Ärger um Lebensmittel-Portal Dehoga legt sich mit Foodwatch an: Ist "Topf Secret" illegal?

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Besonders bei rohem Fisch ist es wichtig, dass es in hygenischer Umgebung zubereitet wird. Das Onlineportal "Topf Secret" kann darüber Auskunft geben. Foto: imago/Frank SorgeBesonders bei rohem Fisch ist es wichtig, dass es in hygenischer Umgebung zubereitet wird. Das Onlineportal "Topf Secret" kann darüber Auskunft geben. Foto: imago/Frank Sorge

Köln/Hamburg. Mit dem Onlineportal "Topf Secret" lässt sich herausfinden, wie sauber die Restaurants in Deutschland sind. Dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband ist das Portal offenbar ein Dorn im Auge. Der Verband hält es für rechtswidrig. Die Stadt Köln ist jetzt auf eine gestreute Falschinformation reingefallen, rudert nun aber zurück.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hat die neue Internet-Plattform "Topf Secret" gemeinsam mit der Initiative "Frag den Staat" gestartet. Sie werfen den Lebensmittelbehörden einen Mangel an Transparenz vor. Bislang veröffentlichten Behörden nur in Ausnahmefällen, wie es um die Sauberkeit in den Betrieben bestellt ist. Da Verbraucher jedoch ein Recht auf diese Information haben, soll "Topf Secret" Nutzer bei Anfragen an Behörden unterstützen. Zudem werden die Informationen zentral gesammelt und veröffentlicht. 

Unter www.topf-secret.foodwatch.de können nun die Ergebnisse von Hygienekontrollen in Restaurants, Bäckereien und anderen Lebensmittelbetrieben abgefragt werden. Mitte Januar ging das Portal an den Start. Die Resonanz war riesig, sagt Foodwatch. Schon zwei Wochen nach Start hatten Verbraucher bei den zuständigen Behörden mehr als 15.000 Hygiene-Berichte beantragt.

Verbraucherportal rechtswidrig?

Nun aber erheben Foodwatch und "Frag den Staat" schwere Vorwürfe gegenüber dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Dieser habe auf seiner Webseite behauptet, die Veröffentlichung von Hygiene-Kontrollberichten auf dem Verbraucherportal sei "rechtswidrig". Foodwatch und "Frag den Staat" hätten zum "Rechtsbruch" aufgerufen, denn "ausschließlich die zuständigen Behörden" dürften über Hygienemängel informieren. Die entsprechende Meldung auf dem Online-Auftritt des Dehoga ist inzwischen verschwunden.

Diese veröffentlichte Rechtsauffassung des Dehoga führte dazu, dass das für die Stadt Köln zuständige Verbraucherschutzamt seit Montag dieser Woche einen Hinweis verschickte, dass "die Veröffentlichung der Kontrollergebnisse über das Internet untersagt ist". Damit handelte die Stadt Köln sogar gegen die Auffassung des Spitzenverbands der Lebensmittelwirtschaft (BLL). Dieser teilte die Auffassung des Dehoga ausdrücklich nicht. Das zeigt ein internes Schreiben an die Mitglieder des BLL – darunter auch der Dehoga. Antragssteller dürfen demnach sehr wohl die erlangten Infos auf "Topf Secret" veröffentlichen. 

Stadt Köln macht Rückzieher

"Mit Falschaussagen versucht die Gastro-Lobby, die Öffentlichkeit und Behörden einzuschüchtern, um eine ungeliebte Transparenzinitiative für Hygiene in Gaststätten aus dem Weg zu räumen", erklärte Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei Foodwatch. 

Mittlerweile hat die Stadt Köln reagiert. Auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigte die Presseabteilung der Domstadt, dass das Umwelt- und Verbraucherschutzamt diesen Hinweis künftig nicht mehr versenden wird. "Alle Verbraucher sollen Anspruch auf Information über bestimmte Daten und Produkte erhalten, die den Behörden vorliegen", sagt Pressesprecherin Sabine Wotzlaw.

Beim Dehoga widersprach man den Darstellungen von Foodwatch und "Frag den Staat" auf Nachfrage unserer Redaktion nicht. Ein Statement hierzu soll es jedoch erst "im Laufe der Woche" geben. 


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