Skandal um Blutdrucksenker Valsartan: Krebs-Patientin klagt gegen Pharmafirmen

Kommt der Skandal um verunreinigte Blutdrucksenker bald vor Gericht? Foto: Fabian Sommer/dpaKommt der Skandal um verunreinigte Blutdrucksenker bald vor Gericht? Foto: Fabian Sommer/dpa
Fabian Sommer

Osnabrück. Im Fall der mit einem potenziell krebserregenden Stoff verunreinigten Valsartane hat eine Patientin jetzt Klage gegen drei Pharmaunternehmen eingereicht. Nach einem Bericht der "Deutschen Apothekerzeitung" (DAZ) handelt es sich um eine 80-jährige Frau, die an Nierenkrebs erkrankt ist.

Der Freiburger Rechtsanwalt Heiko Melcher begründete die Klageerhebung mit einer erheblichen Verschlechterung der gesundheitlichen Situation der Patientin. Seine Mandantin habe über Jahre hinweg valsartanhaltige Blutdrucksenker eingenommen. Mittlerweile werde sie palliativmedizinisch behandelt.  

Melcher führte auch die Ergebnisse des ersten Gutachtens in einem von der Europäischen Kommission eingeleiteten Risikobewertungsverfahren an. Die EU-Experten kamen bei einer konservativen Einschätzung zu dem Schluss, dass es bei 100 000 Patienten, die täglich über sechs Jahre hinweg mit N-Nitrosodimethylamin (NDMA) verunreinigtes Valsartan eingenommen haben, zu 22 zusätzlichen Krebsfällen kommen könnte. Das Vorkommen von N-Nitrosodiethylamin (NDEA) in Arzneimitteln könnte zu acht zusätzlichen Krebsfällen bei 100 000 Patienten führen, wenn sie das Medikament mit der höchsten täglichen Dosis über vier Jahre eingenommen hätten.

Bei 900.000 betroffenen Patienten in Deutschland könnten demnach 270 Patienten infolge der Verunreinigungen an Krebs erkranken. ,,Ein immerhin nicht ganz unerhebliches und somit nicht ganz geringes Risiko“, zitiert die Apothekerzeitung Melcher.

Der Anwalt will für seine Mandantin gegenüber den Pharmaunternehmen Auskunfts-, Schmerzensgeld- und Feststellungsansprüche geltend machen. Ausgangspunkt sei die im Arzneimittelgesetz festgeschriebene Gefährdungshaftung. Außerdem hätten die Unternehmen notwendige Kontrollen im Herstellungsland unterlassen. Melcher vertritt eigenen Angaben zufolge bislang rund 50 Geschädigte. Es seien bereits weitere Klagen in Vorbereitung, heißt es in der "Apotheker Zeitung".


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