den Kakapo zu retten, sind mehr als 100 Wissenschaftler im Einsatz. Foto: imago images/Nature Picture Library

Wellington. Es ist nicht das erste Mal, dass der Kakapo vom Aussterben bedroht ist. Obwohl sich über 100 Wissenschaftler um den flugunfähigen und paarungsunwilligen Papageien kümmern, ist die Population erneut in Gefahr.

Der Kakapo sei der "größte, fetteste und flugunfähigste Papagei der Welt", schrieb der britische Zoologe Mark Carwardine einmal. Doch nicht nur die Neuseeländer lieben den dicksten Papagei der Welt, er hat Fans auf der ganzen Welt. Nun steht der Kakapo erneut kurz vor dem Aussterben. Die in Neuseeland beheimateten Tiere werden derzeit von der sich massenhaft ausbreitenden Infektionskrankheit Aspergillose dahingerafft, wie die Naturschutzbehörde des Landes am Donnerstag mitteilte. 36 der nachtaktiven und flugunfähigen Vögel würden von Tierärzten behandelt. Sieben seien bereits gestorben, darunter zwei erwachsene Kakapos – ein herber Verlust bei einer Gesamtpopuluation von nur noch 147 ausgewachsenen Tieren.

Eine "nie dagewesene Bedrohung"

Aspergillose habe "verheerende Auswirkungen" auf die seltenen Papagaien, erklärte die Naturschutzbehörde. Die Krankheit befalle das Atmungssystem und bedrohe den Fortbestand der gesamten Art. Vor diesem Jahr war nur ein an Aspergillose gestorbener Kakapo dokumentiert worden.

"Es ist eine nie dagewesene Bedrohung und wir arbeiten wirklich hart daran zu verstehen, warum das dieses Jahr passiert", sagte der Tierarzt des Zoos von Auckland, James Chatterton, dem Sender TVNZ. Derzeit gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die hohen Temperaturen zu der starken Ausbreitung von Aspergillosis führte.

Auch die in diesem Jahr außergewöhnlich gut mit Nachwuchs gefüllten Nester begünstigten der Hypothese zufolge die Krankheit. Die nur 50 ausgewachsenen Kakapo-Weibchen legten 249 Eier, aus denen bis Mitte April rund 90 Küken schlüpften – mehr als doppelt so viel wie in der vergangenen Brutsaison.

"Liebesbedürftig wie ein Hund und verspielt wie ein Kätzchen"

Die gelb-grünen und rund vier Kilo schweren Vögel leben ausschließlich auf vier Inseln vor der neuseeländischen Küste, auf denen sie keine natürlichen Feinde haben. Die Tierart wird von Forschern strengstens überwacht. Ihr Überleben verdanken die Papageien den Bemühungen von mehr als 100 Wissenschaftlern. Kakapos galten bereits als ausgestorben, als 1970 einige überlebende Exemplare gefunden wurden. In den 1990er Jahren pummelige, flugunfähige Papagei befand sich schon einmal kurz vor dem Aussterben. Am Tiefpunkt des Artbestands in den 1990er Jahren gab es weniger als 50 Exemplare.

Der Kakapo, dessen Name sich aus den Maori-Wörtern "kaka" (Papagei) und "po" (Nacht) zusammensetzt, ist nicht einfach ein nachtaktiver Papagei. "Sie sind Vögel, aber sie verhalten sich nicht wie Vögel. Jeder von ihnen hat seine unverwechselbare Persönlichkeit", erklärt der Wissenschaftler Andrew Digby, der für das Kakapo-Bestandsprogramm der Naturschutzbehörde (DOC) arbeitet. Auch Zoologe Carwardine beschrieb den Kakapo als "liebesbedürftig wie einen Hund und verspielt wie ein Kätzchen". Zudem könne er sich zur Größe und Statur eines Fußballs aufpusten.



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