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50 Jahre Computermaus Wie steht es um eine "Fair Trade"-Computermaus

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Die "Faire Maus" von Nager IT. Foto: Nager ITDie "Faire Maus" von Nager IT. Foto: Nager IT

Osnabrück. Die Erfindung der Computermaus vor 50 Jahren habe den Siegeszug des PCs einst erst ermöglicht, so der Digitalverband Bitkom. Dient sind wieder Impulsgeber? Eine IT-Initiative arbeitet an einer nachhaltig produzierten Maus.Sie soll der Branche den Weg zur „Fairen Elektronik “ ebnen.

Auf den ersten Blick sieht sie wie eine übliche optische Computermaus aus: Gehäuse mit zwei Tasten, Kabel und LED-Lichtquelle. Auf den zweiten Blick erschließt sich, was das außergewöhnliche die „Faire Maus“ des Vereins Nager IT ausmacht: ein Scrollrad aus Holz statt aus Plastik. Es stammt aus heimischer Produktion. Dieses Gehäuse des Eingabegeräts besteht nicht aus erdölbasierendem Kunststoff, sondern aus einem Biowerkstoff aus Polymilchsäure, hergestellt aus Rohrzucker. Entwickelt am Institut für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe (IfBB) in Hannover. Alle Teile dieser Computermaus, die rund 30 Euro kostet, sind austauschbar und können „soweit wie möglich“ repariert werden, so der Verein Nager IT, der 2012 von der Geographin Susanne Jordan initiiert wurde.

Komplexe Lieferkette

Der Biokunststoff vom IfBB ist der aktuelle Baustein auf dem langen Weg der Initiative zu einer 100-prozentigen „fairen Maus“, also produziert unter Berücksichtigung von Sozial- und Umweltstandards. Das sei das erste Ziel des Projekts, sagt eine Sprecherin von Nager IT im Gespräch. Denn diese Computermaus solle ein „Beispiel“ für die großen Elektronik- und IT-Hersteller sein, um ein „Fair Trade“-Sortiment zu entwickeln, ähnlich wie man es im Handel bereits beim Tee, Kaffee oder bei der Kleidung kennt.

Bisher haben sich kleine Smartphone-Anbieter wie die deutsche Firma Shift und die niederländische Firma Fairphone diesem Weg angeschlossen, vor allem auch im Hinblick darauf das Recycling der kurzlebigen Geräte. Doch Nachhaltigkeit ist, laut einer aktuellen Studie der Deutschen Umwelthilfe, auch bei Smartphones noch eine Ausnahme.

Das Problem dort, genau wie bei der Computermaus: Die Lieferketten sind komplex und teilweise undurchsichtig, was die ein entsprechendes Organigramm auf der Homepage von Nager-IT verdeutlicht. Bereits 2009 begann Susanne Jordan, die genaue Herkunft und die Produktionsbedingungen der im Vergleich zum PC eigentlich überschaubaren etwa 20 Bestandteile der Maus nachzuvollziehen. Doch bis heute hält die aufwendige Recherche sowie die Suche nach alternativen Lösungen an, beispielsweise im Bezug auf umweltfreundlichere Materialien an: „Um die 1000 Menschen sind in mehr als 100 Unternehmen am Produktionsprozess unserer Maus beteiligt“, so Nager IT. Zu zwei Drittel könne die Lieferkette derzeit fair gestaltet werden, erklärt die Initiative.

Erster Großauftrag

Schlagzeilen machte das IT-Projekt Anfang des Jahres, als es seinen ersten Großauftrag erhielt: 20 000 Büroarbeitsplätze der niedersächsischen Polizei sollen mit der „Fairen Maus“ bis Ende des Jahres ausgestattet sein: „Damit verlässt die Faire IT den Bereich des symbolischen Goodwills“, erklärte Initiatorin Susanne Jordan.

Erst die Computermaus habe den Siegeszug des PC erst ermöglicht, meint Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands Bitkom: „Die komfortablen Benutzeroberflächen unter Windows oder auch bei Apple wären ohne die Computermaus nicht denkbar.“ Nunmehr 50 Jahre nachdem der amerikanische Computertechniker Douglas Engelbart am 9. Dezember 1968 zum ersten Mal  öffentlich eine Computermaus – damals in wuchtiger Holzklotz-Optik – während einer 90-minütigen Live-Präsentation in San Francisco vor Fachpublikum präsentierte, traut man dem Gerät offenbar erneut die Rolle des Impulsgebers für eine nachhaltige Computertechnologie zu.

Vom Tippen zum Klicken

Dabei hat der allererste Maus-Prototyp von Erfinder Douglas Engelbart (1925-2013) mit den heutigen Modellen allein optisch wenig gemeinsam: Der „X-Y-Positionsanzeiger für ein Bildschirmsystem“ hatte ein Gehäuse aus Holz, eine dünne Schnur, eine rote Taste und anstelle einer Kugel, ein Rad für die Bewegung des Cursors.

Es sollte jedoch noch eine ganze Weile dauern, bis die Maus eine massenhafte Beachtung und Anwendung im Arbeitsalltag finden sollte, denn damals reichte für die Tätigkeit am Computer die Eingabe von Kurzbefehlen über die Tastatur.

Kugelmaus als Staubfänger

In den 70er-Jahren wurde der Prototyp von Engelbart weiterentwickelt. So kam auch die Kugel in den Bauch der Maus. 1973 wurde sie zum ersten Mal beim Xerox Alto eingesetzt. Es war jene Kugel, die später in den 80er- und 90er-Jahren bei häufiger Nutzung ein paar Probleme bereitete – eine Art moderne Mausefalle: Denn das Eingabegerät sammelte auch mit der Zeit fleißig sämtlichen Staub vom Tisch oder vom Mousepad auf, was regelmäßig den unmittelbaren Kontakt zwischen Mensch und Maschine ins Stocken brachte. Eine Schattenseite der Erfindung für den Nutzer – ebenso wie die Schmerzen des sogenannten Mausarms.

Im Januar 1983 präsentierte Apple seinen Heimcomputer Lisa, der eine grafische Benutzeroberfläche besaß und mit einer Maus bedient werden konnte – ein revolutionäres Konzept, das sich auf dem Markt aber zunächst nicht durchsetzte. Das Modell kostete 10000 Dollar. Doch erst mit dem Apple Macintosh und Microsoft Windows – ab 1990 erfolgreich – begann sich die Computermaus durchzusetzen. 1983 kam auch die erste Microsoft-Maus auf den Markt. Ein Jahr später stellte Logitech eine auf Infrarottechnik basierende kabellose Maus vor.

Heute stehen Desktop-Computer noch immer in vielen Haushalten und Büros - und somit ist auch die Computermaus weiterhin im Dienst: Sechs von zehn Bundesbürgern ab 14 Jahren nutzen, laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, privat oder beruflich einen Desktop-PC. Das sind 62 Prozent der Befragten, vor vier Jahren waren es noch 78 Prozent. 

Die Konkurrenz von Touchpad und – screens hinterlassen in diesen Zahlen bereits ihre Spuren. Das Angebot an Eingabegeräte ist heute vielfältig. Man kann wählen zwischen klassischer Maus mit Kabel, kabelloser Trackballmaus, vertikaler Maus oder eben ganz auf sie verzichten und den Laptop mit dem eingebauten Touchpad steuern. (Mit AFP)


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