Verschwendung von Lebensmitteln Abfallvermeidung: So funktionieren intelligente Verpackungen

Zu den intelligenten Verpackungen gehören auch QR-Codes. Foto: dpa/Federico GambariniZu den intelligenten Verpackungen gehören auch QR-Codes. Foto: dpa/Federico Gambarini

Berlin/Hamburg. Viele Lebensmittel landen in der Tonne. Die Bundesregierung will den Abfall reduzieren. Dabei helfen könnten intelligente Verpackungen. Was ist davon zu halten?

440.000 Sattelschlepper seien laut der Verbraucherzentrale nötig, um die Menge an Lebensmitteln, die pro Jahr in Deutschland in der Tonne landen, abzutransportieren. Aufgereiht reiche die Kette der Fahrzeuge etwa von Lissabon bis nach Oslo – und zurück. Die Strecke ist rund 7000 Kilometer lang.

Nach Angaben der Bundesregierung sind es elf Millionen Tonnen Lebensmittel, die jährlich in Deutschland weggeschmissen werden, 4,4 Millionen Tonnen sind es laut einer aktuellen Studie für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in den privaten Haushalten.


Bis 2030 soll die gesamte Abfallmenge deutlich reduziert werden – nach Vorgaben der EU um die Hälfte. Deutschland muss reagieren.

Verantwortlich ist Ernährungsministerin Julia Klöckner. Am Mittwoch präsentierte die CDU-Politikerin im Kabinett dafür eine "Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung". Teil der Strategie ist auch eine Forschungsförderung von 14 Millionen Euro. Dabei geht es etwa um "intelligente" Packungen, die die Verzehrbarkeit anzeigen.

Das Problem mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum

Neu ist die Idee nicht. Schon Klöckners Vorgänger Christian Schmidt (CSU) setzte auf intelligente Verpackungen zur Vermeidung von Abfällen. Diese könnten laut Bundeszentrum für Ernährung (BZFE) wesentlicher präziser sein als das Mindeshaltbarkeitsdatum (MHD), das häufig kritisiert wird, weil es wenig über die eigentliche Frische eines Produktes aussagt. Das MHD ist bis zum Ablauf lediglich eine Garantie der Hersteller für die Produkteigenschaften, vorausgesetzt die empfohlenen Lagerungsbedingungen werden eingehalten.

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Anders als das MHD könnten intelligente Verpackungen möglicherweise die Frische eines Produkts sicherstellen, indem sie den Zustand der Lebensmittel überwachen und Informationen an den Verbraucher liefern. Das könnte beispielsweise durch Farbänderungen bei zunehmender Lagerdauer, bei Unterbrechung der Kühlkette oder bei undichter Verpackung geschehen. Händler und Verbraucher können dadurch erkennen, ob ein kritischer Grenzwert überschritten ist, etwa zur Frische oder Temperatur.

So funktionieren intelligente Verpackungen 

  • Frische-Indikatoren

Auf die Frische eines Produkts können Sauerstoff- oder Schwefeldioxid-Indikatoren hinweisen. Erprobt werden laut Verbraucherzentrale Flaschen mit Frische-Indikatoren, die ihre Farbe ändern, wenn der Inhalt nicht mehr genießbar sei. Dieses Prinzip könnte auch bei weiteren Lebensmitteln wie abgepackter Wurst oder verpacktem Käse zur Anwendung kommen. Noch sei das Verfahren jedoch mit hohen Kosten verbunden, was die Verpackungen verteuerten. In Ländern wie den USA, Schweden und Frankreich seien Etiketten, die den Frischegrad von Lebensmitteln durch Farbveränderung anzeigten, bereits im Einsatz. In den USA und Neuseeland gebe es überdies Systeme, die den Reifegrad von Obst bestimmen können.

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  • Zeit-Temperatur-Messer 

In den USA benutzt man laut Verbraucherzentrale bereits Zeit-Temperatur-Indikatoren (TTI), die auf UV-Lichtmengen mit Farbveränderungen reagieren. Auf Verpackungen von Fisch- und Meeresfrüchten seien diese Marker bereits verpflichtend. Durch sie soll der gesamte Weg, den ein Produkt durchläuft, aufgezeichnet werden. 

  • Funkchips

Funkchips können auf einer Verpackung kleben oder in diese integriert werden. So lassen sich etwa das Herstell- oder Abfülldatum abspeichern und mit entsprechenden Lesegeräten abrufen. Außerdem bieten die Funkchips Schutz vor Produktpiraterie und Diebstahl. Schlecht für den Datenschutz ist allerdings, dass sie auch Vorlieben der Verbraucher beim Einkauf erfassen können.

  • Barcodes 

Informationen auf Verpackungen können auch über Strich- oder QR-Codes transportiert werden. Verbraucher können diese mit ihrem Smartphone auslesen und erhalten außer Werbung oftmals auch Angaben zu Herkunft, Produktionsbedingungen und Inhaltsstoffen. 

Hürden beim Einsatz

Laut BZFE können intelligente Verpackungen dazu beitragen, den Lebensmittelabfall zu reduzieren. Allerdings gebe es auch noch einige Hürden, die den Einsatz bislang noch deutlich begrenzen. So befürchten Handel und Lebensmittelproduzenten, Verbraucher könnten Ware mit verfärbtem Frische-Anzeiger zurück ins Regal legen. Zudem könnte das Vertrauen in eine bestimmte Marke leiden, wenn öfters farblich veränderte Etiketten zu sehen seien. Auch seien die Kosten mit fünf Cent pro Verpackungseinheit noch recht hoch.

NOZ-Kommentar: Lebensmittel im Müll: Was für ein verschwenderischer Wahnsinn!

Mit dpa


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