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Gleicher Lohn für gleiche Arbeit Wie groß ist der „Gender Pay Gap“ in der Region?

Von Matthias Liedtke

Gleiche Arbeit, unterschiedliche Bezahlung: Noch immer werden Frauen und Männer unterschiedlich entlohnt. Foto: iStockGleiche Arbeit, unterschiedliche Bezahlung: Noch immer werden Frauen und Männer unterschiedlich entlohnt. Foto: iStock

Osnabrück. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Löhne für Frauen und Männer oftmals unterschiedlich sind – und das nicht selten bei gleicher Arbeit. Aktuelle Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung stellen auch unserer Region kein gutes Zeugnis aus, wenn es um Lohngerechtigkeit zwischen den Geschlechtern geht.

Jetzt ist es raus: Es klafft immer noch eine große Lücke zwischen den Gehältern von männlichen und weiblichen Arbeitnehmern. Laut Statistischem Bundesamt ist der „Gender Pay Gap“ genannte, allgemeine Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern auch 2018 im Vergleich zum Vorjahr unverändert geblieben. Frauen verdienten demnach im vergangenen Jahr mit einem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von 17,09 Euro rund 21 Prozent weniger als Männer, die im Schnitt auf 21,60 Euro kamen. Auch die Gründe für den zumindest in Gehaltsfragen gar nicht mal so kleinen Unterschied zwischen Mann und Frau können in Zahlen gemessen werden. So ist es etwa statistisch nachweisbar, dass Frauen weit häufiger in Branchen und Berufen arbeiten, in denen ohnehin schlechter bezahlt wird als in anderen. Zudem erreichen sie auffällig seltener Führungspositionen als ihre männlichen Mitbewerber.

Mehr Frauen in Teilzeit

Darüber hinaus arbeiten Frauen wesentlich häufiger als Männer in Teilzeit oder in schlechter bezahlten Minijobs und verdienen deshalb auch pro Stunde gerechnet im Durchschnitt weniger. Nach Angaben der Arbeitskräfteerhebung waren im Jahr 2017 in Deutschland 10,6 Millionen Personen von 20 bis 64 Jahren in Teilzeit beschäftigt. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten an allen Erwerbstätigen lag bei 27 Prozent. Allerdings war darunter mit 47 Prozent fast jede zweite erwerbstätige Frau in Teilzeit tätig. Unter den Männern betrug dieser Anteil nur neun Prozent. 

Der überwiegende Teil der teilzeitarbeitenden Frauen gab als Hauptgrund die Betreuung von Kindern oder Pflegebedürftigen (31 Prozent) beziehungsweise andere familiäre oder persönliche Verpflichtungen (18 Prozent) an. Ein Viertel der Männer nannte hingegen als Hauptgrund für die Teilzeitbeschäftigung eine parallel laufende Ausbildung oder berufliche Fortbildung. Rund drei Viertel des Verdienstunterschieds zwischen Männern und Frauen sind strukturbedingt, schließen die Statistiker aus ihren Zahlen.

Noch über 200 Jahre warten?

Das verbleibende Viertel des Verdienstunterschieds entspricht dem bereinigten „Gender Pay Gap“. Demnach verdienten Arbeitnehmerinnen im Durchschnitt auch unter der Voraussetzung vergleichbarer Tätigkeit und äquivalenter Qualifikation im Jahr 2014 pro Stunde sechs Prozent weniger als Männer. Hier müsse allerdings berücksichtigt werden, dass der ermittelte Wert eine Obergrenze ist, teilte das Bundesamt für Statistik mit. Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass die Unterschiede geringer ausfallen würden, wenn weitere Informationen über lohnrelevante Einflussfaktoren für die Analysen zur Verfügung gestanden hätten, vor allem etwa Angaben zu etwaigen Erwerbszeitunterbrechungen.

Das World Economic Forum hat jüngst berechnet, dass es bei der derzeitigen Entwicklung noch etwa 216 Jahre dauern wird, bis Männer und Frauen gleich viel Geld verdienen. Eine neuere OECD-Studie zeigt zudem, dass die Kluft mit 25 Prozent insbesondere bei naturwissenschaftlichen Berufen überdurchschnittlich groß ist.  

Kleinere Lücken in der Stadt

Aber wie sieht es nun konkret in der Region aus? Darüber gibt eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Auskunft, die nicht nur den „Gender Pay Gap“ in den einzelnen Bundesländern, sondern noch kleinflächiger auch den in den unterschiedlichen Regionen miteinander verglichen hat.

Demnach betrug der relative, also bereinigte Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen im Jahr 2016 in der Stadt Osnabrück zwischen 18 und 19 Prozent, während er im Landkreis mit durchschnittlich 23 bis maximal 38 Prozent wesentlich höher war. Das durchschnittliche Bruttomonatsentgelt lag in der Stadt bei 3.398 Euro für Männer, während Frauen im Schnitt 2.764 Euro verdienten. Damit ist das Niveau insgesamt zwar Höhe, die Lücke zwischen den Geschlechtern aber niedriger als im Land. Im Emsland war der durchschnittliche „Gender Pay Gap“ mit mehr als 24 Prozent noch etwas höher. Hier verdienten Männer im Schnitt 3.062, Frauen dagegen 2.314 Euro. Ähnliche Zahlen wurden für die Grafschaft Bentheim ermittelt. Die Statistiker führen die zum Teil erheblichen regionalen Unterschiede beim Verdienstgefälle zwischen Männern und Frauen auch auf die Eigenheiten der jeweiligen regionalen Wirtschaftsstruktur zurück. 


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