Brettspiel Treasure Island Wie auf dieser Schatzinsel Zirkel und Lineal bei der Schatzsuche helfen

Mit einem Zirkel werden Kreise auf die Schatzinsel gemalt. Foto: Karsten GrosserMit einem Zirkel werden Kreise auf die Schatzinsel gemalt. Foto: Karsten Grosser

Osnabrück. Statt Hacke und Schaufel kommen bei dieser Schatzsuche Utensilien aus der Federmappe zum Einsatz. Wer als Erster den Ort versteckten Goldes mit seinem Filzstift einkreist, gewinnt bei Treasure Island – ein Brettspiel, das dank seiner Ausstattung einzigartig ist.

Long John Silver, einer der adaptierten Protagonisten aus Robert Louis Stevensons Roman "Die Schatzinsel", weiß Bescheid. Er kennt den Ort, wo auf der Insel die Truhe mit den unzähligen Goldstücken vergraben liegt. Schließlich hat er sie zu Beginn der Partie dort versteckt. Ein Kreuz auf seiner hinter einem Sichtschirm verborgenen Karte markiert die Stelle. Allerdings lungern auf dem Eiland noch bis zu vier weitere Piraten herum, die ihm den Reichtum nicht gönnen und stattdessen als Meuterer selbst auf Schatzsuche gehen. Es entbrennt ein Wettlauf, der vom Spieler, der Silver verkörpert, schauspielerischen Talent erfordert – und Spürsinn von den übrigen Piraten. Insgesamt gelingt es Treasure Island beeindruckend gut, das Thema atmosphärisch dicht umzusetzen – inklusive Glück und Pech, das zum Aufspüren eines Schatzes hinzugehört. 

Long John Silver weiß, wo der Schatz versteckt ist. Foto: Karsten Grosser

Long John Silver muss Hinweise geben

Für die Suche werden Lineal, Zirkel und Schablonen ausgepackt. Die Piraten, die reihum an der Reihe sind, malen ihre Bewegungen mit dem Filzstift direkt auf den abwischbaren Inselplan. Wollen sie nach dem Schatz graben, ziehen einen Kreis um ihren Standort. Silver muss dann Auskunft geben, ob das Gold gefunden wurde oder nicht. Um nicht gänzlich im Unklaren zu buddeln, ist Long John angehalten, immer neue Hinweise zu geben. Welche Figur steht am dichtesten am gesuchten Ort? Liegt der Schatz in einem gewissen Radius um einen Pirat herum? 

Silver muss den anderen Piraten regelmäßig Hinweise geben. Foto: Karsten Grosser

Wo liegt der Schatz versteckt?

Nicht alle Hinweise müssen stimmen. Doch die Piraten können begrenzte Sonderfähigkeiten nutzen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Oder um Long John Silver Informationen abzunötigen, die anderen nicht gezeigt werden. So können mithilfe von Kompassscheiben bestimmte Kreissegmente auf der Insel ausgeschlossen werden. Oder eines der Gebiete, in die das Eiland aufgeteilt ist. Jeder Pirat überträgt seine Erkenntnisse auf seine eigene Kopie der Inselkarte. Nach und nach grenzt jeder die infrage kommende Orte ein – und zieht immer neue Suchkreise.

Hinter einem Sichtschirm malt jeder Pirat seine Erkenntnisse auf einer Karte ein. Foto: Karsten Grosser

Wenn Silver die Flucht gelingt

Silver indes muss einige Runden abwarten, ehe zum Ortes des Schatzes sprinten darf. Denn schon früh im Spiel wird seine Figur von den Piraten eingekerkert. Erst an Tag 17, also nach dem 16. Spielzug der Gegner, gelingt ihm die Flucht. Haben ihn die Seeräuber weiter als einen Tagesritt vom Schatz eingesperrt, braucht er mindestens zwei Züge, um zu gewinnen. Das gibt jedem Piraten eine allerletzte Chance, ihm zuvorzukommen. Nicht selten entwickelt sich tatsächlich ein enges Rennen. Die Spannung, die sich der Ermüdung durch das Ziehen immer neuer Suchkreise entgegenstellt, bleibt so lange erhalten, bis der Schatz schließlich entdeckt ist.

Liegt innerhalb des Kreises der Schatz? Foto: Karsten Grosser

Wer agiert gewieft genug?

Die Rolle des Long John Silver auf Treasure Island scheint vorwiegend passiv zu sein. Was die Aktionsmöglichkeiten auf dem Inselplan angeht, trifft das auch zu. Doch zugleich muss der Silver-Spieler gewieft genug sein, um den Piraten möglichst wenig hilfreiche Tipps zu geben. Die Konkurrenz indes muss schlau genug sein, um ihre individuellen Aktionsmöglichkeiten genau dann auszuspielen, wenn sich ihre Figur an einer guten Position auf der Insel befindet. Beide Rollen haben ihren Reiz.

Der Sieger erhält am Ende die Truhe mit dem Schatz. Foto: Karsten Grosser

Einzigartiges Spielgefühl, aber ...

Aber: Könnte Silver beim geben der Hinweise nicht beschummeln? Nein, denn alle Bewegungen, alle Tipps werden ja eingezeichnet. Entweder auf dem großen Inselplan in der Mitte. Oder - bei geheimen Hinweisen - auf Karte hinter dem eigenen Sichtschirm. Filzstifte halten alle Aktionen fest. Wenngleich manche Farben auf der bunten Seite des doppelseitigen Inselplans nicht gut zu erkennen sind und zudem manche Linien mitunter versehentlich verwischt werden. Das sind Schönheitsfehler in einem Spiel, das letztlich mit einem einzigartigen Spielgefühl überzeugt, manchmal aber ein wenig zu lange dauert.

Spielogramm

Treasure Island
  • Autor: Marc Paquien
  • Verlag: Pegasus Spiele
  • Spieler: 2 bis 5
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: ca. 60 Minuten
  • Wertung: 4 (gut)
Legende: 6 (genial) - 5 (stark) - 4 (gut) - 3 (ordentlich) - 2 (mäßig) - 1 (schwach) 
Foto: Karsten Grosser


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