Nach BGH-Urteil Experte erklärt: Wie man Schimmel vermeidet – und wieder los wird

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Schimmel wird man am besten mit Spiritus und einem Lappen los, sagt der Experte. Ist der Befall zu groß, muss die Tapete entfernt werden. Foto: imago/Streiflicht-PressefotoSchimmel wird man am besten mit Spiritus und einem Lappen los, sagt der Experte. Ist der Befall zu groß, muss die Tapete entfernt werden. Foto: imago/Streiflicht-Pressefoto

Hamburg. Professor Dr. Thomas Schupp, Toxikologe an der FH Münster, erklärt, wie der Schimmel in die Wohnung kommt, wie man Pilzbefall meidet und ihn notfalls wieder los wird.

Am Mittwoch hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass allein das Risiko von Schimmelbildung in älteren und nicht gedämmten Gebäuden nicht dazu berechtigt, die Miete zu kürzen. Damit scheiterten die Mieter zweier Wohnungen mit ihrer Klage gegen eine große Immobiliengesellschaft im schleswig-holsteinischen Glinde.

Schimmel in der Wohnung kann die Ursache für zahlreiche Krankheiten sein – insbesondere für Allergiker. Wie aber verhindert man, dass es überhaupt in der Wohnung schimmelt? Und wie wird man ihn wieder los, wenn er einmal da ist?

Pilzbefall in der Wohnung kann zwei Ursachen haben, erklärt Professor Dr. Thomas Schupp: Baumängel oder ein Fehlverhalten der Bewohner. Wenn das Dach oder die Außenwände undicht sind, hilft auch kein Lüften mehr. Zudem können bei der Wärmedämmung des Gebäudes Fehler unterlaufen sein, die dazu führen, dass es Stellen an den Wänden gibt, die kalt bleiben. "Dort kondensiert die Luftfeuchtigkeit aus dem Wohnraum – und wenn es feucht genug ist, fühlt sich auch der Schimmel wohl und bleibt", sagt Schupp. 

Luftfeuchtigkeit darf nicht zu hoch sein

In den meisten anderen Fällen kann der Mieter aber selbst dafür sorgen, dass es nicht schimmelt: "Die Luftfeuchtigkeit darf nicht zu hoch sein", sagt der Chemiker. Dauerhaft mehr als 70 Prozent sollten vermieden werden. Beispielsweise das Trocknen von Wäsche in der Wohnung bezeichnet er als "No-Go".

Weiterlesen: Fragen und Antworten: Kann die Miete schon bei Schimmelgefahr gekürzt werden?

Schupp empfiehlt, die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung regelmäßig mit einem Hygrometer zu messen. "Dabei reicht es nicht, wenn es auf dem Tisch steht", sagt er. Wichtig sei es, auch an unüblichen Stellen zu messen – in der Zimmerecke oder hinter dem Schrank. Steht ein Möbelstück nämlich zu dicht an der Wand – insbesondere an der Außenwand – kann die Luft nicht mehr ausgetauscht werden und so kondensieren. "Dort sollte man das Gerät eine halbe Stunde stehenlassen und dann ablesen", rät der Experte. Liegt die Feuchtigkeit drei bis vier Tage durchgehend bei mehr als 70 Prozent, sollte etwas unternommen werden. Zudem sollte ein Schrank ohnehin möglichst eine Handbreit Abstand zu einer Außenwand haben. 

Der Experte rät, die Luftfeuchte regelmäßig mit einem Hygrometer zu überprüfen. Foto: dpa/Robert Günther

Regelmäßiges Stoßlüften ist eine der wichtigsten Maßnahmen, um eine zu feuchte Wohnung zu vermeiden. "Und es sollte nicht zu sparsam mit der Heizung umgegangen werden", rät Schupp. Im Schlafzimmer sollte die Temperatur auf Dauer nicht unter 18 Grad sinken. 

Auch wichtig ist es, dass der Temperaturunterschied zwischen den einzelnen Räumen in der Wohnung nicht zu groß ist. Herrschen beispielsweise 18 Grad im Schlafzimmer, dafür 25 Grad im benachbarten Wohnzimmer, dann kann die warme Luft vom Wohn- ins Schlafzimmer abziehen, dort wieder abkühlen und gespeicherte Feuchtigkeit abgeben. 

Schimmel am besten mit Spiritus entfernen

Was aber ist zu tun, wenn es bereits zu spät ist, wenn es bereits schimmelt? "Das A und O ist es, die Ursache zu erkennen und zu beseitigen", sagt Schupp. Ist beispielsweise die Tapete von Schimmel befallen, muss sie entfernt werden. Ebenso ist es mit Holz oder Leder. "Wenn der Schimmel da richtig durchgedrungen ist, gibt es keine Chance mehr." Ansonsten sei es bereits ausreichend, Schimmel mit Spiritus und einem feuchten Lappen wegzuwischen. Dazu müssten keine zusätzlichen Pilzentferner (Fungizide) eingekauft werden, sagt er. 

Weiterlesen: Bundesgerichtshof: Keine Mietkürzung bei Schimmelgefahr

Ist die befallene Stelle gut abgetrocknet, müsste man sich keine Sorgen mehr machen. Es muss nur durch das weitere Überwachen der Luftfeuchtigkeit dafür gesorgt werden, dass der Schimmel sich nicht wieder dauerhaft irgendwo niederlässt. Ganz weg bekommt man ihn nämlich nie: "Die Schimmelpilzsporen sind ubiquitär in der Umwelt", so Schupp – also ohnehin überall verbreitet. "Und das müssen sie auch sein. Für unsere Ökosysteme brauchen wir dringend Schimmelpilze, sonst würden wir nicht mehr lange existieren." 

Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden des Umweltbundesamts


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