Catan und der Kampf um den Eisernen Thron Game of Thrones: Wie gut sind die Spiele zum Serien-Hit?

Was taugen diese "Game of Thrones"-Spiele? Fotos: Asmodee, KosmosWas taugen diese "Game of Thrones"-Spiele? Fotos: Asmodee, Kosmos

Osnabrück. Intrigen spinnen wie Cersei Lannister? Die Schenkung gegen Wildlinge verteidigen? Gleich mehrere Spiele entführen in die Welt Game of Thrones. Aber welches kann mit der Qualität der Erfolgsserie mithalten? Willkommen in Westeros!

Wir haben fünf Game-of-Thrones-Spiele ausprobiert und beurteilen sie sowohl aus Sicht unseres Spiele-Experten Karsten Grosser als auch aus Sicht unserer Serien-Expertinnen Corinna Berghahn und Manuela Kanies. Am Ende geben wir noch einen kurzen Überblick darüber, welchen bekannten Spielen die GoT-Lizenz übergestülpt wurde.

Game of Thrones – Kampf um den Eisernen Thron

Intrigen, Machtspielchen, Verrat. Im Kampf um den Eisernen Thron ist jedes Mittel recht. Jeder von uns übernimmt die Führung eines des Häuser Westeros'. Zur Auswahl stehen Lannister, Stark, Tyrell, Baratheon und Targaryen, die jeweils mit einem Anführer und vier weiteren Charakteren antreten. Schön bebildert mit Originalfotos aus der Serie. Zu Anfang weist jede Figur noch gleich viel Macht auf, doch Kämpfe zwischen den Häusern verschieben die Stärke. Doch wird überhaupt dauernd gekämpft? Jede Begegnung zwischen zwei Häusern kann auch friedlich mit Verhandlungen enden, wenn beide eine Friedenskarte ausspielen. Doch auch wenn die Kontrahenten eine gütliche Einigung vorab vereinbaren: An Versprechungen muss sich niemand halten. Verrat gehört im Kampf um den Eisernen Thron hinzu. Nicht alle Charaktere werden die Ränkespiele überleben. Wer seine Macht und Kriegskarten richtig ausspielt und so Schlachten für sich entscheidet, gewinnt zunehmend an Einfluss auf die anderen Häuser und kommt damit dem Sieg immer näher.

Das Spielmaterial für das Haus Lennister. Foto: Karsten Grosser
  • Das sagt der Spiele-Experte: Verhandeln, bluffen, drohen, Geiseln foltern – der Kampf um den Eisern Thron verlangt auch am Spieltisch Skrupellosigkeit bei der Auswahl seiner Aktionsmöglichkeiten. Man muss kein Serienfan sein, um das Spielkonzept zu verstehen. Jedoch sollte man Spielerfahrung mitbringen, um das eingangs sperrig wirkende System aus Belohnungen und Sanktionen zu überblicken. Mit jeder Partie tritt der intrigante und dunkle Charakter des Spiels besser zutage.
  • Das sagt die Serien-Expertin: Dieses Spiel ist so nah an Game of Thrones dran, wie es geht: Das zeigt sich besonders an den Charakterkarten, die ähnliche Spezialfertigkeiten haben wie ihr Serien-Pendant. Um in die Rollen von Cersei Lannister oder Ned Stark zu schlüpfen, ist es hilfreich, die Serie zu kennen. Allerdings ist auch für Fans der Einstieg in das anfangs komplizierte Spiel schwer. Positiv ist der Nostalgiefaktor: Es gibt ein Wiedersehen mit dem fiesen Joffrey, Khal Drogo und dem Haus Martell. 

Spielogramm

Game of Thrones – Kampf um den Eisernen Thron
  • Autoren: Bill Eberle, Justin Kemppainen, Peter Olotka und Greg Olotka
  • Verlag: Fantasy Flight Games
  • Spieler: 3 bis 5
  • Alter: ab 18 Jahren
  • Dauer: 30 bis 60 Minuten

A Game of Thrones Catan

Aus der Insel Catan, Namensgeber für eines der erfolgreichsten modernen Brettspiele, wird hier die Schenkung. Der Landstrich, der im Norden Westeros' liegt, wird bedroht von Wildlingen. Eine Mauer soll die Menschen schützen. Deshalb erschließen wir nicht nur, wie bei Catan üblich, weitere Rohstofffelder. Wir schicken auch Wachen auf die Mauer. Solange die Zahl der anrückenden Wildlinge nicht die Zahl der Wächter übersteigt, herrscht Ruhe in der Schenkung. Doch geraten die Wildlinge in Überzahl, stürmen sie das Bollwerk und verhindern Rohstofferträge. Der Sturm der Wildlinge kann allerdings auch zu einem taktischen Mittel werden. Im Regelfall gewinnt zwar derjenige, der zuerst zehn Siegpunkte beisammen hat. Doch bei einem dritten Durchbruch der Wildlinge endet die Partie sofort – und es siegt derjenige, der zu diesem Zeitpunkt die meisten Wächter auf der Mauer hat. So stellt mancher schlicht aus Eigennutz eine Figur auf die Mauer, andere werden quasi zur Kooperation gezwungen.

Wächter auf der Mauer schützen die Schenkung vor den Wildlingen. Foto: Karsten Grosser
  • Das sagt der Spiele-Experte: Die ungewöhnliche Kombination des an sich braven Catan mit einer Serie, bei der Intrigen, Brutalität und Rücksichtslosigkeit im Fokus stehen, passt wunderbar. Warum? Weil als thematische Einbettung nicht die für Game of Thrones typischen Machtspiele dienen, sondern die gemeinsame Abschottung gegen Eindringlinge aus dem Norden. Zudem nehmen wegen der zwei unterschiedlichen Siegmöglichkeiten die taktischen Möglichkeiten zu. Catan wird dadurch zwar etwas komplexer, gewinnt aber auch an Tiefe.
  • Das sagt die Serien-Expertin: Abgesehen von der Mauer begegnet uns die Game-of-Thrones-Thematik auch noch auf Aktionskarten. In jedem Zug kann jeder Spieler die Hilfe eines Charakters in Anspruch nehmen. Dadurch werden zwar die Protagonisten der Serie integriert, doch mit der Handlung der Serie haben die möglichen Aktionen absolut nichts zu tun. 

Spielogramm

A Game of Thrones Catan
  • Autoren: Klaus und Benjamin Teuber
  • Verlag: Kosmos
  • Spieler: 3 oder 4
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: 90 Minuten

Game of Thrones – Das Trivia-Spiel

In diesem Quizspiel geht es um Wissen und Macht. Nur wer genügend Fragen beantwortet, gewinnt Einfluss in den Regionen Westeros' – von Königsmund im Süden bis zur Mauer im Norden. Wer am Ende die meisten Regionen kontrolliert, gewinnt. Um welchen Wert jemand seine Macht in einem Gebiet vergrößern will, muss er zu Beginn seines Zuges festlegen. Davon hängt ab, ob ihm eine, zwei oder drei Fragen gestellt werden. Nur wenn alle Antworten richtig sind, kommt ein entsprechender Marker auf den Spielplan. Glücklicherweise werden zu jeder Frage drei Antwortmöglichkeiten vorgelesen. Ansonsten könnte es schwierig mit dem Einfluss werden, denn die Fragen, die sich auf die Staffeln 1 bis 4 beziehen, haben es nicht selten in sich und dürften selbst Hardcore-Fans vor Probleme stellen.

Wer Fragen richtig beantwortet, breitet seine Macht an Orten wie Königsmund aus. Foto: Karsten Grosser
  • Das sagt der Spiele-Experte: Die Karte Westeros' als Spielplan sowie die Mehrheitenwertung machen aus dem Trivia-Spiel etwas mehr als nur ein Abfragen. Unberechenbarkeit und Willkür – wie in der Serie – kommen in der Experten-Variante hinzu. Dann sammeln die Spieler mit jeder richtigen Antwort zusätzlich Ressourcenmarker, mit denen sie Gunstkarten erwerben können. Dahinter verstecken sich Charaktere, die mächtige Aktionen ermöglichen. Manche meinen, darin Strategie zu erkennen, andere sehen nur noch Chaos.  
  • Das sagt die Serien-Expertin: Ein schönes Spiel, um mit Kenntnissen über die Serie anzugeben. Aber wissen Sie noch, wer Shagga, Sohn des Dolf, war - und womit er gerne kämpfte? Eben. Mit Fragen wie dieser müssen Sie bei "Game of Thrones – Das Trivia-Spiel" rechnen. Selbst absoluten Fans wird es nicht einfach gemacht. Stattdessen entwickelt sich ein zur Serie passendes Konkurrenzdenken - und zudem Momente, in denen die Spieler in alten Erinnerungen an längst gemeuchelte Charaktere oder beendete Handlungsstränge schwelgen können. Obacht allerdings: Das Spiel beruht auf der synchronisierten Serien-Version. Wer die Folgen bis dato auf englisch geschaut hat, hat mit zusätzlichen Herausforderungen zu kämpfen.

Spielogramm

Game of Thrones – Das Trivia-Spiel
  • Autor: Jonathan Ying
  • Verlag: Fantasy Flight Games/Asmodee
  • Spieler: 2 bis 4 Spieler oder Teams
  • Alter: ab 18 Jahren
  • Dauer: 30 Minuten und länger

Game of Thrones – Hand des Königs

Varys ist die Hand des Königs. Er wandert durch eine Auslage von Charakterkarten, die zu Beginn in einem Raster von 6 mal 6 Feldern platziert werden. Wer Varys zieht, erhält alle Personen, die zu einem ausgewählten Haus gehören und auf geradem Weg von Varys' Ausgangsort liegen. Erlangt jemand dadurch die Mehrheit an Karten eines Hauses, erhält er das zugehörige Banner. Abhängig von Haus und Zahl der Mitspieler genügt manchmal schon eine Karte. Lohnenswert ist es zudem, die letzte verfügbare Karte eines der sieben Häuser zu nehmen. Dann darf ich nämlich eine der sechs Helferkarter nutzen, die starke Extra-Aktionen erlauben. Wer am Ende die meisten Banner vorweisen kann, gewinnt.

Varys wandert durch die Kartenreihen, um Spielern Verbündete zu liefern. Foto: Karsten Grosser
  • Das sagt der Spiele-Experte: Dieses kleine, aber feine Taktikspiel entfaltet seinen Reiz vor allem in Partien zu zweit. Nur dann lassen sich die Varys-Bewegungen einigermaßen abschätzen, sodass die Züge nicht nur situativ erfolgen, sondern auch geplant werden können. Der Weg zum Sieg führt über die Helferkarten, welche thematisch stimmig die Mehrheiten neu verteilen können.
  • Das sagt die Serien-Expertin: Sollte von "Game of Thrones" irgendwann eine Kinderserie geplant werden, dann doch bitte so illustriert. Auch wer zu welchem Haus gehört, wird den Spielern hier vor Augen geführt. Dass nicht mehr alle der dargestellten Charaktere am Leben sind, zeigt allerdings, dass "Game of Thrones – Hand des Königs" schon älter ist. Ansonsten hat das unterhaltsame Taktik-Spiel eher wenig mit der Serie zu tun, außer dem Faktor, dass Varys eben auch der geborene Stratege ist. 

Spielogramm

Game of Thrones – Hand des Königs
  • Autor: Bruno Cathala
  • Verlag: Fantasy Flight Games/Asmodee
  • Spieler: 2 bis 4
  • Alter: ab 14 Jahren
  • Dauer: 15 bis 30 Minuten

Game of Thrones – Die Intrigen von Westeros

36 Karten mit Charakteren der Häuser Stark, Lennister, Baratheon und Targaryen werden gleichmäßig an die Spieler verteilt und von diesen dann reihum zu einer Pyramide ausgelegt. In die untere Reihe dürfen bis zu acht Karten platziert werden. In eine höhere Ebene darf ein Charakter nur mittig über zwei Karten gelegt werden, wenn mindestens eine dieser unteren Karten eine Person aus demselben Haus ist. Dank der Hintergrundfarben lässt sich das schnell erkennen. Wer keine seine Handkarten mehr legen kann, scheidet aus und kassiert so viele Minuspunkte, wie er Karten noch hat. Wer bis zuletzt durchhält, zieht eine "Eiserne Thron"-Karte, die nach einer vorab festgelegten Zahl an Durchgängen die Minuspunkte reduziert.

Pyramidenartig wächst die Kartenauslage. Foto: Karsten Grosser
  • Das sagt der Spiele-Experte: Dieses Spiel fußt auf dem Kartenspiel Pingu-Party (Amigo), bei dem Pinguine Pyramiden bilden. Die Intrigen von Westeros spielt sich allerdings einen Tick einfacher, weil im Vergleich zum Original die Karten nur in vier statt in fünf Farben aufgeteilt sind. Dadurch werden die Spieler seltener und vor allem erst später ausgebremst. Pingu-Party wurde im Jahr 2008 von der Jury Spiel des Jahres empfohlen, doch leider ist diese Version derzeit nicht erhältlich.
  • Das sagt die Serien-Expertin: Ein sehr unterhaltsames Ablegespiel, das außer den Namen und Bilden auf den Spielkarten jedoch nichts mit "Game of Thrones" zu tun hat. Zudem ist "Game of Thrones – Die Intrigen von Westeros" in die Jahre gekommen, zeigt es bei einigen Charakteren doch noch die Erstbesetzung auf dem Foto und nicht den aktuellen Darsteller. Daher ist man beim Spielen fast etwas verärgert, da hier vermutlich eine alte (und gute) Spielidee in den GoT-Kosmos geworfen wurde, um Fans Geld aus der Tasche zu ziehen.

Spielogramm

Game of Thrones – Die Intrigen von Westeros
  • Autor: Reiner Knizia
  • Verlag: Fantasy Flight Games/Asmodee
  • Spieler: 2 bis 6
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: 30 Minuten

Cluedo, Risiko und Monopoly

Game of Thrones als Lizenz ist beliebt. Ein Grund, warum das Serienthema auch altbekannten Spielprinzipien übergestülpt wird. Drei Beispiele in der Kurzvorstellung. Unweigerlich dabei: Monopoly – Game of Thrones Collector's Edition (Winning Moves). Aus den Straßen in der Original-Version werden hier nun Orte Westeros', aus den Bahnhöfen die Häuser Lennister, Stark, Baratheon und Targaryen. Statt Häuser und Hotel gibt es Dörfer und Bergfriede, bezahlt wird mit Golddrachen. Geradezu als Stilbruch fällt das Auto auf dem Feld "Frei Parken" auf. Am Spiel selbst ändert sich aber quasi nichts. Auch mit Game-of-Thrones-Thema wird aus dem verstaubten Monopoly einfach kein gutes Spiel.

Der Klassiker unter den Deduktionsspielen ist Cluedo. Wer hat den Grafen Eutin ermordet? Und zwar wo und womit? Wer diese drei Fragen als Erster beantwortet, gewinnt. In der Cluedo Game of Thrones Collector's Edition (Winning Moves) wird auf der einen Spielplanseite der Kommandant der Goldenen Kompanie im Roten Bergfried getötet, auf der anderen Seite ein Großmeister in Mereen. In beiden Fällen müssen die Spieler mit ihren Figuren herumziehen, um an bestimmten Orten Verdächtigungen auszusprechen und schließlich den Fall zu lösen. War es Cercei Lennister? Sansa Stark? Oder der Graue Wurm? Abgesehen von der thematischen Einkleidung unterscheidet sich diese Variante nicht wesentlich vom Original.

Deutliche Unterschiede im Vergleich zur klassischen Version weist Risiko Game of Thrones Deluxe Edition (Winning Moves) auf. Auch hier werden zwar Gebiete mittels Würfelschlachten erobert, aber nicht auf einer Weltkarte, sondern in Westeros (3 bis 5 Spieler), in Essos (2 Spieler) oder in beiden Gebieten zusammen (6 oder 7 Spieler). In einer enthaltenen Variante für Fortgeschrittene kommen ferner Elemente hinzu, die es im normalen Risiko nicht gibt und das Spiel strategischer und komplexer machen. Jeder Spieler kann auf Fähigkeiten bestimmter Charakter seines Hauses zurückgreifen oder hilfreiche Maesterkarten erwerben. Ziel ist es, nicht nur einen Gesamtauftrag zu erfüllen, sondern durch Abarbeitung kleiner Aufträge als Erster zehn Punkte zu sammeln.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN