Carrot Cake & Co. Süße Gemüsekuchen sind im Trend, doch sind sie auch gesünder?

In Amerika und Großbritannien beliebt: ein Carrot Cake mit dickem Zuckerguss aus Frischkäse. Foto: imago images / CHROMORANGEIn Amerika und Großbritannien beliebt: ein Carrot Cake mit dickem Zuckerguss aus Frischkäse. Foto: imago images / CHROMORANGE

Osnabrück. Ein Kuchen mit Karotten oder Zucchini zum Nachmittagstee oder -kaffee? Heutzutage ist das nicht ungewöhnlich, denn süße Gemüsekuchen sind im Trend. Das gilt nicht nur für den Möhrenkuchen zu Ostern. Doch sind sie auch gesünder?

„In England und Amerika sind süße Gemüsekuchen mit Zucchini schon länger beliebt“, erzählt Daniela Krehl, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Bayern, im Gespräch. Hierzulande sind die süßen Gemüsekuchen ebenfalls längst im Trend. Einst gestartet mit dem anglo-amerikanischen Carrot Cake in Kaffeebars. Viele mögen den weniger süßen, saftigen Teig oder sehen ihn auch als Teil eines ernährungsbewussten Lebensstils. Zu Recht? Wichtige Fragen und Antworten zum Thema:

Sind süße Gemüsekuchen kalorienärmer als andere?

„Ein Möhrenkuchen ist nicht viel gesünder als ein Obstkuchen, obwohl die Karotten einen hohen Beta-Carotin-Gehalt haben. Es bleibt ein Kuchen und damit eine Süßigkeit. Wie gesund er ist, das hängt von der Rezeptur ab“, sagt Ernährungsexpertin Daniela Krehl. Häufig sei ein Biskuitteig die Basis eines Möhrenkuchens: „Dieser ist im Vergleich zu Rührkuchen meist kalorienärmer, da hierfür kein zusätzliches Fett benötigt wird.“ Darüber hinaus seien häufig Nüsse im Rezept, „die sehr gesund sind“, so die Verbraucherschützerin weiter.

Doch dann kommt das große Aber: „Im Unterschied zum Rüblikuchen gehört zu einem amerikanischen Carrot Cake jedoch noch ein extrem fettreicher Zuckerguss aus Frischkäse, Butter und Puderzucker dazu. Der kann den Kuchen kalorisch in die Höhe treiben.“

Wer seinen Zuckerverbrauch im Blick haben will, dem empfiehlt Krehl, lieber selbst zu backen, denn das habe immer den Vorteil, „dass man beim Zucker meist sparsamer sein kann, als die Rezeptangaben verlangen. Im Vergleich zu Fertigkuchen enthält die eigene Backware dadurch weniger Zucker.“

Schmeckt man Zucchini im Kuchen heraus? 

Geschmacklich hat solches Gebäck generell immer noch das Potenzial, ganze Familien zu spalten. Allein die Vorstellung von Gemüse im Kuchen lässt viele zurückschrecken. Jedoch kann sich der Mut zum Ausprobieren lohnen, denn: „Ähnlich wie Möhren haben sie keinen großen Eigengeschmack“, sagt die Ernährungsexpertin. 

Sieht man kaum: Hier sind Zucchini drin. Foto: imago/CHROMORANGE


Was ist der Vorteil von Gemüse im Kuchen? 

Ob Zucchini oder Karotten: „Sie geben dem Kuchen eine gewisse Saftigkeit und Frische“, sagt Ernährungsexpertin Krehl. Ein Vorteil eines Karottenkuchens sei zudem, „dass er länger frisch bleibt als ein klassischer Rührteigkuchen.“

Erst Karotte, dann Zucchini im Teig – was kommt als Nächstes? 

„Neu sind Rezepte mit Roter Bete, beispielsweise für einen Schokoladenkuchen“, erzählt Daniela Krehl. Als Vorreiter sieht sie die vegane Internetszene, denn dort wird "viel experimentiert, um beispielsweise einen schmackhaften Butterersatz zu finden.“

Möhrenkuchen – wo kommt er ursprünglich her? 

Rübli werden in der Schweiz auch die Möhren genannt, nach der auch die berühmte Rüblitorte benannt ist. Die Kuchenspezialität soll aus dem Kanton Aargau stammen, auch „Rüeblikanton“ genannt. Im November findet dort immer einmal in der Woche der Spezialmarkt „Rüeblimärt“ statt, wo 40 Tonnen Karotten jährlich gekauft werden, laut Aargau-Eigendarstellung. Eines der wahrscheinlich ältesten gedruckten Rezepte soll aus dem Jahr 1892 stammen aus einer Sammlung der Haushaltungsschule Kaiseraugust AG.  

Möhrenkuchen mit hauchdünnem Zuckerguss. Foto: imago/imagebroker


Der klassische Rüblikuchen besteht aus einem Biskuitteig mit geriebenen Haselnüssen und geriebenen Möhren. Überzogen wird die Torte mit weißer Zuckerglasur, dagegen sind beim Kuchen Mandel und Puderzucker der krönende Abschluss.

Verziert mit Karotten aus Marzipan auf der Glasur, sind die Möhrenkuchen in den letzten Jahren kurz vor Ostern besonders präsent als Feiertagskuchen in den Bäckereien, Cafés oder in Lifestyle-Magazinen mit Rezepten zum Selbstbacken. „Die ersten frischen Möhren der Saison aus Italien sind jetzt erhältlich, aber auch die Lagerware kann man gut verarbeiten“, sagt Ernährungsexpertin Krehl.

Ob als Blechkuchen, in einer Kastenform, als Muffin oder Cupcake oder als Gugelhupf – welche Form man dem Karottenkuchen am Ende geben will, ist jedem selbst überlassen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN