Unentdecktes Osteuropa Reisetrend: Der Kaukasus ist im Kommen

Der Berliner Reiseblogger John unterwegs im  Durmitorgebirge im Nordosten von Montenegro.  Foto: „1 THING TO DO Reiseblog“Der Berliner Reiseblogger John unterwegs im Durmitorgebirge im Nordosten von Montenegro. Foto: „1 THING TO DO Reiseblog“

Osnabrück. Reisen in den Osten Europas beschränkten sich bisher vor allem auf Metropolen wie Bukarest, Prag,Warschau oder die Strände an der bulgarischen Schwarzmeerküste. Zunehmend rücken aber auch bisher noch weiße Flecken auf der touristischen Landkarte in den Fokus der Reisenden.

„Die Angebote von Reiseveranstaltern werden immer vielfältiger – das gilt insbesondere für Reisen nach Osteuropa“, meint auch die Sprecherin des Deutschen Reisebüro- und Veranstalterverbandes (DRV) Ellen Madeker. Im Kommen seien aktuell vor allem der Kaukasus mit den Ländern Georgien, Armenien und Aserbaidschan.  

Wie auch andere osteuropäische Länder zeichneten sich diese Regionen durch ein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis aus. Außerdem bauten Billig-Airlines ihr Streckennetz kontinuierlich aus, so dass es immer mehr günstige Flüge in Länder Osteuropas gebe.

Trendziele Georgien und Armenien

Auch bei dem Nord- und Osteuropa -Spezialisten Schnieder-Reisen werden Georgien und Armenien als Trendziele gehandelt. Dabei zieht Georgien, das von Jahrhunderte alten Festungen, orthodoxen Klöstern und Kirchen und in den Felsen gehauenen Höhlenstädten geprägt ist, vor allem Kultur- und Studienreisende an.

Ausgangspunkt fast jeder Georgien-Reise ist die Hauptstadt Tiflis. Sie hat nicht nur eine reiche Geschichte. Kuriose Bauten, traditionelle Thermalbäder und eine raffinierte Küche locken von Jahr zu Jahr mehr Besucher an diese Schnittstelle von Orient und Okzident. Auch in Georgien liegen die Kosten weit unter dem westeuropäischen Durchschnitt.

Armenien, der erste christliche Staat der Welt, besitzt ein ähnliches reiches Kulturerbe mit hunderten mittelalterlichen Kirchen und Klöstern inmitten abwechslungsreicher Landschaften mit Wäldern, Hochebenen und schneebedeckten Bergen. In Armenien bietet Schnieder-Reisen zum Beispiel mit einer geführten Mountainbike-Tour eine Aktivreise an.

Mehr als nur Adriaküste

Für den Sprecher des Spezialveranstalters „Dreizackreisen“ Alexander Jolivet zählen Polen,Tschechien, sowie Bulgarien zum touristischen Mainstream in Osteuropa. Auch Kroatien sei stark nachgefragt. Bei einem Besuch in Kroatien haben die meisten Reisenden größere Städte, wie Zagreb, Split oder Dubrovnik und die Adriaküste als Ziel. Doch auch die Plitvicer Seen im Landesinneren sind eine beliebte Destination.

Der Geheimtipp von Reisebloggern ist aber der Krka Nationalpark, durch den die für ihre sieben Wasserfälle bekannte Krka fließt. Hier wurden unter anderem große Teile der Winnetou-Filme in den 1960er Jahren gedreht. Der Nationalpark befindet sich etwa 15 Kilometer östlich vom Küstenort Šibenik, Über 800 verschiedene Pflanzen- und über 200 unterschiedliche Tierarten erwarten die Besucher. Ob Wandern, Kanutouren oder Mountain-Bike-Fahrten inmitten der Natur, vor allem Aktivurlauber kommen hier auf ihre Kosten.

Touristische Entwicklungsländer

Zu den touristischen Entwicklungsländern in Osteuropa, die auf Wachstumskurs sind, gehören nach Angaben von Jolivet die Ukraine und Moldawien, sowie Rumänien. Auch der Balkan mit Albanien, Mazedonien und Montenegro würde aber immer stärker wahrgenommen.

In Montenegro wurde in den letzten Jahren viel in die touristische Infrastruktur investiert und im Küstenort Kotor entstanden neue schicke Hotels. Dort befindet sich auch einer der schönsten Fjorde Europas. Das hübsche kleine Städtchen mit engen Kopfsteinpflaster-Gassen und roten Dachziegel-Häusern sowie die Bucht sind bereits seit 1979 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Albanien, das nach jahrzehntelanger Isolation wieder auf dem Atlas des Tourismus auftaucht, bietet neben einer Fülle an landschaftlichen Eindrücken, stiller Natur und jahrtausendealten Kulturschätzen, eine langgestreckte Adriaküste, die Jahr für Jahr mehr Strandurlauber anzieht.

Die Strände von Ksamil 

Die südlichste Stadt Saranda wird seit 2018 sogar von Kreuzfahrtschiffen angelaufen. In der Nähe liegen auf einer Halbinsel die Strände von Ksamil inmitten eines Nationalparks. Reiseblogger zeigen sich begeistert von dem glasklaren Wasser, wie es sonst am Mittelmeer kaum zu finden ist.

Mazedonien, das inzwischen ebenfalls von Low-Cost-Airlines angeflogen wird, punktet unter anderem mit dem Ohrid-See, der einer der ältesten Seen der Welt ist und an der Grenze zum Kosovo liegt. Rund um das azurblaue Gewässer haben sich in den letzten Jahren viele günstige Unterkünfte etabliert und es werden zahlreiche Touren und Freizeitmöglichkeiten angeboten. Im Sommer lässt sich der See mit dem Fahrrad oder Auto umrunden.

Zu den Höhepunkten einer Mazedonienreise gehört aber auch die Hauptstadt Skopje mit ihren neoklassizistischen Fassaden, Balustraden und Säulen. Keine 25 Kilometer außerhalb von Skopje liegen die spektakuläre Matka-Schlucht und der gleichnamige Stausee. Bei einer Wanderung durch die Schlucht geraten auch verwöhne Reiseblogger aus aller Welt angesichts des türkisfarbenen Wassers, in dem sich die grünbewachsenen Hänge spiegeln, ins Schwärmen.

Warnung vor Overtourismus

Weitgehend „unentdeckt“ sind nach Angaben von Jolivet noch Belarus (Weissrussland), das kleine Moldawien und wegen der angespannten politischen Lage derzeit auch die Ukraine. Auch in diesen Ländern sehe er aber Zukunftspotential, betont der Experte. „Allerdings sollte man von vornherein eine gesunde Balance zwischen Tourismuswachstum und Overtourism definieren und einhalten, um Fehlentwicklungen wie in Dubrovnik und an der bulgarischen Schwarzmeerküste rechtzeitig regulieren zu können.“


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