Vom Baumhaus bis zum Schlaf-Würfel Der Trend geht zu spektakulären Übernachtungen

Inmitten einer Dünenlandschaft kann man in den futuristischen Schlafwürfeln des Hamburger Start-up Sleeperoo  übernachten. Die Sleep-Cubes werden an wechselnden Orten aufgestellt. Foto: SleeperoInmitten einer Dünenlandschaft kann man in den futuristischen Schlafwürfeln des Hamburger Start-up Sleeperoo übernachten. Die Sleep-Cubes werden an wechselnden Orten aufgestellt. Foto: Sleepero

Osnabrück. In einem Baumhaus zwischen grünen Wipfeln wohnen, im Storchendorf Meister Adebar beobachten und im Wald mit Eseln wandern. Man muss nicht in ferne Länder reisen, um Abenteuer zu erleben. Wer flugfrei und klimaschonend Urlaub machen möchte, findet auch in Deutschland jede Menge außergewöhnliche Reiseerlebnisse.

Wie man sich bettet, so ruht man bekanntlich: Wer schon immer mal an einem ungewöhnlichen Orten aufwachen wollte, für den ist der „Sleep Cube“ des Hamburger Start-up Sleeperoo genau richtig. 

Die futuristisch anmutenden Übernachtungswürfel baut das Unternehmen drinnen wie draußen jeweils zeitlich begrenzt an wechselnden Plätzen auf: Zum Beispiel auf einer Seebrücke in der Ostsee, inmitten von Dünen am Wangerlander Strand, in spannenden Museen oder auf einer mittelalterlichen Burganlage. Und passend zum Trendtier 2019 bietet Sleepero in der Sommersaison auch eine Nacht auf einer Alpaka-Farm im Sauerland an.

Die zwölf Kubikmeter großen Schlafboxen, in denen zwei Erwachsene und maximal ein Kind Platz finden, sorgten 2018 in der Vox-Gründershow für Furore. Die gesamte Ausstattung besteht aus nachhaltig produzierten Materialien. 

Inmitten einer Dünenlandschaft kann man in den futuristischen Schlafwürfeln des Hamburger Start-up Sleeperoo übernachten. Die Sleep-Cubes werden an wechselnden Orten aufgestellt. Foto: Sleepero

Drei große Panoramafenster geben den Blick auf die Umgebung frei. „Es sind Orte zum Staunen, in der Natur oder an einem besonderen Kulturspot. Die Menschen erleben diese Atmosphäre hautnah mit allen Sinnen und zwar fern von ihrem durchgetakteten Alltag“, skizziert Geschäftsführerin Karen Löhnert das Konzept. Die Schlafwürfel seien ein Möglichkeit für den kleinen Ausstieg aus dem Alltag zwischendurch und förderten das „In der Nähe bleiben" ohne große CO2 Emissionen bei der Anreise.

Das Thema Umweltschutz gewinnt zunehmend auch für die Reisebranche an Bedeutung: Nach Angaben des Portals Statista geben 70 Prozent der deutschen Bevölkerung an, sich mindestens manchmal Gedanken über die Nachhaltigkeit von Urlaubsreisen zu machen. 

Auch deshalb werden Reisen im eigenen Land immer beliebter. „Wir blicken positiv ins Jahr 2019. Der Deutschlandtourismus erzielte in den letzten Jahren stetig Rekordergebnisse – und die Zeichen stehen auch für 2019 sehr gut“, fasst Markus Aspetzberger vom Deutschen Tourismusverband (DTV) die Erwartungen der Branche zusammen. 

Nach seinen Angaben entfallen allein fast drei Viertel von rund 82 Millionen Kurzurlauben, die die Deutschen jedes Jahr machen, auf Reisen innerhalb ihres Heimatlandes. Dazu komme noch eine erhebliche Zahl von Tagesausflügen.

Kurz raus aus dem Alltag, neue Dinge erleben, die Perspektive verändern, etwas mitbringen, vom dem man erzählen kann.Markus Aspetzberger vom Deutschen Tourismusverband (DTV)

Das sei die Hauptmotivation dieser Reisenden, meint Aspetzberger. Aktivitäten wie Wandern, Fahrradfahren oder das Stand-Up-Paddeling würden deshalb immer beliebter. Ähnliches gelte für die Weinverkostung beim Winzer, kulinarische Wanderungen oder Kochkurse und vieles mehr.

Aktuell besonders hoch im Kurs stünden aber außergewöhnliche Übernachtungen, meint der DTV-Sprecher. Der Schlafwürfel des Hamburger Unternehmens Sleepero sei dafür nur ein Beispiel von vielen.

Auf der Seite Katzensprung.de werden 50 Leuchttürme für umwelt- und klimaschonende, außergewöhnliche Urlaubserlebnisse in Deutschland vorgestellt. Auch für Pressesprecherin Mareike Schiffels ist der Trend zu ungewöhnliche Unterkünften ein Thema. „Einmal mit Freunden oder Familie im Hängezelt im Baum schlafen oder die Nacht unterm Sternenhimmel verbringen. 

Diesen Wunsch möchten sich im Urlaub immer mehr Menschen erfüllen“, meint sie. Gefördert wird die Plattform vom Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz.

Unter dem Motto „Kleine Wege. Große Erlebnisse.“ werden auf Katzensprung.de vom Baumhaus, über den Schäferwagen auf der Streuobstwiese eines Gasthofes in der Rhön bis hin zur Übernachtung in einem komfortablen Strandkorb am Ostseestrand verschiedene Möglichkeiten vorgestellt. 

Nicht für Schlafwandler geeignet ist das Angebot für eine luftige Übernachtung mit spektakulärer Aussicht im Naturpark Saar-Hunsrück. Abenteurer können hier in Zelten in zwei bis drei Meter über dem Boden übernachten. Die Teilnehmer sollten auch schwindelfrei sein. Denn die sogenannten „Cloefhänger“ spannen sich direkt über die Kante der Saarsteilhänge.

Ein Experte beringt die jungen Störche. Foto: Thomas Könning

Auch Tierbeobachtungen spielen im Angebot von Katzensprung eine große Rolle. Denn „Natur erleben“ gehört zu den wichtigsten Urlaubsmotiven der Deutschen. Anfang November 2018 wurde die Seite als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt gewürdigt. Diese Ehrung wird an Projekte verliehen, die sich in nachahmenswerter Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt einsetzen.

Wie wäre es zum Beispiel mit einem Aufenthalt im Storchendorf Rühstädt in Brandenburg, wo von April bis August rund 70 Störche zusammenleben und ihren Nachwuchs aufziehen? Im Besucherzentrum lädt der Naturschutzbund (NABU) ganzjährig zur Ausstellung über den „Weltenbummler Adebar“ ein. Das Gebiet ist zudem Teil des UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe.

Eine wohlverdiente Pause gönnen sich im Bayrischen Wald der junge Wanderer und sein Esel. Foto: ReNatour

Im Bayerischen Wald, dem ältesten deutschen Nationalpark mit echter Wildnis, können sich Wanderer von einem Esel begleiten lassen. Ein ähnliches Angebot gibt es in der Uckermark. In Egling/Paar, eine Stunde südlich von München, läuft sogar ein Rudel Huskies mit. Und im Naturpark Elbhöhen-Wendland kann der Besucher in Expertenbegleitung mit etwas Glück auf einen Wolf treffen.

Bodenständiger geht es auf der Arche Warder zu, einem Projekt zum Schutz bedrohter Haustierarten nahe Kiel. Hier kann man schwimmende Schweine beobachten, mit Eseln kuscheln oder Gänse füttern.

Raum für vielfältige Aktivitäten bietet der Erlebnispark :metabolon auf einer ehemaligen Mülldeponie im Naturpark Bergisches Land nahe Gummersbach. Wo früher Mülltransporter den Berg hoch- und runterpflügten sind heute Mountainbiker unterwegs, Paraglider kreisen über dem Gelände. Highlight aber sind die langen Rutschen, auf denen man die ehemalige Deponie hinuntersausen kann.

Highlight im Erlebnispark :Metabolon sind sind die langen Rutschen, auf denen man die ehemalige Deponie hinuntersausen kann. Foto: Bergischer Abfallwirtschaftsverband (BAV)

Im Informationszentrum der Anlage wird einfach und nachvollziehbar erklärt, was hinter den Kulissen einer Deponie abläuft. Außerdem erfährt der Besucher, wie man Plastikmüll und Müll generell vermeiden kann und was passiert, wenn wir immer mehr Müll erzeugen und die Ressourcen ausgehen. :Metabolon gilt als ein Beispiel dafür, wie Strukturwandel gelingen kann.

Den aktuellen Trend zu kleinen Erlebnissen und kurzen Wegen machte vor allem der britische Abenteurer, Blogger, Redner und Buchautor Alastair Humphreys bekannt. Humphreys hat mit seinem Rad die Welt umrundet, die Sahara durchquert und ist durch Indien gewandert. 

Zu Alastair Humphreys' Abenteuern gehört eine Reise mit einem Schlauchboot über Islands größten Fluss Thjorsa. Foto: imago/Aurora Photos/Christopher Herwig

Irgendwann aber hatte der zweifache Familienvater davon genug. Er wollte zeigen, dass auch Menschen mit wenig Zeit und Geld Abenteuer erleben können. „Auch vor der eigenen Haustür lässt sich jede Menge Neues entdecken“, lautet sein Credo.


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