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Tourismus Kreuzfahrttrends: Traumschiffe für jedermann

Panoramablick auf Lissabon von der Joggingstrecke der Mein Schiff 2. Foto: Elke SchröderPanoramablick auf Lissabon von der Joggingstrecke der Mein Schiff 2. Foto: Elke Schröder

Osnabrück.. Kreuzfahrtboom ohne Ende: Allein in diesem Jahr sollen 21 Neubauten in Dienst gestellt werden – so viele wie nie. Von der Erholungsreise, Aktiv- und Entdeckerurlaub: Für jeden Geschmack soll es ein Angebot geben. Ein Blick auf aktuelle Trends.

„Nach jedem Landgang kommen wir in eine gewohnte Umgebung zurück“, sagt das in Hochsee-Kreuzfahrten erfahrene Paar Martin und Jasmin aus Köln – und wird kurz vom Kellner unterbrochen, der ihnen diskret eine Sachertorte zum Kaffee anbietet.

Seit 2013 stechen der 59-Jährige und die 49-Jährige zweimal im Jahr mit einem deutschsprachigen schwimmenden Hotel in See, ihr bevorzugtes Ziel ist eigentlich die Karibik. Doch nun, bei ihrer zwölften Kreuzfahrt, sind sie beim Stammgäste-Empfang von Tui Cruises in der Schaubühne auf der neuen Mein Schiff 2, die im Hafen von Lissabon liegt.

„Wir wollen immer etwas anderes erleben“ 

 „Das eigene Zimmer ist immer dabei, aber jeder Ort, an dem man an Land geht, hat ein anderes Flair“, beschreibt Jasmin die Faszination dieser Reiseart. „Wir nehmen uns jedes Mal Zeit vor Ort, um in ein Café oder ein Restaurant zu gehen, und kehren nicht zum Mittag ins Schiff zurück, nur weil dort alles inklusive ist“, betont Jasmin. „Wir wollen immer etwas anderes erleben.“

Es ist gerade wenige Tage her, dass das von der Meyer Werft im finnischen Turku gebaute neue Kreuzfahrtschiff in der portugiesischen Hauptstadt vor der spektakulären Kulisse der Ponte 25 de Abril von Glasperlenspiel-Sängerin Carolin Niemczyk getauft und besungen wurde. Wie die baugleiche Mein Schiff 1 ist der sechste Neubau der Hamburger Reederei für maximal 2894 Gäste ausgelegt.

Kann man in Gesellschaft von über 2000 Menschen auf einem Hochsee-Kreuzfahrtschiff auch mal alleine den Meerblick an einem sonnigen Seetag genießen? Das geht, beispielsweise abgeschirmt in einem Strandkorb. Foto: Elke Schröder

Glitzerndes Wasser, strahlend blauer Himmel über dem Meer oder Flusslauf, traumhafte Sonnenuntergänge am Horizont, Party auf dem Pooldeck, Selfie mit einem prominenten Künstler, Rad fahren oder Yoga im Fitnessstudio, während man das Schiff sanft über die Wellen gleiten sieht, fast jeden Tag in einem anderen Hafen aufwachen und dabei nur einmal den Koffer auspacken: Jeder Kreuzfahrer hat seinen eigenen Traum vom Urlaubsschiff und nimmt dafür auch in Kauf, dass er sich nach jedem Landgang einer Sicherheitskontrolle wie auf dem Flughafen unterziehen muss. Im Dezember 2018 bestätigte die Stiftung Warentest zuletzt den vier großen Anbietern auf dem deutschen Markt Aida, Costa, MSC und Tui Cruises „ein hohes Sicherheitsniveau“.  

Der internationale Kreuzfahrtverband CLIA rechnet damit, dass 2019 weltweit rund 30 Millionen Passagiere eine Kreuzfahrt machen werden, was einem Wachstum von sechs Prozent entspricht. Allein hierzulande buchten 2017 laut CLIA 2,19 Millionen Passagiere eine Kreuzfahrt. Nie waren sie für Verbraucher so erschwinglich wie heute. Möglich machen dies immer mehr und größere Schiffe. Allein in diesem Jahr sollen 21 Neubauten in Dienst gestellt werden – so viele wie nie.  

Mit Jon Bon Jovi in See stechen

Und die Reedereien versuchen, sich immer mehr auf individuelle Ansprüche ihrer Gäste einzustellen. Bei den neuen großen Schiffen geht der Trend zu mehr Balkonkabinen – bei über 2000 Mitreisenden garantieren sie an sonnigen Seetagen einen Rückzugsort mit Meerblick. Dass von den neuen Schiffen zehn Expeditionsschiffe sind, darunter welche mit Kapazitäten nur für 100 Passagiere oder weniger, zeigt einen leichten Gegentrend zum Massentourismus mit großen Hochsee-Kreuzfahrtschiffen. Laut CLIA gibt es ein wachsendes Bedürfnis vor allem bei einer jüngeren Generation, touristisch noch nicht so eroberte Ziele, beispielsweise die Galapagosinseln und die Antarktis, anzusteuern.  

Zudem sieht der Verband eine Nachfrage nach „authentischen Erlebnissen“, die die Reedereien mit kulinarischen oder sportlichen Themenreisen mit diversen Workshops anbieten, sowie schwimmenden Musikfestivals von Udo Lindenbergs "Rockliner", wieder im Mai auf der Mein Schiff 1, über Jon Bon Jovis Mittelmeerkonzerte im August auf der Norwegian Pearl bis hin zu Geiger David Garrett, der Ende Oktober mit der Queen Mary 2 ab Hamburg in See sticht.

Arbeit und Freizeit an Bord verbinden – auch diesen Trend sieht CLIA: Verbesserte W-Lan-Möglichkeiten an Bord, Schreibtische und „arbeitsfreundliche Cafés“ sollen dies ermöglichen. Den Urlaub so persönlich wie möglich im Massenbetrieb zu gestalten, dazu setzen einige Reedereien bereits auf Sprachassistenten oder Schlüsselbänder mit smarter Technik.

Keine Kreuzfahrt ohne Show: Blick ins Theater der Mein Schiff 2. Foto: Elke Schröder


Wichtiges Thema, das die Branche und auch Urlauber wie die Kölner Vielfahrer umtreibt, ist die Diskussion um Umweltverschmutzung und Übertourismus. Ein Test der Stiftung Warentest 2018 zeigte, dass die Schiffe in Nord- und Ostsee sauberer sind als in außereuropäischen Gewässern, aufgrund von strengeren Umweltanforderungen: „Schweröl darf beispielsweise nur mit Abgasfilter eingesetzt werden“, so Warentest. Bemühungen der Reederei um Nachhaltigkeit und die Reduzierung von Stickoxid-Emissionen seien für sie bei der Wahl des Schiffs mittlerweile ebenfalls ein entscheidendes Kriterium.

Die Neubauten Mein Schiff 1 und 2 verfügen laut Tui Cruises über Katalysatoren für die Haupt- und Hilfsmaschinen. Vor wenigen Tagen begegnete das frisch getaufte Schiff vor den Kanarischen Inseln dem weltweit ersten komplett mit Flüssigerdgas (LNG) betriebenen Kreuzfahrtschiff, der Aidanova. Sowohl Tui Cruises als auch MSC Cruises planen bereits LNG-Neubauten.  (Weiterlesen: So sieht es auf der Aidanova aus)

Es habe sich bisher überall auf seinen Reisen willkommen gefühlt, erzählt das Kölner Paar, noch bevor der General Manager den Empfang offiziell eröffnet. Es räumt aber im Hinblick auf populäre Ziele wie Amsterdam, Venedig, Dubrovk ein: „Die Kritik gibt es natürlich: Wenn große Schiffe anlegen, kommen viele Menschen in die Städte. Aber wenn sich 2000 Menschen mit Dieselauto und Wohnwagen auf den Weg in den Campingurlaub im Süden machen, ist das für die Umwelt auch nicht schonender.“


Tipps für die erste Kreuzfahrt

Welches ist das das passende Schiff? Vor der Buchung im Reisebüro vor Ort oder im Netz so sollte man sich über seine individuellen Bedürfnisse klar werden: Soll die Route das Ziel sein oder das Schiffserlebnis?

Ein weiteres Kriterium: Bevorzugt man Buffet-Restaurants oder Service am Tisch? Bei „All-inclusive“-Angeboten lohnt es sich, genau hinzuschauen, welche Leistungen wirklich bereits im Reisepreise enthalten sind. Laut Brancheninsidern, so erklärt die Stiftung Warentest, „bestreiten die Reedereien ein Drittel des Umsatzes mit den Zusatzangeboten an Bord“.  

Wer mit den Daheimgebliebenen auch auf See in Kontakt bleiben will, sollte sich darüber informieren, wie die Mobilfunktarife an Bord aussehen.

Wann ist die beste Reisezeit? Die Stiftung Warentest empfiehlt Folgendes: Mittelmeerfahrten in der Zeit von April bis Oktober, Karibik von November bis Mai und Nord- und Ostseefahrten zwischen Mai und Mitte September.  

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