Alter Schmuck & Co. Wohin mit Omas Silberbesteck?

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Ein altes Silberbesteck. Foto:  imago/imagebrokerEin altes Silberbesteck. Foto: imago/imagebroker

Osnabrück. Alter Schmuck, Omas Besteck, Gebrauchsgegenstände: Die Deutschen sitzen auf einem tonnenschweren Schatz aus Silber. Wie viel ist er wert? Und wohin damit? Wann lohnt sich der Verkauf?

In vielen Haushalten liegt altes Silber ungenutzt in der Schublade herum. Nicht selten entdecken Erben im Nachlass ihrer Großeltern neben Schmuck auch Besteck aus dem Edelmetall. Doch die meisten Berufstätigen können Silberlöffeln wenig anfangen – auch, weil sie nicht spülmaschinentauglich sind und ständig poliert werden müssen.

Laut der letzten repräsentativen Befragung zum „Silberbesitz der Privatpersonen in Deutschland“ der Steinbeis-Hochschule Berlin besitzen die Deutschen 29.000 Tonnen Silber in Form von Geschirr oder Einrichtungsgegenständen aber auch Anlageobjekten wie Barren und Münzen. Dies entsprach 2011, als die Zahlen erhoben wurden, einem Gegenwert von ca. 19 Milliarden Euro. Knapp 70 Prozent der deutschen Bürger sind im Besitz von Silber. Von diesen wiederum besitzen 61 Prozent Silberschmuck. Über Einrichtungsgegenstände und Besteck oder Geschirr aus Silber verfügen rund 30 Prozent. Münzen und Barren finden sich in 28 Prozent der Haushalte.

Stimmt die Qualität?

Wer das geerbte Tafelsilber verkaufen will, sollte zunächst prüfen, was für eine Qualität es hat. Nicht alles, was silbrig glänzt, ist tatsächlich pures Silber. Jedes Besteck und Schmuckstück ist mit einem Stempel versehen, der die Reinheit, den Hersteller und in manchen Fällen auch die Herkunft dokumentiert. Auf hochwertigem Silber findet sich ein 830er-, 925er- oder 999er-Stempel. Bei der Prägung 925 handelt es sich um Sterlingsilber. Dann besteht die Legierung aus 92,5 Prozent reinem Silber. 999er-Silber hat einen Anteil von 99,9 Prozent.

Neben solchen Massivsilbern gibt es auch versilberte Waren. Diese Stücke, die nur mit einer Silberschicht überzogen sind, sind weit weniger wertvoll. Oft ist das bei Besteck der Fall – üblich ist hier der Name Hotelsilber mit der Prägung „90“. Auch Schmuck ist mitunter nur versilbert, während der Kern aus unedleren Metallen besteht.

Relevant für den Verkauf ist die Menge an Silber. Da das Edelmetall einen vergleichsweise geringen Materialwert hat, rentiert sich die Abgabe eines einzelnen Ringes für gewöhnlich nicht. Gleiches gilt für Silbermedaillen, die verbreiteten filigranen Silberketten oder versilberte Stücke. Erst wenn sich einige Gegenstände angesammelt haben, macht es Sinn zu verkaufen.

Wer kauft Silberware?

Aber an wen? Juweliere nehmen meist nur hochwertiges Silber an. Das Einreichen zu Auktionen ist sinnvoll, wenn es sich bei dem Silbergegenstand um eine Antiquität handelt. Bei Antiquitäten kommt zum Materialwert auch noch der Sammlerwert. Die meisten Bestecke nach der Mitte des 19. Jahrhunderts haben laut Experten nur noch Materialwert. Wenn Silbergegenstände vor 1800 hergestellt wurden, kann man oft davon ausgehen, dass sie auch einen künstlerischen Wert haben. Diese Gegenstände sollten Besitzer begutachten lassen, bevor sie sich für andere Optionen wie Einschmelzen oder das Verkaufen an Scheideanstalten entscheiden.

Diese Anstalten kaufen Edelmetalle, analysieren die Bestandteile und somit den tatsächlichen Wert. Die gezahlten Summen richten sich nach den aktuellen Rohstoffpreisen – kein Verkäufer muss somit befürchten, seine Waren allzu preiswert zu veräußern. Vergleichen lohnt sich dennoch. Die Verdienst-Margen bei den einzelnen Ankäufern können sehr unterschiedlich sein. Um sich über den Materialwert ungefähr klar zu werden, kann man ihn selbst ausrechnen. Der Börsenkurs für Silber ist tagesaktuell im Internet einsehbar. Für ein Kilogramm Feinsilber, also chemisch reines Silber, bekommt man aktuell 404,46 Euro (Stand Montag).

So wird der Ankaufswert errechnet

Für Privatpersonen errechnet sich der Ankaufkurs aus dem Silberinhalt im Altsilber (bei Besteck meist 80 Prozent, bei Schmuck meist 92,5 Prozent) und dem Schmelzpreis pro Gramm Altsilber. Ein Beispiel: Ein Silberbesteckset aus 800er Silber mit einem Gewicht von drei Kilogramm enthält 80 Prozent Silber, was 2,4 Kilogramm entspricht. Der Silberinhalt wird multipliziert mit dem Ankaufspreis von 340 Euro pro Kilogramm. Das ergibt für das Besteck einen Ankaufswert von 816 Euro.

Beim Unternehmen ESG Edelmetall-Service, einem der größten deutschen Edelmetallrecycler, wurden im vergangenen Jahr 25 Tonnen Altsilber eingereicht – von Medaillen über Tafelsilber bis zu industriellen Silberabfällen. „Zu den kuriosesten Silbergegenständen gehören im Ankauf silberne Musikinstrumente wie Querflöten oder Saxophone. Diese kommen allerdings nur selten zum Einschmelzen und nur dann, wenn sie so kaputt sind, dass sich eine Restaurierung nicht lohnen würde“, sagt Geschäftsführer Dominik Lochmann.

Silber in Barren umwandeln?

Sein Betrieb wandelt wie einige andere Anbieter in Deutschland Altsilber in Barren und Münzen um, macht daraus also einen neuen Wertgegenstand. Alte Ware wird eingeschmolzen, per Elektrolyse zu Feinsilber und weiter zu Granulat verarbeitet. Daraus werden Barren gegossen, punziert und dann an Banken und Anleger verkauft.

Die Norddeutsche Edelmetall Scheideanstalt mit Sitz im schleswig-holsteinischen Norderstedt ist eines der wenigen Werke in Norddeutschland, das Altsilber nicht nur ankauft, sondern auf Wunsch auch in Barren umwandelt, die direkt aus dem eigenen Silber stammen. Die chemische Umwandlung lässt sich der Anbieter mit 32 Euro plus Mehrwertsteuer bezahlen, die Fertigung des Barrens kostet zwischen zehn Euro für einen kleinen Barren und 40 Euro für einen großen. 

„Da ein Kauf von Silberbarren oder Münzen für die Geldanlage mit Mehrwertsteuer belastet werden muss, lohnt es sich für den interessierten Silberinvestor, über eine Silberscheidung von vorhandenem Silber in Tafelbestecken, Tafelsilber oder Silberschmuck nachzudenken“, sagt Geschäftsführer Mathias Kruse. Durch das Umformen fällt keine Mehrwertsteuer von 19 Prozent an, da das Silber in den Barren dem Kunden noch gehört. Nur die Dienstleistungen müssen bezahlt werden. Für die Umformung müssten Mindestgewichte von zwei Kilogramm Feinsilber-Anteil erreicht werden.


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