Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Mehr Geld für Erzieher! Diese Kolumne wird bestreikt

Kita-Streik – immer wieder eine aufregende Erfahrung. Illustration: Lilith BenedictKita-Streik – immer wieder eine aufregende Erfahrung. Illustration: Lilith Benedict

Berlin. Berlin. Kita-Streik: Was tun, wenn plötzlich die Kinder zu Hause sitzen und betreut werden wollen?

In der vergangenen Woche hat unsere Elternkolumnistin Corinna Berghahn KonMari-Tipps für Eltern zusammengestellt und ihren Kollegen gefragt: „Kriege ich nächste Woche überhaupt Post von Dir? Wie ich hörte, machst Du blau, weil die Kita dicht ist.“ Dies ist die Antwort von Daniel Benedict:

Liebe Corinna,

in wenigen Minuten ist Redaktionsschluss. Und während Du beim Lesen schon weißt, ob alles wie immer aussieht, spiele ich beim Schreiben noch mit dem Gedanken, den Text einfach durch einen großen Stempel zu ersetzen: „WIR STREIKEN“. Ich selbst streike natürlich nicht, jedenfalls nicht richtig. An den letzten zwei Tagen wurde dafür unsere Kita bestreikt. Und irgendwie streikt man da automatisch mit. (Leider, ohne dass sich dadurch Abgabetermine ändern.) An unserer Kita forderte sogar ein Zettel auf, mit auf die Straße zu gehen. Das hätte ich aber nur gewagt, wenn GEW-Mitglieder wie Krümelmonster auf der Rednerliste gestanden hätten. Ich hatte jetzt ja die Kinder, und die langweilen sich schnell.

Stattdessen habe ich mich mit einem anderen Vater zusammengetan. Er hat am ersten, ich am zweiten Streiktag betreut. Dank strahlenden Wetters und einer Zoo-Dauerkarte wurde es ein herrlicher Arbeitsausstand. Am Ende waren die drei Kinder so zusammengewachsen, dass sie gern eine Übernachtungsparty drangehängt hätten. Das ist auch ein pädagogischer Erfolg: Das dritte Kind ist ein Mädchen, und in der Kita spielen meine Söhne ausschließlich mit Jungs – zumindest behaupten sie das. Wie schön also, die erklärten Spielplatz-Machos nun beim Vater-Mutter-Spiel in der Rolle nuckelnder Babys zu erleben. Am zweiten Abend waren alle so geschafft, dass die Kinder eine Stunde früher eingeschlafen sind und ich sogar noch eine Fernsehkritik schreiben konnte. Sehr geistreich war ich nicht mehr. Mir steckte der Tag ja auch in den Knochen. Nach zwei Streiktagen ist zumindest mir klar: Die Leistung der Erzieherinnen (und Erzieher – die gibt’s bei uns auch) ist jeden zusätzlichen Euro wert.

Hoffentlich sind die Arbeitgeber im öffentlichen Dienst alle schön kinderreich. Dann wäre die Botschaft vielleicht auch bei den Richtigen angekommen. Von meinem Mitgefühl können sich die Erzieherinnen nichts kaufen. Zumal ich von ihren Verträgen nichts verstehe. Bei mir ist jedenfalls alles ganz anders. Gehalt kriege ich für so private Dinge wie unseren Briefwechsel; zum Ausgleich findet meine Arbeit dann nach Feierabend statt. Und wenn die Kita streikt, habe ich schlicht nicht mehr genug Freizeit, um meinen Beruf auszuüben. Eigentlich wollte ich mir in dieser Woche nämlich nicht für den Zoo freinehmen, sondern um schnell noch Bücher von Interview-Partnern zu lesen – mit denen ich heute verabredet bin! Heute! Um ein Haar hätte der Streik mir das Genick gebrochen. Ich hatte dann aber doch noch mal Glück im Unglück. Einer der Buchautoren ist selbst Vater. Gestreikt wurde bei ihm wohl nicht; dafür ist sein Kind krank. Gerade hat er mein mies vorbereitetes Gespräch abgesagt. In letzter Minute. Danke. Und natürlich gute Besserung!

Herzliche Grüße

Dein Daniel

PS: Bist Du die Erwachsene, die Du als Kind mal werden wolltest?

Das Buch zur Kolumne gibt es auch: Daniel Benedict/Corinna Berghahn: „Vater, Mutter, Kind – 99 Elternbriefe aus dem Alltag.“ Das Buch kostet 19,99 Euro und ist in den Geschäftsstellen Ihrer Tageszeitung erhältlich.


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