Tipps und Pflichten Autofahren im Winter: Wie Sie die größten Fehler vermeiden können

Schnee, Matsch und Glätte fordern Autofahrer auf besondere Weise. Doch einige Fehler sind vermeidbar. Foto: dpa/Ennio Leanza/KEYSTONESchnee, Matsch und Glätte fordern Autofahrer auf besondere Weise. Doch einige Fehler sind vermeidbar. Foto: dpa/Ennio Leanza/KEYSTONE
dpa/Ennio Leanza/KEYSTONE

Osnabrück. Sobald die ersten Schneeflocken vom Himmel fallen, gerät der Verkehr ins Stocken. Mit etwas Vorbereitung können Autofahrer die größten Fehler auf winterlichen Straßen vermeiden.

Vorbereitung: Sehen und gesehen werden

Kratzen in der Kälte ist lästig, aber notwendig. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) weist darauf hin, dass das Fahren mit einem freigekratzten „Guckloch“ gefährlich sei und vor Gericht zur Anrechnung einer Mitschuld an einem Unfall führen könne. Am Ende gilt bei winterlichen Fahrten das Motto: sehen und gesehen werden. (Weiterlesen: So kommt das Eis von der Scheibe) 

Hier müssen Eis und Schnee weg:

  • Frontscheibe
  • Heckscheibe
  • Seitenscheiben
  • Scheinwerfer
  • Blinker
  • Rückleuchten
  • Kennzeichen
  • Dach und Motorhaube



Vorsorgen, statt Kratzen

Die Alternative zum Kratzen ist, das Einfrieren und Einschneien des Autos über Nacht bereits am Vorabend zu verhindern. Das geht zum Beispiel mit Abdeckfolien für die Frontscheibe oder sogenannten Halb- oder Vollgaragen, die wie ein Zelt über das Auto gespannt werden. Damit die Scheibenwischer nicht festfrieren, klemmen Autofahrer Karton zwischen die Wischblätter und die Frontscheibe. Eine bequeme aber kostspielige Lösung ist die Nachrüstung einer Standheizung. Türschlösser können mit Pflegemittel samt Frostschutz geschützt werden. 

Wie verhält sich das Auto?

Das Auto verhält sich bei Schnee und Glätte anders, als unter Normalbedingungen. Autofahrer können mögliche Unterschiede zum gewohnten Fahrverhalten direkt nach Fahrbeginn durch kurzes Beschleunigen und Abbremsen überprüfen – vorausgesetzt, die Verkehrssituation lässt das zu. So entsteht ein Gefühl dafür, wie groß die Unterschiede zum Alltag sind. Rattert das ABS bereits beim Bremsen mit niedriger Geschwindigkeit, ist das ein Zeichen für eine sehr glatte Straße. 

Vorsichtig Fahren – ohne zu übertreiben

Eine angepasst Fahrweise im Winter ist angebracht – doch es gibt Grenzen. Bei geräumten Straßen besteht kein Grund, den restlichen Verkehr durch langsames Fahren auszubremsen. Besonders auf Autobahnen vergessen einige Verkehrsteilnehmer, dass das Rechtsfahrgebot auch im Winter gilt. Stattdessen fahren sie lieber langsam auf dem mittleren oder gar dem linken Fahrstreifen; das muss nicht sein und kann für andere gefährlich werden. (Weiterlesen: Frust beim Fahren – diese Fehler machen Autofahrer)


 Allgemeine Tipps zum Fahren bei Schnee und Glätte:

  • behutsames Anfahren, am besten im zweiten Gang 
  • Automatikfahrer schalten manuell in den zweiten Gang oder aktivieren ein Winterprogramm, falls vorhanden
  • früh schalten und hohe Drehzahlen vermeiden
  • größeren Abstand zum Vordermann lassen
  • noch vorausschauender auf Ampeln, Kreuzungen und Kurven zufahren und dabei sanft bremsen
  • auf ruckartiges Lenken verzichten
  • für die Routenplanung: Hauptstraßen sind im Winter sicherer als Schleichwege über Seitenstraßen.

Sommerreifen im Winter: Das kann teuer werden

Wenn beim Anfahren die Reifen durchdrehen und bereits leichte Kurven und Bremsvorgänge das Auto uns Rutschen bringen, ist der Grund oft klar: Das Auto fährt mit Sommerreifen. Das ist gefährlich für den Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer – und kann teuer werden. Bei winterlichen Straßenverhältnissen wie Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darf nach Straßenverkehrsordnung (StVo) ein Kraftfahrzeug nur mit Winter- oder Ganzjahresreifen gefahren werden. Ein Verstoß wird mit einer Geldbuße in Höhe von 60 Euro und einem Punkt in Flensburg geahndet. Wer infolge falscher Bereifung den Verkehr behindert, muss mit einem Bußgeld auf 80 Euro rechnen.

So verändern die Straßenbedingungen den Bremsweg. Grafik: ADAC

Winterreifenpflicht: Das müssen Autofahrer wissen

Für den Winter geeignete Reifen sind mit der Abkürzung „M+S“ oder einem Schneeflockensymbol gekennzeichnet. Obacht: Seit 2018 reicht das "M+S"-Zeichen für neu produzierte Reifen nicht mehr aus. Lediglich "M+S"-Reifen, die bis zum 31. Dezember 2017 hergestellt wurden, dürfen nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums auch bei winterlichen Bedingungen noch bis 30. September 2024 gefahren werden. Einen genauen Zeitpunkt für das Aufziehen von Winterreifen nennt die StVo nicht. Der ADAC empfiehlt den Zeitraum Oktober bis Ostern. 

Bei großer Unsicherheit: Das Auto stehen lassen

Autofahrer, die sich bei Schnee und Glätte sehr unwohl und unsicher fühlen, sollten sich nicht schämen oder den Verkehr durch eine übervorsichtige Fahrweise behindern. Als Alternativen bieten sich Bus und Bahn an. Außerdem können sich Arbeitnehmer beim Vorgesetzten nach der Möglichkeit der Heimarbeit erkundigen oder Fahrgemeinschaften mit Kollegen bilden, die sich sicher im winterlichen Straßenverkehr bewegen. (Weiterlesen: Senioren am Steuer – echte Gefahr oder Opfer von Vorurteilen?)


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