Schwere Mängel? Öko-Test vergibt "ungenügend" für Nesquik: Jetzt reagiert Nestlé

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Das schlechteste Kakaopulver im Öko-Test: Nestlé Nesquik. Foto: imago/NewscastDas schlechteste Kakaopulver im Öko-Test: Nestlé Nesquik. Foto: imago/Newscast

Frankfurt/Vevey. Zu viel Zucker und stark mit Mineralölrückständen verunreinigt? In einem Kakaopulver-Test des Verbrauchermagazins Öko-Test erhält Kakao Nestlé Nesquik die Note "ungenügend" und landet auf dem letzten Platz. Jetzt äußert sich der Konzern Nestlé.

"Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht besteht ein ausgewogenes Frühstück aus einem Getreideprodukt, einem Milchprodukt, einem Stück Obst oder Gemüse und einem Glas Wasser. Ein Glas Nesquik kann hier als Milchportion seinen Beitrag leisten." So wirbt Nestlé für sein Kakaopulver. Doch wie viel Kakao steckt eigentlich in so einem Pulver – und wie viel Zucker? Um das herauszufinden, hat das Verbrauchermagazin Öko-Test 13 kakaohaltige Getränkepulver untersucht, die sich in ihrer Werbung direkt an Kinder richten. 

"Ungenügend" für Nestlé Nesquik

Das Ergebnis: Nur ein Kakao bekommt die Note "sehr gut" und ist somit laut Öko-Test empfehlenswert. Sieben Kakaos schneiden mit "gut" ab, die anderen Testteilnehmer landen im Mittelfeld. Ein Pulver allerdings fällt den Testern besonders negativ auf: Mit der Note "ungenügend" landet Nestlé Nesquik auf dem letzten Platz. 

Das Produkt enthalte unter anderem stark erhöhte Gehalte an Mineralölbestandteilen (MOSH/POSH) und zu viel Zucker. "Allein für die Mineralölrückstände ziehen wir zwei Noten unter dem Teilergebnis Inhaltsstoffe ab, für den erhöhten Zuckergehalt pro Portion und die zugesetzten Vitamine jeweils eine Note", schreibt Öko-Test

Mineralölrückstände können zu Organschäden führen

Tierversuche haben gezeigt, dass Mineralölgemische zur Entzündung in der Leber, den Herzklappen und zu Histiozytose in Lymphknoten führen können. In Lebensmittel können Rückstände davon beispielsweise durch die Verpackung gelangen. Kakaobohnen und Zucker können laut Öko-Test aber auch schon während der Produktion etwa mit Schmierölen in Kontakt kommen.

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Auch die Nestlé-Empfehlung zwei bis drei gehäufte Teelöffel Kakaopulver in ein Glas Milch zu mischen, sei laut Öko-Test viel zu viel: "Der dadurch entstandene Zuckergehalt ist bereits mehr als die Hälfte der empfohlenen Tagesmenge für Kleinkinder. Ein bis maximal zwei Teelöffel reichen absolut aus."

Nestlé: Keinerlei Anlass für gesundheitliche Bedenken

Das Ergebnis des Tests wolle Nestlé laut Öko-Test "so nicht akzeptieren". Man habe Zweifel an der Testmethode für Mineralöl, die das von Öko-Test beauftragte Labor verwendet. Das Verbrauchermagazin wehrt sich dagegen: "Bei der Methode, die das von uns beauftragte, dafür akkreditierte Labor verwendet, handelt es sich allerdings nicht um irgendeine, sondern um ein Verfahren nach DIN-Norm. Und eine unabhängige Studie, die die Zweifel von Nestlé stützt, legte der Konzern uns nicht vor", heißt es in der Ausgabe.

Auch bei Facebook haben Kunden den Konzern mit den Testergebnissen konfrontiert. "Aufgrund der sehr schlechten Testergebnisse von Nesquik bei Öko-Test, würden wir gerne unsere noch ungeöffnete Packung zurückgeben und unser Geld zurückbekommen. Bitte nennen Sie mir hierzu einen Lösungsvorschlag", schreibt ein Nutzer. 

Das Unternehmen antwortet dazu: "Nesquik Kakaogetränkepulver ist sicher und entspricht den deutschen lebensmittelrechtlichen Anforderungen in jeder Hinsicht. Die von Öko-Test veröffentlichten Ergebnisse geben keinerlei Anlass für gesundheitliche Bedenken oder eine Änderung des Verzehrverhaltens. Die von Öko-Test vergebene Beurteilung setzt sich aus verschiedenen Kritikpunkten zusammen. Neben einer Abwertung um zwei Noten für den Nachweis von Kohlenwasserstoffanteilen aus Mineralölen oder Kunststoff MOSH/POSH wurde das Produkt aufgrund von werblichen Aussagen, dem Zuckergehalt und enthaltenen Vitaminen abgewertet." 

Kunde will jetzt selbst Kakao mischen

Und weiter: "Einige dieser weiteren Kritikpunkte entbehren jeder sachlichen Grundlage, wie beispielsweise die Forderung nach einer Angabe von Referenzmengen der Nährwerte für Kinder. Diese Angaben sind gesetzlich in Europa leider nicht erlaubt. Der analytische Nachweis von Mineralöl-Bestandteilen ist sehr aufwändig und komplex. Die Ergebnisse hängen von der jeweiligen Untersuchungsmethode ab. Es wird unserer Meinung nach derzeit kein einheitliches Verfahren angewendet, das einen eindeutigen und klaren Nachweis von Mineralölbestandteilen in Lebensmitteln erlaubt. Für Verbraucher, die Kakaogetränkepulver mit weniger Zucker bevorzugen, bieten wir Nesquik zuckerreduziert mit Ballaststoffen an – eine Produktalternative mit 30 Prozent weniger Zucker im zubereiteten Getränk."

Der Nutzer gibt sich damit nicht zufrieden. Er antwortet dem Unternehmen: "Sie gehen hier leider nicht auf meine Frage ein. Ich werde die Packung also entsorgen und vertraue hier lieber Öko-Test als Ihnen. Da ist mir die Gesundheit meiner Kinder doch wichtiger." Und etwas später hat er noch einen Tipp: "Wir mischen jetzt selbst... Kakao-Pulver in 70 Prozent Bio-Qualität mit 30 Prozent Puderzucker. Schmeckt sehr lecker und ist gesünder!"


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