In der Region noch selten Ein Hund im Büro? Tiere können bei Stressabbau helfen

Platz! Ein Hund im Büro ist nicht selbstverständlich - gutes Benehmen des Vierbeiners darf man als unbedingte Pflicht voraussetzen. Foto: iStockPlatz! Ein Hund im Büro ist nicht selbstverständlich - gutes Benehmen des Vierbeiners darf man als unbedingte Pflicht voraussetzen. Foto: iStock

Osnabrück. Bei den meisten Arbeitgebern in der Region ist es ein Tabu - dabei sprechen viele Erkenntnisse dafür, dass Haustiere, die zum Arbeitsplatz mitgebracht werden, nicht sonderlich stören. Im Gegenteil: Studien zeigen, dass vor allem die Anwesenheit eines Hundes im Büro für Stressabbau und Entspannung sorgen kann.

Forschungsergebnisse der Virginia Commonwealth University etwa belegen, dass die meisten Arbeitnehmer weniger gestresst sind, wenn sich ein Hund in ihrer Nähe befindet. Mitarbeitern einer Firma wurden Speichelproben entnommen, um herauszufinden, wie hoch darin der Anteil des Stresshormons Cortisol ist. Und siehe da: Vergleiche haben ergeben, dass lediglich bei denjenigen Kollegen, die einen Hund in ihrem näheren Arbeitsumfeld hatten, der Cortisol-Spiegel am Ende des Arbeitstages signifikant gesunken war. 

Hinzu kommt, dass nachweislich eine höhere Ausschüttung des Glückshormons Oxytocin stattfindet, wenn man einen Hund streichelt. Als weiterer positiver Effekt eines Bürohundes kann verbucht werden, dass er angespannte Situationen zu relativieren verhilft und Mitarbeiter dazu zwingt, gelegentliche Auszeiten zu nehmen, wenn Gassi-Gehen ansteht. Ein regelmäßiger Ausgang an der frischen Luft erleichtert das Tier und entstresst den Menschen.

In der Region nur wenig verbreitet

Bei größeren amerikanischen Unternehmen wie Google ist es nicht ungewöhnlich, dass Mitarbeiter ihren Hund mit ins Büro nehmen. Auch in zahlreichen niederländischen Unternehmen scheint dies der Fall zu sein. Im Business-Netwerk LinkedIn erwähnen Stellenangebote aus den Niederlanden relativ häufig die Existenz eines Bürohundes, während es bei solchen aus Deutschland die absolute Ausnahme ist. 

Belebendes Element: Ein Hund im Büro kann positive Auswirkungen haben. Foto: iStock

Dabei trügen die vierbeinigen Kollegen zu einem guten, freundlichen und offenen Unternehmensimage und auch zu einer verbesserten Mitarbeiterbindung bei, findet der Berliner Hundetrainer Markus Beyer. Er ist auch erster Vorsitzender des von ihm gegründeten Bundesverbandes Bürohund, der mittlerweile mehr als 2000 Mitglieder zählt und interessierte Arbeitgeber berät. Auf der von ihm herausgegebenen Bürohundkarte Deutschland findet sich aktuell lediglich ein Eintrag aus Osnabrück sowie einer aus Bad Rothenfelde im südlichen Landkreis. In Schleswig-Holstein sind dagegen bereits mehr als ein Dutzend Unternehmen gelistet, die buchstäblich auf den Hund gekommen sind. 

Verträge auch für Hunde

Für den Einsatz im meist zu lauten und zu gefährlichen Produktionsbereich hält Beyer Hunde allerdings für eher ungeeignet. Passender wären sie im administrativen Bereich, wobei dies aber nur dann funktionieren würde, wenn es „für alle Seiten Regeln und Pflichten gibt“, gibt er zu bedenken. Dazu gehöre zum Beispiel auch, dass explizit Rücksicht genommen wird auf Mitarbeiter, die unter einer Tierhaarallergie leiden, Angst vor Hunden haben oder sie einfach nicht mögen. Da gelte es, die unterschiedlichen Reaktionen und Interessen gegeneinander abzuwägen und zu einer für alle verträglichen Lösung zu kommen. 

Auch, wenn nur zwei Tiere sich untereinander nicht verstehen, mache es keinen Sinn, mehr als nur einen Bürohund zu halten, so Beyer. Für das Tier selbst sei neben der regelmäßigen Bewegung im Freien ein Rückzugsbereich und eine ausreichende Versorgung mit Wasser wichtig. Auch der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt insbesondere Hunde als Bürotiere. Mit der Aktion „Kollege Hund“ setzt er sich regelmäßig dafür ein, dass die Tiere ihren Platz auch im Büro finden – nicht zuletzt auch in der Hoffnung, dass mehr Hunde aus Tierheimen adoptiert werden.

Katzen eher im Home Office

Was ist aber mit anderen Tieren? Vor allem bei Heimarbeitern, die zuhause am eigenen Schreibtisch ihr Tagewerk verrichten, sind Katzen sehr beliebt. Nicht nur von vielen Schriftstellern sind Bürokatzen überliefert, sondern mitunter auch von Politikern. So gelangte der schwarz-weiße Kater Socks des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton einige Berühmtheit. Seine Amtskollegen hielten es dann aber doch lieber mit Hunden – von George Washingtons Drunkhard bis hin zu Barack Obamas portugiesischen Wasserhunden Sunny und Bo.

Dass der aktuelle Amtsinhaber deshalb so unentspannt ist, weil er sich weder einen First Dog noch eine First Cat im Oval Office leistet, ist bislang nur ein Gerücht. Fest steht aber, dass Haustiere im Büro das Stressniveau und den Blutdruck senken lassen, stattdessen Glückshormone ausschütten, den Teamgeist und die Arbeitsmotivation fördern und generell für ein entspannteres und produktiveres Arbeitsklima sorgen können. Zunehmend mehr Arbeitgeber akzeptieren deshalb, dass Angestellte ihr Tier mit ins Büro bringen.  

Nicht alle Tiere sind natürlich dafür geeignet. So fremdeln etwa Katzen gern gegenüber ihnen unbekannten Menschen, weshalb sie im „Home Office“ besser aufgehoben sind. Nager reagieren sensibel auf Krach, frei herumhoppelnde Kaninchen sind im beruflichen Umfeld Gefahren ausgesetzt und umherfliegende Vögel wirken alles andere als beruhigend. Die einzigen Tiere, die neben Pflanzen mit beruhigenden Gerüchen in Sachen Entspannungsfaktor im Büro Hunden buchstäblich das Wasser reichen können, sind Fische. Experten gestehen dem Blick ins Aquarium eine ähnlich entspannende Wirkung zu wie etwa einem Kaminfeuer. Da der aber auch ermüdend sein kann, ist ein Hund, der ab und zu auch fordert, gerade am Arbeitsplatz sicher die bessere Alternative.


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