Wie viel Geld sollten Kinder bekommen? Warum Eltern auch ungezogenen Kindern immer Taschengeld zahlen sollten

Wie viel Taschengeld sollten Kinder bekommen – und ab wann?Wie viel Taschengeld sollten Kinder bekommen – und ab wann?

Hamburg. Durch Taschengeld sollen Kinder früh Erfahrungen mit eigenem Geld machen. Doch ab wann sollten Eltern ihren Kindern welche Beträge geben? Und dürfen sie Kindern Käufe verbieten? Eine Übersicht.

Kinder haben keinen rechtlichen Anspruch auf Taschengeld, dennoch ist es für die Heranwachsenden aus pädagogischer Sicht wichtig. "Geld gehört zum Alltag eines jeden Menschen dazu, deshalb muss man auch frühzeitig den Umgang damit lernen", sagte Familientherapeutin Birgit Westermann von der psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Osnabrück unserer Redaktion. 

Das Taschengeld gehört nur den Kindern

Ein Punkt sollte laut Westermann von Anfang an klar sein: "Allein die Kinder entscheiden, wie, wann und wofür sie ihr Taschengeld ausgeben oder sparen." Allgemeingültige Regeln für die Höhe des Taschengeldes oder den Zeitpunkt, ab wann Eltern es zahlen sollten, gibt es nicht. Die Forscher des Deutschen Jugendinstituts (DJI) empfehlen für Kinder unter sechs Jahren einen Betrag von 50 Cent pro Woche, für Grundschulkinder zwischen einem und bis zu drei Euro pro Woche. Ab der weiterführenden Schule und bis zur Volljährigkeit rät das DJI zu Beträgen zwischen rund vier und bis zu 20 Euro pro Woche. Entscheidend ist für die Forscher, dass Kinder einen dem Alter angemessen Betrag bekommen. Laut DJI geben Jungen im Schnitt etwas mehr Geld aus als Mädchen. (Weiterlesen: So teuer ist es, ein Kind großzuziehen)

Der Sprung bei neun und zehn Jahren wirkt nur auf den ersten Blick groß. Ab der weiterführenden Schule zeigt die Tabelle des DJI statt des wöchentlichen Betrags das Taschengeld für einen Monat an.

Das Taschengeld soll pünktlich kommen – und ohne Vorschuss 

Eltern entscheiden selbst, ob sie das Taschengeld wöchentlich oder einmal pro Monat auszahlen. Wichtig ist laut Westermann jedoch, dass Kinder den Betrag verlässlich und pünktlich bekommen. Weder sollten Eltern eine Zahlung vergessen, noch sollten sie Bitten um einen Vorschuss nachgeben. Der begrenzte finanzielle Rahmen führt außerdem dazu, dass Kinder mit der Zeit genauer über ihre Ausgaben nachdenken und lernen, was Sparen bedeutet. Dafür braucht es oft keine Vorträge der Eltern, sondern soziales Lernen: Wer das Taschengeld regelmäßig direkt am Kiosk ausgibt, staunt spätestens dann, wenn sparsame Klassenkameraden sich von ihrem Geld einen größeren Wunsch erfüllen. 

Rechtliche Lage: Der Taschengeldparagraph

Der sogenannte Taschengeldparagraph (BGB § 110) sieht als Ausnahme vor, dass ein Minderjähriger ohne Zustimmung des gesetzlichen Vertreters rechtswirksame Verträge abschließen kann, falls ihm von seinem gesetzlichen Vertreter oder den Eltern Geld zur freien Verfügung überlassen worden ist. Dank des Taschengeldparagraphen können also auch Kinder legal einkaufen. Eltern, Kinder, aber auch Verkäufer haben somit die Sicherheit, dass das Rechtsgeschäft wirksam ist und bleibt. (mit DJI)

Taschengeld nur für artige Kinder?

Auch das Wohl- oder Fehlverhalten des Kindes sollte das Taschengeld aus Sicht der Diplom-Psychologin nicht beeinflussen. "Das Kind soll nicht den Eindruck bekommen, dass es einen Zusammenhang zwischen Geld und dem Charakter gibt“, so Westermann. Sie rät deshalb auch davon ab, angemessenes Sozialverhalten oder das Helfen im Haushalt finanziell zu belohnen. (Weiterlesen: Was Eltern und Jugendliche beim Schüleraustausch beachten sollten)

Von der Spardose zum ersten Girokonto

Als Aufbewahrung des Taschengeldes empfiehlt die Therapeutin für Kinder bis mindestens zehn Jahre eine Spardose, die sich leicht öffnen und schließen lässt, damit die Kleinen jederzeit Zugang zu ihrem Geld haben. Spardosen, die nur durch Zerschlagen geöffnet werden können, eignen sich nicht.

Foto: dpa/Peter Kneffel

Wenn der Taschengeldbetrag steigt und die Kinder auf der weiterführenden Schule immer selbständiger werden, sollte ein eigenes Jugendgirokonto die Spardose ablösen. Ein allgemein richtiges Alter dafür gibt es nicht, Andreas Gernt von der Verbraucherzentrale Niedersachsen sagte: "Ein Girokonto samt Girokarte empfehlen wir ab ungefähr zwölf Jahren, damit Jugendliche den bargeldlosen Zahlungsverkehr üben und kennenlernen."

Gespräche über Zinsen und Gebühren sind wichtig

Viele Kreditinstitute bieten kostenlose Girokonten auf Guthabenbasis an. Die jungen Kontoinhaber können also nur das ausgeben und abheben, was auf dem Konto ist, Schuldenmachen ist nicht möglich. Bei der Wahl des Jugendgirokontos sollten Eltern mit dem Kind auch über Zinsen und Gebühren sprechen: "In der aktuellen Niedrigzinsphase ist das eher ein pädagogischer Aspekt, der Blick auf anfallende Gebühren ist dagegen immer wichtig", sagte Gernt. Das klassische Sparbuch habe dagegen ausgedient. Die Verbraucherzentrale bietet eine kostenlose Check-Liste für Jugendgirokontos an. 


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