Men at Work, Meeple Circus, Tokyo Highway, Menara Vier Geschicklichkeitsspiele, die viel schöner als Jenga sind

Vier Geschicklichkeitsspiele, die wahre Hingucker sind (von oben links nach unten rechts): Tokyo Highway, Meeple Circus, Menara und Men At Work. Fotos: Karsten GrosserVier Geschicklichkeitsspiele, die wahre Hingucker sind (von oben links nach unten rechts): Tokyo Highway, Meeple Circus, Menara und Men At Work. Fotos: Karsten Grosser

Osnabrück. Sind Deine Hände ruhig genug für diese vier Geschicklichkeitsspiele? Das jeweilige Thema setzen Men at Work, Meeple Circus, Tokyo Highway und Menara hervorragend um. Doch spielerisch halten nicht alle das Gleichgewicht. Wir haben zwei Favoriten.

Jenga ist wohl eines der populärsten Geschicklichkeitsspiele. Wer kennt nicht den Turm, aus dessen unteren Ebenen wir Holzklötzchen ziehen, um sie oben wieder abzulegen – solange, bis alles in sich zusammenfällt. Thematisch bleibt der Klassiker abstrakt. Ganz im Gegensatz zu diesen vier Spielen: 

Men At Work

Men At Work simuliert den Hochhausbau im New York der 1930er Jahre. Die auf Tisch oder Spieleschachtel entstehenden Gebilde beeindrucken durch eine auffallende Optik. Zwar wachsen sie nicht wie ein Miniatur-Wolkenkratzer bis an die Zimmerdecke, aber das Material ist stimmig und hochwertig. Anlehnend an die berühmte Fotografie "Men At Lunch", die Bauarbeiter in luftiger Höhe auf einem Stahlträger sitzend zeigt, bauen wir auch hier mit Stahlträgern. Bei Men at Work sind diese aus Holz – wie auch die knuffigen Bauarbeiter mit Helm, die mitunter Balken und (Holz-)Bausteine auf den Schultern balancieren müssen. Allerdings sind die Aufgaben so vielfältig und manchmal auf den Karten auch nicht so genau formuliert, dass wir immer wieder in der Anleitung nachschauen müssen, wo und wie Stahlträger oder Bauarbeiter platziert werden müssen.

Foto: Karsten Grosser

Manche Aufgaben meistere ich locker, andere sind eine Herausforderung und verlangen eine besonders ruhige Hand. Vor allem dann, wenn das wachsende Gebilde immer wackliger wird. Je fragwürdiger die Statik aussieht, desto länger halten wir den Atem an.

Die Schwächen des Spiels stecken in den Regeln: Wer zu viele Unfälle auf der Baustelle verursacht und schließlich sein letztes Sicherheitszertifikat verliert, scheidet aus und darf die mitunter recht lange Restspielzeit nur noch zugucken. Je mehr Material bei den Unfällen herunterfällt, desto riskanter wird zudem das Aufräumen für den nachfolgenden Spieler; fällt dabei zusätzliches Material herunter, rückt auch für ihn das Aus immer näher. Das fühlt sich nicht immer fair an. Gleichwohl bietet Men At Work genügend Potenzial für mutige und geschickte Bauarbeiter. Vor allem die seltenen Siege, die durch wiederholte Höhenrekorde erlangt werden, sorgen für ein Hochgefühl.


Spielogramm

Men At Work
  • Autorin: Rita Modl
  • Verlag: Pretzel Games/Pegasus Spiele
  • Spieler: 2 bis 5
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: 30 bis 45 Minuten
  • Würfelwert: 4 (gut)

Meeple Circus

Hereinspaziert! Menschen, Tiere, Sensation im Meeple Circus. In diesem thematisch überragenden Geschicklichkeitsspiel versuchen wir, unsere kleinen hölzernen Artisten in der Manege so zu stapeln, dass wir möglichst viele Zuschauerwünsche erfüllen und dabei noch Höchstleistungen erbringen. Für die erste Aufführung stehen noch relativ wenig Meeple (so heißen die Figuren in der Form, die wir vor allem aus Carcassonne kennen) und Requisiten zur Verfügung. Doch mit jeder Aufführung nimmt die Zahl zu, sodass die Kunststücke immer komplexer werden können – und auch sollten. Balken und Fässer können ebenso in die Darbietungen integriert werden wie Pferde und Elefanten.

Foto: Karsten Grosser

Typische Zirkuslieder, die mittels der zugehörigen und frei verfügbaren App abgespielt werden können, sind der Timer für die Akrobatikübungen. Nur, was am Ende des Liedes noch in der Manege steht, wird gewertet. Fällt etwas kurz vor Schluss herunter, wächst der Zeitdruck. Während der beiden ersten Aufführungen stapeln alle Spieler gleichzeitig, bei den abschließenden Gala-Aufführungen geht es reihum. Denn in dieser Runde gilt es nicht nur, eine ruhige Hand zu beweisen, sondern auch aufmerksam zu bleiben. Denn bei bestimmten Klängen muss der Spieler etwas Albernes tun. Für manche ist das witzig, für andere affig. Auf jeden Fall ist es besonders.

Wenn die Faszination über die optische Gestaltung nachlässt, fällt aber auch auf, dass Meeple Circus vor allem einen großen Verwaltungsaufwand bedeutet. Das eigentliche Spiel, die Geschicklichkeitsaufgaben, nehmen nur einen kleinen Teil der Spielzeit ein. Zwar fällt auch der Auswahl der Requisiten ein hohes Gewicht zu, weil sich jeder bereits überlegt, welche Zuschauerwünsche mit welchen Holzteilen am besten zu erfüllen sind. Das sorgt dann aber für eine gewisse Langatmigkeit.


Spielogramm

Meeple Circus
  • Autor: Cédric Millet
  • Verlag: Pegasus Spiele
  • Spieler: 2 bis 5
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: 30 bis 60 Minuten
  • Würfelnote: 3 (ordentlich)

Tokyo Highway

Die Straßen sehen aus wie die hölzernen Mundspatel, die Ärzte benutzen. Nur etwas schmaler. Manche fühlen sich auch an Eisstiele erinnert. Bei Tokyo Highway werden sie genutzt, um ein Netz aus Autobahnen zu konstruieren. Ein Highway-Geflecht, in dem es wahrlich drunter und drüber geht. Vorbild ist der Shuto Expressway in der japanischen Hauptstadt. Der wesentliche Unterschied zum Original dürfte die Verkehrsdichte sein, denn im Spiel sind Autos eher Dekoration. Aber nicht nur, denn es gewinnt, wer zuerst all seine Autos auf den Straßen untergebracht hat. Das ist immer dann erlaubt, wenn eine neu gelegte Straße den Weg eines Mitspielers kreuzt – entweder unter- oder oberhalb.

Foto: Karsten Grosser

Um die nötigen Höhenunterschiede zu erreichen, werden Pfeiler platziert. Was durchaus taktische Überlegungen erfordert. So grandios das wachsende Straßennetz irgendwann aber aussieht, es bringt auch Spielprobleme mit sich. Erstens: Das Gebilde wird zunehmend fragiler. Wer etwas einreißt, verliert Pfeilerbausteine und muss das Netzwerk wieder herrichten. Eine Aufgabe, die nervtötend oder gar kaum möglich sein kann. Gravierender jedoch ist der Fakt, dass die Regel die in Spielerreihenfolge vorn sitzenden Highway-Architekten bevorteilt. Schade.


Spielogramm

Tokyo Highway
  • Autor: Naotaka Shimamoto und Yoshiaki Tomioka
  • Verlag: Itten/Asmodee
  • Spieler: 2 bis 4
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: 30 Minuten
  • Würfelnote: 2 (mäßig)

Menara

Früher habe ich mit meinen Kindern Kugelbahnen aufgebaut und Bob der Baumeister geguckt. Daran erinnert mich nun Menara – ein kooperatives Geschicklichkeitsspiel! Können wir das schaffen? Yo, wir schaffen das! Für Spiele wie dieses wurde das Wort Aufforderungscharakter erfunden. Gemeinsam bauen wir aus Tempelböden und Säulen einen fantastischen Turm. Ein Gebilde, das Etage für Etage wächst. 

Menara. Foto: Karsten Grosser

Jeder Zug ist eine Bauaufgabe. Zum Beispiel müssen Säulen hinzugefügt werden. Aber habe ich Säulen in den nötigen Farben in meinem Vorrat? Wird die Aufgabe nicht erfüllt, nimmt die erforderliche Höhe für den finalen Turm zu und das macht die Herausforderung kniffliger und den Turm womöglich wackliger. Wann wagen wir uns an schwierige Vorgaben? Der wiederkehrende Balanceakt zwischen Sicherheit und Risiko ist der reizvolle Kern des Spiels. Die Spannung trägt bis zum Schluss, weil immer noch etwas passieren kann. Gleichwohl nimmt die Faszination – einhergehend mit der mitwachsenden Erfahrung – nach einigen Partien auch etwas ab.


Spielogramm

Menara
  • Autor: Oliver Richtberg
  • Verlag: Zoch
  • Spieler: 1 bis 4
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: 45 Minuten
  • Würfelnote: 4 (gut)


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