Festliche Hochstapelei So kam die Etagere wieder in Mode

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Ein verspieltes Modell einer Etagere für die Teestunde mit Muffins. Foto: Colourbox.deEin verspieltes Modell einer Etagere für die Teestunde mit Muffins. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Wer kulinarisch ein opulentes Frühstücksbuffet am Neujahrsmorgen auftischen möchte, der kann flink in Platznöte geraten. Vor einigen Jahren kam ein eleganter Problemlöser in vielfältigen Variationen wieder groß in Mode: die Etagere.

Eine Etagere spart Platz und erweckt selbst auf dem kleinsten Tisch den Eindruck einer üppigen, fürstlichen Tafel. Das ist kein Wunder, denn eine solche festliche Hochstapelei dank mehrstöckigen Gestells für diverse gefüllte übereinander geordnete Teller war bei Hof im Barock zum ersten Mal en vogue.

Zumal sie auch außerordentlich praktisch ist, um viele Speisen, platziert auf geringem Raum, sicher aus der Küche zur Tafel zu transportieren: Möglich macht dies ein Stiel in der Mitte mit Ring am oberen Ende oder ein Griff am Bogen eines Metallgestells. So ist sie auch heute in der Gastronomie nicht nur als dekoratives Stilelement beliebt.

Wie aus Großmutters Geschirrschrank: eine traditionelle Etagere. Foto: imago/Westend61


Einflussreiche Vintage-Mode

In die Esszimmer des Bürgertums zogen diese Servierständer im 19. Jahrhundert ein. In den 50er-Jahren kam es im Zuge der beliebten Cocktailpartys zu einem Comeback. Vor gut sechs Jahren erlebte das dekorative Höhenspiel erneut ein Revival als Geschenkartikel bei Herstellern und Verbrauchern als Erweiterung der modernen Tischkultur um ein nostalgisches Sinnbild für gemütliche Geselligkeit: Sei es die stilvolle englische Teestunde vor dem Kamin mit Gebäck, Scones und Gurkensandwich oder in der französischen Variante mit Käse und raffinierten Pasteten oder die Erinnerung an Großmutters getürmte feine Pralinen zum Kaffeekränzchen. 

Praktisch zu transportieren: eine dreistöckige Etagere für einen üppigen englischen Nachmittagstee. Foto: colourbox.de


Der Trend zur Etagere sei aus der Vintage-Mode gekommen, sagt Designerin Claudia Herke im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie verbindet damit vor allem Modelle aus klassischen Manufakturen, die Etageren aus hochwertigen Materialien und Bemalungen im Programm haben. Doch zu den edlen Designer-Stücken aus Porzellan oder Keramik mit Sammlerwert kamen moderne, gar futuristische Variationen in allen Preisklassen hinzu. So sei die Etagere mittlerweile wieder zu einem Klassiker unter den Gebrauchsgegenständen geworden, der „in den Haushalten angekommen ist“, meint Herke, Trendexpertin im Frankfurter Stilbüro borke.herke.palmisano.

Rustikale Variante: eine Etagere aus Holz. Foto: imago/Westend61


Reicht der Platz im Schrank?

Ob ein Fingerfood-Turm im Kunststoffspritzguss hergestellt oder zweistöckiges zusammenklappbares Holzgestell mit eingesetzten Schieferplatten: „Kein Verfahren macht halt vor diesem Produkt“, resümiert Herke. Teller, Bretter oder Schalen können mittlerweile auf mehrere Ebenen übereinandergestapelt werden. Dabei darf es schlicht, rustikal oder verspielt sein – alles scheint machbar.

Dekorative Höhenflüge im angesagten Retrostil sind mit dem Servierständer längst auch im Wohnzimmer mit Blumen und Teelichtern oder im Badezimmer mit auf mehreren Ebenen in Szene gesetzten Seifen, Badekugeln oder Schminkutensilien möglich. 

Der elegante Platz-Problemlöser hat jedoch einen kleinen Haken – zumindest bei einigen klassischen Modellen, das weiß auch Herke: „Schwierig bei einer Etagere ist die Aufbewahrung, weil sie im Schrank sehr viel Platz in Anspruch nimmt. Man kann sich aus Platzgründen keine Kollektion halten, wenn man einen normalen Haushalt hat."


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