Immuntherapie hilft langfristig Heuschnupfen-Saison: Länger, aber nicht unbedingt stärker

Aktuell macht der Pollenflug der Birken vielen Allergikern zu schaffen. Foto: Michael GründelAktuell macht der Pollenflug der Birken vielen Allergikern zu schaffen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Der Frühling ist unübersehbar bei vielen Pflanzen eingekehrt. Das macht sich auch bei Pollenallergikern bemerkbar: Sie laufen derzeit mit geröteten Augen und triefenden Nasen herum. Dabei scheinen sie noch mehr von den Pollen geplagt zu sein als im vergangenen Jahr. Allerdings sei der Pollenflug in diesem Jahr nicht unbedingt stärker als sonst, sagt Thoams Fuchs vom Ärzteverband deutscher Allergologen.

"Heuschnupfen ist eine Krankheit, die jedes Jahr wiederkommt", erklärt der Professor von der Universitätsmedizin Göttingen. Sie verlaufe individuell und schreite fort, sodass die Symptome zunehmen können. Dass die Betroffenen in diesem Jahr aber besonders leiden, sieht Fuchs nicht so. "Das muss man relativieren. Es gibt viele Allergiker und viele sind zurzeit auch krank." Nach Angaben des Polleninformationsdienstes leiden rund 12 Millionen Menschen in Deutschland an Heuschnupfen. Hinzu kommen noch Menschen, die unter einem Virusschnupfen leiden, der sich für Außenstehende nicht vom allergischen Schnupfen unterscheidet. "Das erweckt dann natürlich den Anschein, als ob jeder mit einer triefenden Nase durch die Gegend läuft", so Fuchs. 

Ob die Pollenkonzentration denn aufgrund des milden Winters in diesem Jahr besonders intensiv ist? "Nein, das kann man nicht sagen", meint der Allergologe. Die Werte seien ähnlich wie in den vergangenen Jahren. Zudem ist "der Pollenflug nicht in jedem Jahr gleichmäßig, auch nicht in Zeiten vom Klimawandel." Mal sei er stärker ausgeprägt, mal weniger stark. Allerdings führe der Klimawandel dazu, dass sich der Pollenflug über einen längeren Zeitraum erstreckt und die Betroffenen teilweise das ganze Jahr mit Symptomen zu kämpfen hätten.

Heuschnupfen "nicht aussitzen"

Denn die Pflanzenentwicklung und somit auch die Intensität des Pollenflugs ist eng gekoppelt mit der Witterung. "Wenn es wärmer wird, nimmt die Pollenfrequenz zu. Wird es kälter verziehen sie sich in einen gewissen Dämmerzustand", erklärt Fuchs. So haben die kälteren Temperaturen am Wochenende dem Birkenpollenflug einiges an seiner Intensität genommen.

Dennoch bedeutet das Ende einer bestimmten Pollenart nicht gleich das Ende der Heuschnupfen-Symptome. "Der Mensch hat immer noch seine Allergie", sagt Fuchs. Die Entzündungsreaktion klinge nicht sofort ab sondern könne auch noch über eine Woche nachlaufen. 

Wichtig bei einer Pollenallergie sei die Diagnose und Therapie durch einen Allergologen. "Viele Leute sitzen das aus und sagen, zwei bis drei Wochen habe ich ein Problem, dann ist es vorbei", berichtet Fuchs. Doch der Professor betont: "Nein, das lässt sich nicht aussitzen, das geht immer weiter." Die Folge können unter anderem schwere Atembeschwerden sein. Neben der Behandlung mit Cortison-Nasensprays empfiehlt der Allergologe vor allem die Immuntherapie. "Die hilft zwar nicht akut, dafür aber auf lange Sicht."


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN